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Neobroker: FMA will Null-Gebühren-Handel prüfen

Online-Trading. © Jason Briscoe on Unsplash
Online-Trading. © Jason Briscoe on Unsplash

Gebührenfrei, provisionsfrei, 0-Euro-Trades: Im aktuell sehr heißen Markt der Neobroker locken diese neue Kunden gerne mit dem Versprechen, dass man zum Nulltarif über ihre Apps in Aktien und ETFs investieren kann. Deswegen wird die Frage, wie die Anbieter von Trading-Apps dann überhaupt Geld verdienen können, eine immer größere.

Im aktuellen Interview mit Trending Topics kündigt Eduard Müller, Vorstand der österreichischen Finanzmarktaufsicht an, dass diese Geschäftsmodelle bei der Behörde nun in den Fokus rücken. „Wir unterstützen aber die Forderung des Vorsitzenden der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA, Steven Maijoor, die Praxis der Zahlung für Orders – insbesondere des Null-Gebühren-Handels – im Lichte der Mifid-II-Anforderungen bezüglich Interessenkonflikten, bestmöglicher Ausführung und Anreizen zu überprüfen“, sagte Müller im Interview.

EU-Börsenaufsicht will Untersuchung von Neobrokern einleiten

Auch Gamification und gehebelter Handel im Visier

Steven Maijoor, Chef der EU-Börsen- und Wertpapieraufsicht, hat bereits angekündigt, dass die Geschäftsmodelle und -praktiken der Neobroker in der EU unter die Lupe genommen werden sollen. Auslöser sind die Geschehnisse in den USA und auch Europa rund um die GameStop-Aktie und #WallStreetBets. Der Run auf die GME-Aktie hatte auch die Folge, dass Neobroker wie Robinhood aus den USA oder Trade Republic aus Deutschland den Handel mit mehreren Aktien aussetzten – und sich anschließend dafür rechtfertigen mussten.

Es geht aber bei den anstehenden möglichen Überprüfungen nicht nur um den Null-Gebühren-Handel, sondern auch um andere Geschäftspraktiken – insbesondere die Gamification in den Apps. „Neben dem Null-Gebühren-Handel sind auch andere Praktiken auf den Prüfstand zu stellen, etwa die Nutzung von Investment-Apps in Verbindung mit einem Phänomen, das als „Gamification of Investing“ das Risikobewusstsein von Kleinanlegern beeinträchtigt und zur Popularität von gehebelten Handelsstrategien beiträgt“, so Müller weiter. „Jede Handelsstrategie, die irreführende Signale in Bezug auf Angebot, Nachfrage oder Preis eines Finanzinstruments gibt oder den Preis auf einem anormalen oder künstlichen Niveau hält, kann aber schon jetzt eine Marktmanipulation darstellen.“

Das komplette Interview gibt es hier zu lesen:

Krypto-Assets: „Seriöse Anbieter sollten ureigenstes Interesse haben, schwarze Schafe selbst auszusortieren“

Die neuen Geschäftsmodelle

Warum Neobroker und Trading-Apps das Investieren in Aktien heute (anders als früher, wo man oft Gebühren pro Trade bezahlte) zum Nulltarif anbieten können, hat Manuel Heyden, Gründer und CEO des deutschen Neobrokers nextmarkets, bereits im Interview mit Trending Topics erläutert. „Man verdient das Geld letzten Endes, indem man digitalen Vermögensverwaltungsprodukte anbietet, den Handel mit Hebel ermöglicht oder Short-Positionen ermöglicht“, so Heyden. Weil man mit Hebel, Shortselling oder Differenzkontrakten (CFDs) dem Privatanleger aber auch komplexe Finanzprodukte anbiete, müsse man auch sehr viel in die Ausbildung der Nutzer stecken.

In der Vergangenheit seien die Trading-Kosten „ein wesentlicher Treiber gewesen, warum Privatanleger Verluste an der Börse erleiden.“ Die neuen Geschäftsmodelle der Neobroker kann man auch als Freemium-Modell bezeichnen: Das einfache Investieren in Aktien ist kostenlos, aber zusätzliche Dienste sind dann kostenpflichtig.

Zebras & Unicorns: #WallStreetBets und die Auswirkungen auf Neobroker

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