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„Erhöhtes Risiko“

Oberösterreichisches Schmuck-Startup Gooix auf der wirtschaftlichen Achterbahn

Gooix ist ein oberösterreichisches Schmuck- und Uhren-Startup © Gooix
Gooix ist ein oberösterreichisches Schmuck- und Uhren-Startup © Gooix

Das vor eineinhalb Jahren von C-Quadrat-Gründer Alexander Schütz gerettete oberösterreichische Schmuck- und Uhren-Startup Gooix, dessen Konkurs nach wie vor nicht abgeschlossen ist, wurde vom KSV 1870 schon wieder auf „erhöhtes Risiko“ gestuft. Ein Wirtschaftskrimi.

Michael Stadlmann gilt als Verkaufstalent in der Schmuck- und Uhrenbranche. „Er ist ein echtes Verkaufsgenie“, sagt ein Branchenkenner, „er schafft es, mit einer grandiosen Überzeugungskraft Visionen zu verkaufen. Auch wenn die nie eintreten werden.“ So talentiert Stadlmann als Verkäufer auch ist, als Geschäftsführer seines Unternehmens Gooix watches & jewellery war er bislang weniger erfolgreich. Was wiederum eine der vielen Startup-Weisheiten bestätigt: Will man erfolgreich sein, muss jede Position im Unternehmen mit der perfekten Person besetzt sein.

2016 legte Stadlmanns Unternehmen, die Gooix Group Europe GmbH mit Firmensitz in Hörsching (OÖ), einen ordentlichen Konkurs hin. Die Passiva lagen bei Konkurseröffnung bei 3,9 Millionen Euro – darunter 1,1 Millionen Euro auf besicherte Kredite, 390.000 Euro auf die Gebietskrankenkasse, 215.000 Euro auf die Mitarbeiter, 159.000 Euro auf zwei Finanzämter und 44.000 Euro auf die Gemeinde Hörsching.

Gooix-CEO Michael Stadlmann. © Gooix

Die 3,9 Millionen Euro sind allerdings nur die Spitze des Eisbergs, in den Jahren vor dem Konkurs hatte Stadlmann sehr hohe Millionenbeträge verbrannt, ist Sponsorgelder schuldig geblieben und zählt prominente Investoren zu seinen Opfern, wie der Linzer Juwelier und Gründer von Palido Fine Jewels, Siegfried Paukner, der Geschäftsführer des Weekend-Magazins Christian Lengauer oder Investor Willibald Dörflinger. Insgesamt umfasst die Gläubigerliste 176 Personen und Firmen. Der Konkurs ist noch im Laufen. Der zuständige Masseverwalter Thomas Kurz, der Stadlmann Insolvenzverschleppung vorwarf, ist aber nun „guter Dinge, dass der Konkurs im Frühjahr 2018 endlich abgeschlossen werden kann“. Er hofft, da und dort noch einiges rausholen zu können.

Die Rettung dank eines „klassen Burschen“

Trotz all dieser Turbulenzen konnte Stadlmann einen seiner Bekannten, den Startup-Kenner und Gründer des Anlageunternehmens C-Quadrat, Alexander Schütz, 2016 überzeugen, sein Unternehmen zu retten und in Gooix zu investieren. Stadlmann: „Alex ist ein super, super super, klasser Bursch.“ Schütz hat Firmengebäude und Lager herausgekauft und Gooix den Neustart ermöglicht.

Die Anteile sind in der Familienstiftung von Alexander Schütz in Liechtenstein geparkt. Das Geschäftsmodell des Schmuck- und Uhren-Startups: Neben der Eigenmarke Gooix werden die Marken S.Oliver, Liebeskind, Superdry und Liu.Jo vertrieben. Die Uhren und den Schmuck seiner Eigenmarke lässt Stadlmann in Asien fertigen.

