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Nerds of Law: Wie ein neues LegalTech Beweise im Social Web sichert

Katharina Bisset und Michael Lanzinger von Nerds of Law. © Nerds of Law
Katharina Bisset und Michael Lanzinger von Nerds of Law. © Nerds of Law

Sie ist Rechtsanwältin in Niederösterreich und auf Datenschutz, IT-, IP- und Medienrecht spezialisiert, und er ist Anwalt mit Schwerpunkten auf Strafrecht, Cybercrime und Online-Recht – und zusammen sind sie die Nerds of Law. Katharina Bisset und Michael Lanzinger haben sich zusammen getan, um ein neues LegalTech-Startup aus der Taufe zu heben. Sie treten den Versuch an, im Internet Beweise zu sichern – also ausgerechnet dort, wo alles kopiert, gelöscht und gephotoshoppt werden kann.

Der Dienst dazu nennt sich NetzBeweis. Er sorgt in einer ersten Version dafür, dass man einen Tweet – so wie er ist – speichern kann. Das ist etwa dann wichtig, wenn man rechtlich gegen Hass-Postings vorgehen will, aber mehr als bloß einen Screenshot vorbringen will. NetzBeweis sichert den Tweet in einem PDF, das elektronisch signiert wird. Das wiederum beweist den Abrufzeitpunkt und dass der Inhalt nicht verändert wurde.

„Suchen nach strategischen Partnern“

„Wenn man Hass im Netz verfolgt – zivil- oder medienrechtlich, muss man die Beweise gut sichern. In der Praxis werden Screenshots erstellt, am Handy oder Computer, die aber nicht alle relevanten Informationen erhalten, etwa Link, genaues Datum und Uhrzeit“, sagt Bisset zu Trending Topics. „Faktisch kann man die Daten händisch zusammensuchen, mit MouseOver oder im Quellcode, aber das können viele Betroffene nicht. Wenn dann ein Posting gelöscht wird, hat man ohne gute Beweise keine Chance mehr.“

Für Nutzer ist NetzBeweis kostenlos, Geld verdienen wollen die Nerds of Law damit bei professionellen Anwendern wie Anwaltskanzleien oder Detektiven. „Darüber hinaus suchen wir nach strategischen Partnern um den Betrieb und die Weiterentwicklungen zu finanzieren“, sagt Bisset.

Noch ist der Dienst auf Twitter und dessen öffentliche Tweets beschränkt. soll aber ausgeweitet werden. Das ist nicht trivial. „Für private Nachrichten, oder Postings aus privaten Gruppen wird es erforderlich sein, dass sich der Nutzer einloggt, damit wir auf die Daten zugreifen können. Das ist technisch sicher der aufwendigste Schritt, aber nicht unmöglich“, sagt Bisset. Auch an andere Medienformate wird gedacht.

Ausbau für weitere Plattformen

„Bei Video und Audio wird es auf die Plattform ankommen, ob ein Download leicht durchgeführt werden kann oder man einen Workaround bauen muss. Die Weiterentwicklung des Tools wird stark vom Bedarf abhängen“, sagt die Gründerin. „Video- und Audiodateien vor Gericht vorzulegen ist derzeit schon üblich, man könnte hier etwa eine Signierung eines PDS mit den Metadaten dazu andenken, um diesen Benefit beizubehalten.“

Rechtlich gesehen kann man mit dem Tool bereits arbeiten, wenn auch unter Vorbehalt. „Der Screenshot ist ein Augenscheinsbeweis, der der richterlichen Beweiswürdigung unterliegt und insofern nicht wirklich anders als eine E-Mail“, sagt Bisset. „Deswegen haben wir eine Signatur eingefügt, die automatisch erstellt wird. So kann man im Nachhinein leicht prüfen, ob der Inhalt verändert wurde.“ Derzeit kommt die Signatur noch nicht von einem akkreditierten Signatur-Anbieter, aber das ist auch in einem weiteren Entwicklungsschritt geplant. „Das hilft auch vor Gericht, die Authentizität nachzuweisen.“

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