Blick in die Zukunft

Nicht nur für Game-Freaks: 15 Dinge, die Virtual-Reality-Brillen schon bald ermöglichen werden

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Eintauchen in eine andere Welt mittels VR-Brille. © vrei
Eintauchen in eine andere Welt mittels VR-Brille. © vrei

„Das nächste große Ding wird zuerst oft als Spielzeug abgetan.“ So lautet eine der Kernthesen des US-Wirtschaftswissenschaftlers Clay Christensen, der sich intensiv mit disruptiven Technologien auseinandersetzt (u.a. im Buch „The Innovator’s Dilemma“von 1997). Virtual-Reality-Brillen könnten zu diesen disruptiven Technologien gehören. Von manchen als unnützes Spielzeug für Gaming-Freaks abgeschrieben, setzen IT-Unternehmen derzeit voll auf das Thema. Studien unterstreichen die ökonomische Bedeutung von Virtual Reality: Laut Digi-Capital soll der Markt für die virtuelle Realität bis 2020 auf 30 Mrd. US-Dollar anwachsen, Jupiter Research rechnet damit, dass 2016 drei Millionen VR-Geräte weltweit verkauft werden.

Diesen Markt wollen sich vor allem Facebook, Google, Sony und Samsung nicht entgehen lassen. Samsung bringt Ende November seine Gear VR um etwa 100 Euro auf den Markt, im ersten Quartal wird die Facebook-Tochter Oculus die lang erwartete Konsumentenversion der Oculus Rift launchen, und Sony will seine PlayStation-4-Kunden mit Project Morpheus in die kostenpflichtige virtuelle Realität holen. Google kooperierte derweil mit der New York Times, um mehr als eine Million Leser der Sonntagsausgabe der Zeitung mit Cardboards auszustatten – simplen Kartonbausätzen, mit denen man ein Smartphone in eine rudimentäre VR-Brille verwandeln kann. Wiener, die sich für die Technologie interessieren, können seit kurzem im Lokal vrei kostenlos Facebooks Oculus Rift, Samsungs VR Gear oder Cardboard-Lösungen ausprobieren.

Doch was lässt sich mit den Brillen alles anstellen? Der erste, naheliegende Anwendungsfall sind Games, die den Spieler in einem 360 Grad erlebbare, künstliche Umgebung eintauchen lassen. Jeder, der es schon einmal ausprobiert hat, weiß: So lebensnah waren Computerspiele noch nie. Doch darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe an Einsatzfeldern für VR:

1. Journalistische Reportagen

Profis sprechen bereits von „Immersive Journalism“: Die „New York Times“ oder „Vice“ haben damit begonnen, Videoreportagen mit 360-Grad-Kameras zu drehen. Sie ermöglichen es dem Zuseher, sich in der Gegend, in der gefilmt wurde, umzusehen, und sind nicht notwendigerweise darauf angewiesen, wohin der Reporter seine Kameralinse hinrichtet. Mit einer eigenen App (NYT VR) und und dem Cardboard-Bausatz kann man schon heute sein Smartphone zur VR-Brille umfunktionieren. Auf YouTube kann man sich auch im Browser etwa eine 360-Grad-Dokumentation über Kinder ansehen, die der Krieg obdachlos gemacht hat. Mit dem Mauszeiger kann man den Blickwinkel des Videos verändern.

2. Aussterbende Tierarten festhalten

Das Projekt „The Ark“ von Kel O’Neill und Eline Jongsma, einem US-amerikanisch-niederländischen Filmemacher-Paar, hat zum Ziel, eine bald aussterbende Tierart mittels Virtual Reality für die Nachwelt festzuhalten. Geplant ist, eine VR-Dokumentation über die vier letzten verbleibenden Exemplare des Nördlichen Breitmaulnashorns zu drehen. Künftige Generationen sollen so mittels VR-Brillen eine möglichst lebensnahe Illusion der Tierart erfahren können.

3. Virtueller Tourismus

Die Hotelkette Marriot hat mit „VRoom Service“ einen Test gestartet, bei dem VR-Brillen an Gäste in Hotels in New York und London ausgegeben werden (gegen Gebühr versteht sich). Anstatt das Zimmer zu verlassen, können die Gäste dann virtuelle Rundgänge in den chilenischen Anden oder den Straßen Pekings unternehmen.

4. Meditieren

Die Entwicklerfirma Cubicle Ninjas bietet eine Software für die VR-Brille Oculus Rift an, mit deren Hilfe sich der Nutzer an besonders entspannende virtuelle Orte begeben können soll – um in Ruhe meditieren zu können. Mit Hilfe der Brille soll man in exotische Gegenden der Erde entfliehen können – zum Beispiel in einen japanischen Tempel oder an einen verlassenen Strand an der Costa del Sol.

guided meditation app
© Cubicle Ninjas

5. Brettspiele

Das VR-Software-Unternehmen AltspaceVR hat sich mit dem Spielehersteller Wizards of the Coast zusammengetan, um das Tischenrollenspiel „Dungeons & Dragons“ in die virtuelle Realität zu bringen. Anstatt sich zum gemeinsamen Spielen zu Hause treffen zu müssen, ist vorgesehen, dass sich Spieler ortsunabhängig via Internet in einem virtuellen Raum treffen können, um dort eine „D&D“-Session abzuhalten. Die anderen Spieler sieht man dabei übrigens als Avatare, die rund um einen Tisch in einer mittelalterlichen Schenke sitzen. Verfügbar soll das ab Anfang 2016 mit dem Marktstart der Oculus Rift werden.

