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Northvolt: Europas Chance auf die grünsten Akkuzellen der Welt

Northvolt Ett Fabrik in Schweden. © Northvolt
Northvolt Ett Fabrik in Schweden. © Northvolt

Der Motor für Europas Umstieg auf Elektromobilität lieg – in Schweden. Denn dort ist in den letzten Jahren ein Startup der Extraklasse gewachsen, dass sich auf den grundlegenden Baustein für Elektroautos spezialisiert hat: die Batterie. Zwar gibt es mit Varta in Deutschland und Saft in Frankreich zwei große traditionelle Akku-Hersteller in der EU, aber den Gründern Peter Carlsson und Paolo Cerruti ging das nicht schnell genug. Und so haben sie Northvolt gestartet.

Northvolt, das ist jenes schwedische Unternehmen, dass die größte europäische Fabrik für Lithium-Ionen-Akkus baut. Ab 2021 sollen in Skellefteå in Schweden die Batteriezellen (Rundzellen wie auch prismatische) vom Band laufen. Ab nächstem Jahr sollen dort Batterien mit insgesamt 8 GWh entstehen, bis 2030 sollen dort pro Jahr Batterien mit insgesamt 32 Gigawattstunden (deswegen Gigafactory) gefertigt werden – genug Akkuzellen für etwa 500.000 Autos. Parallel dazu wird gemeinsam mit Volkswagen im deutschen Salzgitter Northvolt Zwei gebaut, und zwar für 16 GWh pro Jahr Output.

Enorme Mengen an Strom für die Produktion

Das wichtigste Ziel von Northvolt aber ist: die grünste Batterie der Welt bauen. Die Gründer Peter Carlsson und Paolo Cerruti haben lange genug bei Tesla gearbeitet, um zu wissen: Lithium und Kobalt, zwei wesentliche Bestandteile von Akkus, werden oft unter schlechten Bedingungen für Mensch und Umwelt abgebaut. Und: Die Produktion von 1 Kilowattstunde Batteriekapazität benötigt 60 bis 80 kWh Energie. Kommt diese Energie nicht aus erneuerbaren Energiequellen, ist jedes Gerede um nachhaltige Elektromobilität unnötig.

Peter Carlsson, CEO und Mitgründer von Northvolt. © Northvolt
Peter Carlsson, CEO und Mitgründer von Northvolt. © Northvolt

Mit Carl-Erik Lagercrantz und Harald Mix von der Investmentfirma Vargas aus Stockholm haben die ehemaligen Tesla-Manager Carlsson und Cerruti immerhin Investoren gefunden, die die Mission mittragen. Seit dem Start 2016 sind mit Volkswagen, BMW, Goldman Sachs, AMF, Folksam Group und der IMAS Foundation potente Investoren an Bord gekommen, die mehr als eine Milliarde Euro in die Firma gepumpt haben auch der Europäische Investmentfonds (EIF) unterstützte bereits mit 350 Millionen Euro, die in die Errichtung der Gigafactory in Schweden fließen. Genug ist das aber noch nicht – die Gigafactory in Skellefteå wird 4 Milliarden Euro kosten, um die angestrebten 32 GWh zu schaffen.

Kreislauf für Batterien

Northvolt will aber nicht nur Masse schaffen wie die asiatischen Hersteller oder Tesla, sondern gleichzeitig auch noch grün produzieren. Dazu wurde das Ziel ausgegeben, dass 50 Prozent des Rohmaterials im Jahr 2030 aus recycelten Batterien stammen muss. 2022 wird mit dem Recycling begonnen, ab dann sollen jährlich 25.000 Tonnen Batterien wieder aufbereitet werden. Neben dem Material ist die oben erwähnte Energie bei der Produktion essenziell, um halbwegs grün zu sein.

Dazu hat Northvolt einige Partnerschaften abgeschlossen, denn die Energie in der Gigafactory soll zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen. Skellefteå Kraft, einer der in Schweden führenden Produzenten von Wind- und Wasserkraft, soll für den grünen Strom sorgen, der die Fabrik antreibt. Nur so kann das Unternehmen auf glaubwürdig ein Treiber einer nachhaltigeren Mobilität sein.

Prismatische Zellen und Rundzellen im Vergleich. © Northvolt
Prismatische Zellen und Rundzellen im Vergleich. © Northvolt

Ohne Asien geht es noch lange nicht

Die zwei Gigafactories (eine in Schweden mit 32 GWh, eine in Deutschland mit 16 GWh) werden aber bei weitem nicht reichen, um die Nachfrage zu befriedigen. Northvolt selbst will bis 2030 150 GWh produzieren können und dafür mehr mehr Standorte brauchen. Der gesamte europäische Markt (von anderen Kontinenten gar nicht zu reden) wird bis 2030 einen jährlichen Bedarf von 500 bis 600 Gigawattstunden haben.

Und ohne Asien wird diese Nachfrage nicht befriedigt werden können. Das zeigt etwa das Beispiel BMW. Zwar ist BMW Investor von Northvolt und hat erst kürzlich Zellen im Wert von zwei Milliarden Euro bestellt, die ab 2024 geliefert werden sollen. Doch Northvolt wird nicht der alleinige Lieferant für BMW sein – auch CATL aus China und Samsung SDI aus Südkorea werden die Bayern weiter mit den Akkus ausrüsten.

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