Das Gooix-Management-Team. © Gooix

Neuer Anlauf

Derzeit ist man vom Ziel, im Jahr 2020 zu den „Big Playern“ im deutschsprachigen Raum zu zählen, aber noch weit entfernt. „Der Handel wird immer schwieriger, das ist eh kein Geheimnis“, sagt Stadlmann im Trending Topics-Interview. „Das Online-Geschäft nimmt rapide und massiv zu. Da muss man neue Wege gehen.“ Eine neue Online-Plattform, mit der er kurz vor Weihnachten gestartet hat, soll den Umsatz bringen.

Um den stationären Handel nicht zu brüskieren, bekommt ein Händler bei jedem Online-Verkauf, der von einem Kunden getätigt wurde, der in dessen Einzugsgebiet wohnt, 20 Prozent Provision. Auf die Frage, was er heute besser macht als früher, will Stadlmann am Telefon nicht sprechen. „Diese Sache (Konkurs, Anm.) hatte einen gesellschaftlichen Hintergrund. Das hat sein müssen.“ Das sei ein „Wirtschaftskrimi“ gewesen.

Schlechte Bilanz

Und der Krimi geht weiter, denn ob bei Gooix alles so läuft, wie es sich C-Quadrat-Gründer und Investor Schütz vorgestellt hat, ist fraglich. Trotz der einst in den Medien so hoch gelobten „Rettung“ von Gooix steht das Unternehmen mit einer nicht so rosigen Bilanz da. Am 17. November 2017 wurde der Jahresabschluss für 2016 abgegeben (übriges sechs Wochen nach der gesetzlichen Frist). Das Unternehmen ist trotz deutlich angestiegener Vorräte überschuldet.

Investor Schütz sieht das offensichtlich locker: „Die Darlehen sind überwiegend nachrangig und haben deshalb Eigenkapitalcharakter. Das Geschäft von Gooix ist sehr lukrativ, allerdings auch sehr kapitalintensiv.“ Letzteres wird von Insidern aber bezweifelt, da es sich bei den Gooix-Waren um billige Produkte aus Asien handelt. Weniger locker sieht den Jahresabschluss 2016 übrigens der Kreditschutzverband von 1870: „Wir haben Gooix auf ,erhöhtes Risiko´ gestuft“. Im internen Ranking von 100 (höchste Bonität) bis 700 (Insolvenz) hat Gooix den Wert 407. Im abgelaufenen Jahr 2017 soll das Unternehmen laut Stadlmann eine „knappe schwarze Null“ erwirtschaftet haben, aber der Jahresbericht 2017 wird es frühestens im Oktober 2018 vorliegen.

„Ich hätte viel erzählen können“

Was die ehemaligen Großinvestoren, die von der Pleite betroffen sind, wundert, ist die Tatsache, dass sie von Schütz nicht kontaktiert wurden. „Im Normalfall informiert man sich doch, warum ein Unternehmen pleite gegangen ist“, sagt einer der früheren Wegbegleiter Stadlmanns, „ich hätte viel erzählen können.“ Investor Willibald Dörflinger ist „menschlich zu tiefst enttäuscht“. „Abgesehen davon, dass er das anfangs freundschaftliche Verhältnis missbraucht hat, gestaltete sich die Zusammenarbeit immer schwieriger, er hat sich letztlich nicht an Abmachungen gehalten.“ Erfahrungen und Erlebnisse, die auch für Schütz von Interesse hätten sein können, aber der „Retter von Gooix“ ist eine Antwort auf die Frage, warum er an keiner Information aus der Vorgeschichte interessiert war, schuldig geblieben.

Gooix sollte ein weiteres Musterbeispiel der in den vergangenen Jahren so hoch gelobten „Kultur des Scheiterns“ sein, nach der jeder seine zweite Chance verdient. Die Kultur wird im Silicon Valley propagiert und fand in Österreich vor allem mit Damian Idzdebski ein Vorzeigebeispiel – Idzdebski hatte nach seiner DiTech-Pleite das Startup Techbold gestartet und dafür einige renommierte Investoren überzeugen können. Ob das bei Gooix gelingt, ist mehr als fraglich. „Es stimmt, dass jeder eine zweite Chance verdient, aber Stadlmann hatte schon mehrere Chancen, die er alle nicht genutzt hat“, sind sich mehrere Investoren von Gooix alt einig.