6. Theaterstücke ansehen

Die Produktionsfirma Felix & Paul Studios aus Montreal hat mit „Inside The Box of Kurios“ eine 360-Grad-Version einer Cirque-de-Soleil-Show gemacht, bei der der Träger der Virtual-Reality-Brille das Gefühl hat, in der Mitte der Bühne zu sitzen. Etwa 35 Artisten performen um ihn herum, je nachdem, in welche Richtung man schaut, nimmt man unterschiedliche Ausschnitte der Show wahr. Dementsprechend lohnt es sich, die 360-Grad-Show mehrmals anzusehen, weil man beim ersten Mal auf jeden Fall verpasst, was sich hinter dem eigenen Rücken abspielt.

7. Phantomschmerzen bekämpfen

Wie im Wissenschaftsmagazin „frontiers in Neuroscience“ eine schwedische Forschergruppe berichtete, konnten VR- und AR-Technologie dazu eingesetzt werden, um die Phantomschmerzen eines Patienten zu lindern und ihn nach etwa zehn Wochen schmerzfrei zu machen. Dem Patienten, dessen rechter Arm amputiert worden war, wurde dabei ein virtueller Arm am Computer vorgetäuscht.

8. Training für Operationen

Kanadische Entwickler der Firma Conquer Mobile haben mit Hilfe von VR-Brillen und passenden Geräten für die Handsteuerung ein System namens „PeriopSim VR“ entwickelt, mit dem Chirurgen besonders komplexe Operationen trainieren können. Um die Situation möglichst real wirken zu lassen, werden Videos von echten Operationen verwendet, der Trainierende (z.B. Studenten, OP-Hilfen) lernt mittels Sprechanweisungen, welche Handgriffe zu setzen sind.

9. Virtuelle Sportveranstaltungen

Auch das Thema Live-Streaming ist bereits in der virtuellen Realität angekommen. Die Firma LiveLike etwa will sich als Virtual-Reality-Sport-Plattform etablieren und seinen Nutzern das Gefühl geben, wirklich im Stadion zu sitzen. So könnte man etwa ein Fußball-Match im Ausland, für das man nie Karten bekommen hätte, sehr realitätsnah zu Hause von der Couch aus mitverfolgen.

© LiveLikeVR

10. Für Architekten

Das New Yorker Start-up irisVR hat es sich zum Ziel gesetzt, Architekten und Designer einfach und kostengünstig virtuelle 3D-Modelle erstellen zu lassen, die sie anschließend mit einer VR-Brille in Lebensgröße ansehen können.

11. Werbung

Um die eigene VR-Brille Gear VR und die dazugehörenden Smartphones zu bewerben, bedient sich der südkoreanische Konzern Samsung natürlich ebenfalls 360-Grad-Videos. Bei der Kampagne „Launching People“ werden Samsung-Geräte als technische Helfer inszeniert, die Menschen bei der Überwindung von Ängsten unterstützen können sollen. Die 360-Grad-Werbevideos sind bei Partner Facebook zu sehen.

12. Im Bildungswesen

Die Firma Unimersiv will Virtual Reality im Bildungswesen etablieren. Mit Hilfe verschiedener VR-brillen sollen Schüler und Studenten etwa weit entfernte Länder oder historische Ereignisse aus der Ich-Perspektive erfahren können. So wurde etwa ein virtuelles 3D-Modell des römischen Kolosseums entworfen, das so im Unterricht erfahrbar gemacht werden soll, anstatt einfach nur in Wort, Bild oder Video gezeigt zu werden. Auch Dinosaurier könnten so in der Schule vermittelt werden.

13. Virtuelle Shopping-Tour

Die Londoner Firma Trillenium will es Konsumenten ermöglichen, via Virtual Reality auf Shopping-Tour gehen zu können. Brands sollen ihre Produkte so besser (weil in 3D und interaktiv) als auch Webseiten in Szene setzen können, und die Kunden sollen von der Ware so ein besseres Bild bekommen können als auf Produktfotos. Online-Shop-Betreiber Asos.com hat bereits in Trillenium investiert und will Unternehmen die 3D-Experience künftig als Bonus verkaufen.

14. PTSD-Therapie von Soldaten

Virtual Reality wird in den USA auch dazu eingesetzt, um Posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD)  bei Soldaten, die im Irak oder Afghanistan im Einsatz waren, zu therapieren. In der virtuellen Umgebung können die Soldaten Kampfsituationen, die mit Hilfe von Computerspielen sehr realistisch nachgestellt werden können, nacherleben und so besser mental verarbeiten. Wenn auch umstritten, berichteten Forscherteams bereits von Therapieerfolgen.

15. Pornografie

Die Pornoindustrie ist besonders scharf auf Virtual Reality, weil sich damit besonders lebensnahe Videos vertreiben lassen – auch in Kombination mit Masturbations-Hardware, die das Gesehene umso realer wirken lassen sollen. Dass das Potenzial hat, zeigt unter anderem dieses Video, in dem Menschen auf der Straße mit VR-Pornos konfrontiert werden.

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