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Interview

Warum beflügelt die Nullzinspolitik Neobroker-Startups, Manuel Heyden?

Manuel Heyden, CEO und Mitgründer von nextmarkets. © nextmarkets
Manuel Heyden, CEO und Mitgründer von nextmarkets. © nextmarkets

Nach den Neobanken kommen die Neobroker – so sehen es jedenfalls Investoren. Ganz vorne mit dabei ist der berühmte Investor Peter Thiel. Er hat viele Millionen Euro gleich in drei europäische Neobroker gesteckt, die ihre Nutzer auf einfache Art und Wiese Aktien, ETFs, Edelmetalle oder Krypto-Assets kaufen lassen: Trade Republic, Bitpanda und nextmarkets. In den USA zeigt der Erfolg von Robinhood gerade im Krisenjahr 2020, dass mit solchen Geschäftsmodellen potenziell viel Geld zu verdienen ist.

Das Kölner Fintech nextmarkets hat sich vor kurzem vom Mitbewerb durch ein besonderes Angebot hervorgehoben: Es bietet den gebührenfreien Handel von über 7.000 Aktien und 1.000 ETFs über die Börse gettex in München an und erhebt weder Kontoführungs-, noch Order- oder Fremdkostengebühren.

Das soll möglichst viele neue Nutzer in die App locken, um zu investieren. Doch wenn das gratis ist – wie verdient nextmarkets dann Geld? CEO und Gründer Manuel Heyden spricht im Interview über das Geschäftsmodell, die Notwendigkeit von Financial Literacy und über Parallelen zur Musikindustrie.

Warum gibt es derzeit einen so großen Boom von Neobrokern? Ist das durch den Markt getrieben, oder durch Investoren, die einfach gerne ein europäisches Robinhood hätten?

Manuel Heyden: Generell hat das Bedürfnis der Menschen zugenommen, sich mit dem Kapitalmarkt auseinanderzusetzen. In einer Phase der Nullzinspolitik kein Wunder. Zusätzlich kommt dann auch noch das Thema ‚Corona‘ ins Spiel. Während der Pandemie richten die Menschen ihren Blick auf das Wesentliche in ihrem Leben. Das trifft in vielen, breiten Schichten natürlich auch auf die Finanzen zu. Durch diese Dynamik haben auch Broker profitiert. Schließlich sind das die Enabler in puncto Aktienhandel. Und bislang haben Online Broker eine Gebühr pro Transaktion genommen, die letzten Endes dazu führt, dass netto die Performance reduziert wird.

Grundsätzlich verdienen Online-Broker in der Regel auf zwei Arten. Durch eine Ordergebühr vom Kunden und durch eine Rückvergütung der Marktplätze, auf denen die Transaktion ausgeführt wird. Neobroker verzichten auf die Gebühr des Kunden. Die Tatsache, dass Neobroker heute Hochkonjunktur haben, liegt also daran, dass Privatanleger einen erheblichen Kostenvorteil bei Neobrokern haben und zusätzlich Vermögen aufbauen können.

nextmarkets unterbietet andere Neobroker, die dann doch noch Gebühren wie ein Euro Fremdkostenpauschalen eingeführt haben, beim Preis – es gibt gar keine Gebühren. Wie können Sie das so günstig anbieten?

Im Grunde genommen beruht unsere Idee darauf, dass wir die klassische, ungehebelte long-only Aktien- und ETF-Order komplett von Gebühren befreien wollen. Dadurch trauen sich immer mehr Menschen an die Börse und wir erleben eine ganz neue Aktienkultur. Die benötigen wir dringend, um in unserer Gesellschaft einen erheblichen Vermögensverlust durch die Niedrigzinspolitik zu verhindern. Die große Frage, die uns alle beschäftigen sollte, ist doch die Frage danach, wie die Generation Y und Z ihre Altersvorsorge aufbauen kann.

Auf der einen Seite stehen wir vor der gesellschaftlichen Herausforderung, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Kein Wunder, denn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung partizipiert durch Unternehmensbeteiligungen – also Aktien – am Produktivvermögen. Also müssen wir mehr Menschen für die Börse gewinnen, die Angst vor Schwankungen nehmen und jeden Bürger möglichst schon in der Schule in einem Fach Börse ausbilden. Das Heruntersetzen der Ordergebühren auf null Euro ist also nur ein Schritt in die richtige Richtung: Die Aktienkultur stärken. Auf der anderen Seite müssen wir dafür sorgen, dass sich selbst Anleger mit kleinen Konten ein Portfolio aufbauen können.

Wie können junge Leute, die in der Regel wenig Geld haben, da überhaupt mitmachen? Beliebte Aktien wie von Tesla werden immer teurer.

Unsere Antwort darauf sind Bruchteile von Aktien. Ich kann bei nextmarkets zum Beispiel für nur 10 EUR an der Entwicklung der Amazon-Aktie partizipieren, obwohl eine Aktie gerade umgerechnet 2.600 EUR kostet. Ein solches Angebot können wir natürlich nur anbieten, wenn wir neben dem oben beschriebenen Aktienhandel weitere Produkte anbieten. Das ist neben einem umfassenden Angebot an digitalen Vermögensverwaltungsprodukten auch noch die Möglichkeit, short Positionen einzugehen oder mit Hebel zu handeln.

Ich vergleiche das immer gerne mit der Musikindustrie. Früher wurde mit dem Verkauf von Musik noch ordentlich Geld verdient. Heute kaum noch. Eher mit Konzerten und Merchandising-Artikeln. Diese Veränderung in der Wertschöpfungskette zugunsten des Kunden werden wir in den kommenden fünf Jahren im Online Brokerage auch in Europa sehen. In den USA ist dies bereits der Fall. Alle großen Broker verlangen keine Gebühren mehr für eine einfache Aktienorder.

nextmarkets legt viel Wert auf Financial Literacy und bietet Nutzern 200 kostenlose Analysen pro Monat. Wer erstellt diese Analysen, und wie wird deren Qualität gesichert?

Die Analysen liefert unser handselektiertes Team aus mittlerweile 22 erfahrene Börsen-Coaches, die überwiegend aus dem institutionellen Handel bzw. Fonds Management kommen und in ganz Europa verteilt sitzen. Die Idee dabei ist simpel. Hat einer unserer Coaches eine Investment-Idee in einem von tausenden Werten aus sieben Vermögensklassen wie Aktien, Aktienindizes und ETFs etc. erstellt, erhalten alle Nutzer eine Push Benachrichtigung und können in Echtzeit verfolgen, wie der Coach analysiert, kommentiert und handelt.

Als Nutzer habe ich dann zwei Möglichkeiten: Das Wissen mitnehmen bzw. daraus zu lernen oder der Analyse zu folgen. Dabei übernehme ich diese Analyse auf mein Konto. Das bedeutet: Sollte sich daraus eine Transaktion ergeben, wird diese auf meinem Konto ausgeführt. So kann ich nicht nur lernen, sondern auch durch das Folgen profitieren. Wir überprüfen dabei die Analysen quantitativ und qualitativ.

Peter Thiel ist nicht nur bei nextmarkets, sondern auch bei anderen Neobroker wie Trade Republic und Bitpanda investiert. Findet da ein Wettrennen in Thiels Portfolio statt, oder gibt es sogar Kooperations- und Konsolidierungspotenzial?

Ich glaube jedes der genannten Unternehmen hat seinen eigenen Ansatz, durch den sie sich unterscheiden. Alle vereint jedoch, dass sie den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Weniger Kosten bedeuten bessere Performances für den Kunden.

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