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DeFi-Startup Nuri: „Wir wollen weg von diesem kurzfristigen Trading“

Das Nuri-Führungsteam. © Nuri
Das Nuri-Führungsteam. © Nuri

Es geht heiß her am Krypto-Markt. Zuerst explosionsartige Kursanstiege, dann ein heftiger Crash, schließlich geht es wieder aufwärts. „HODL“, „BTFD“, „FUD“ lauten die Appelle, die durch Social Media fluten, Krypto-Charts erreichen Rekordaufrufe, Exchanges und Trading-Apps stürzen ab.

Da erscheint das deutsche Krypto-Startup Nuri (bis vor kurzem Bitwala) wie ein ruhiger Fels in der Brandung. In bunten (manch einer würde sagen: femininen) Farben, einfacher Sprache und ganz ohne Bitcoin-Ticker, präsentiert sich Nuri in neuem Gewand.

„Wir wollen weg von diesem kurzfristigen Trading hin zum langfristigen Vermögensaufbau“, sagt die neue Nuri-CEO Kristina Walcker-Mayer (Ex-N26) im Gespräch mit Trending Topics. „Wir wollen das nachhaltiger anlegen und die jungen Zielgruppen nicht zum Zocken anregen.“ Das Werkzeug dazu: Decentralized Finance (DeFi).

„Sparen und Investieren neu denken“

Mit dem Fokus auf DeFi geht Nuri einen außergewöhnlichen Weg. Denn er bedeutet auch, eine ziemlich sperrige Thematik (schon mal Stablecoins über Liquidity-Protokolle verliehen?) für die breite Masse attraktiv machen zu wollen. Einen Zeh ins DeFi-Wasser kann man bei Nuri bereits halten: Über eine Partnerschaft mit Celsius Network aus Großbritannien können Nutzer ihre Bitcoins an andere verleihen, dafür wird bis zu 5 Prozent Rendite pro Jahr versprochen. Vermögensaufbau statt Day-Trading, lautet das Motto.

Als „Parallel-Finanzsystem, das nicht durch zentrale Institutionen gelenkt wird“, beschreibt Walcker-Mayer DeFi. „Die Zinssätze für die Sparbücher und die Kredite sind deswegen so niedrig, weil die Zentralbank den Leitzins vorgibt. In einem dezentralisierten System ist das nicht so. Dort wird vom Code bestimmt, wer wie viel Geld ausleihen darf, und die Zinsen werden durch Angebot und Nachfrage generiert.“

Die Kooperation mit Celsius Network für das Bitcoin-Ertragskonto ist der erste Schritt. In den nächsten Monaten und Jahren will Nuri mit „neue Finanzprodukten, die die Themen Sparen und Investieren neu denken“ auf den Markt kommen. Eine Welle an Kooperationen mit DeFi-Startups braucht man sich aber nicht erwarten, vielmehr sehen sich Walcker-Mayer und ihre Berliner Truppe als Kuratoren. „Es gibt sicherlich einige Themen, die man so heute einem Massenpublikum nicht anbieten kann.“ Weniger ist mehr also.

Zebras & Unicorns: Nuri-CEO Kristina Walcker-Mayer über Krypto-Crash und DeFi-Trend

Noch ist aber auch Nuri selber nicht ganz drüben in der schönen neuen DeFi-Welt, sondern noch ziemlich verhaftet in der alten (darf man das überhaupt sagen?) Krypto-Trading-Welt. „Wir verdienen am Kunden, sobald er zwischen der Fiat-Welt und der Krypto-Welt wechselt. Für uns sind Kursschwankungen von Vorteil, weil die Leute kaufen oder verkaufen. Was wir stark beobachten, wenn die Kurse runtergehen, ist, dass die Leute den Dip kaufen und versuchen, von den Kursschwankungen zu profitieren“, sagt Walcker-Mayer.

„Nicht ständig versuchen, den Markt zu schlagen“

Auch wenn sie das bei den eigenen Kunden eigentlich gar nicht gerne sieht. „Man sollte nicht ständig versuchen, den Markt zu schlagen, weil das für den eigenen Vermögensaufbau sehr teuer ist und man dann ständig die Gebühren bezahlen muss. Es geht eher darum, langfristig und regelmäßig Kryptowährungen zu kaufen. Das Gleiche empfiehlt man ja auch bei ETFs.“

Das bedeutet auch für Nuris Geschäftsmodell mittelfristig eine große Challenge. Denn wenn man die Kunden dazu erzieht, nicht ständig BTC und ETH zu traden, dann muss es einmal auch neue Erlösquellen neben den Trading-Gebühren (1 % bei Kauf und Verkauf plus Netzwerkgebühren) geben.

Ein Erfolgsfaktor könnte für Nuri die Zielgruppe Frauen sein. „Frauen und Männer haben unterschiedliche Anlageverhalten. Männer investieren oft eher situationsgetrieben, während Frauen es oft eher strategischer anlegen“, sagt Walcker-Mayer. Das würde neuen Services, die smartes Sparen und langfristiges Anlegen anstatt schnelles Trading zum Ziel haben, entgegen kommen. Insgesamt soll es Nuri gelingen, die „Brücke zwischen der alten und der neuen Finanzwelt“ zu werden. Fade Alltags-Bankgeschäfte wie Miete und Stromrechnung bezahlen, aber zusätzlich DeFi nutzen können, alles in einem Account – das ist die Vision.

„Cool bleiben und aussitzen“

Die heftigen Kursschwankungen der Krypto-Märkte kann Walcker-Mayer aber derzeit auch nicht einfach ingorieren, schließlich prägen sie das Geschäft von zahlreichen Krypto-Startups, die seit Jahresbeginn enormen Zulauf erfahren haben. 50.000 der derzeit 250.000 Nutzer sind im ersten Quartal 2021 dazu gekommen, die meisten wahrscheinlich auf der Suche nach einer schnellen, einfachen Möglichkeit, BTC und ETH zu kaufen. Gut möglich, dass viele von ihnen vom kürzlichen Krypto-Crash böse erwischt wurden. Walcker-Mayer will generell keine Investment-Tipps geben, aber meint: „Cool bleiben und aussitzen.“

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