Die Marketing-Tricks

Bei seinem ersten Versuch als Unternehmer versuchte Stadlmann, selbst Motorsportfan, Gooix über Motorsport-Sponsoring bekannt zu machen. Er ließ sich mit Motorsport-Größen wie Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, F1-Fahrer Lewis Hamilton oder Rennfahrer Patrick Wehrlein (fuhr in der vergangenen Formel-1-Saison für Sauber) ablichten oder sponserte das DTM-Team von Mercedes. Dort erinnert man sich an diese Partnerschaft, die laut Stadlmann noch nicht vorbei ist, nicht so gerne. „Herr Stadlmann ist uns einen deutlich sechsstelligen Betrag schuldig“, bestätigt Ulrich Fritz, der CEO der HWA AG, die als Rennwagenkonstrukteur (AMG) hinter dem DTM-Engagement von Mercedes steckt.

Stadlmann sei es auch untersagt, die einstige Mercedes-Kooperation werblich zu nutzen. Ob das auch der Gooix-Gründer so sieht, ist fraglich. Im aktuellen Imagefolder ist eine Mercedes-Werbeaufnahme aus der Vergangenheit formatfüllend zu sehen. „Es gibt keinerlei Geschäftsbeziehungen mehr mit Gooix“, unterstreicht Fritz.

Sponsoring-Probleme

Stadlmann hat aber auch andere Sportler unterstützt – so auch den österreichischen Cyclocross- und Mountainbikefahrer Daniel Federspiel, der 2015 und 2016 MTB-Weltmeister in der Disziplin Cross Country Eliminator wurde. Im Oktober 2017 hatte sich Federspiel auf Facebook beschwert (siehe Screenshot), dass er von Stadlmann kein Sponsorgeld erhalten habe, worauf ihm Freunde eine „Sammelaktion“ angeboten haben. Stadlmann hat Federspiel daraufhin ein Anwaltsschreiben schicken lassen und verweist darauf, dass er dem Mountainbiker am Anfang seiner Karriere mit einem Mercedes C-Klasse unterstützt habe. Aber Federspiel sei ja ohnehin erfolglos, so Stadlmann. „Wir unterstützen mittlerweile in der Radsportszene den Krenn Wolfgang, das ist einer der besten Mountainbiker.“

Gooix hat jetzt die Marketing-Strategie geändert. War es früher Motorsport, so sind es heute Society-Events wie Pink Ribbon oder Oktoberfest. Im Juli 2017 gab Stadlmann eine Kooperation mit Pink Ribbon bekannt, zum Oktoberfest hat er eine eigene „Oktoberfest“-Linie präsentiert.

Drei „Problemkinder“

Wie sich Gooix auch entwickeln wird, für Investor Schütz wäre es nicht das erste Startup, bei dem sich kein Erfolg einstellt. Als Gründer des europaweit tätigen Asset-Management-Unternehmens C-QUADRAT ist Schütz höchst erfolgreich und vertritt auch chinesische Investoren, so die HNA-Gruppe aus dem chinesischen Haikou. HNA hatte um drei Milliarden Euro knapp zehn Prozent der Deutschen Bank übernommen, ist größter Einzelaktionär und hat Alexander Schütz in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank geschickt.

Investor Alexander Schütz. © C-Quadrat

In seinem privaten Startup-Business hatte Schütz in der jüngsten Vergangenheit eher kein glückliches Händchen. Im November 2017 schlitterte die Smart Flower Energy Technology GmbH mit Sitz in Güssing mit 5,2 Millionen Euro in die Insolvenz. An diesem Startup hielt Schütz selbst 3,92 Prozent und über die San Gabriel Privatstiftung weitere 13,64 Prozent. Auch beim Startup OHHO, das im Dezember 2016 vom ehemaligen E-Control-Chef Walter Boltz gegründet wurde, ist Schütz mit 20 Prozent an Bord. OHHO ist eine Energieanbieter-Vergleichsplattform – eine Geschäftsidee, die viele Jahre davor Durchblicker hatte. OHHO.at gilt in der Branche als „Nullnummer“, man ist weit vom Erfolg entfernt.

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