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NEM: Erste große Blockchain-Foundation eröffnet ein eigenes Büro in Wien

Das NEM-Team für Österreich: Julian Richter, Kevin van Heck, István Deák und Paul Rieger. © NEM
Das NEM-Team für Österreich: Julian Richter, Kevin van Heck, István Deák und Paul Rieger. © NEM

Die NEM Foundation verstärkt ihr Engagement in Europa und eröffnet nach Niederlassungen in Barcelona, Antwerpen und Vilnius in Litauen nun ein Büro in Wien –  Genauer im RIAT, dem Institute for Cryptoeconomics. Paul Rieger (Head of Business Development Europe), István Deák (Solutions Manager) und Kevin van Heck (Praktikant) sind die ersten Köpfe, die die Implementierung der NEM-Blockchain in Unternehmen und regierungsnahe Institutionen vorantreiben werden. Julian Richter verstärkt das Team von Berlin aus.

Native APIs und einfache Integration

Prinzipiell ist NEM ein Peer-to-Peer-Netzwerk auf Basis einer neu programmierten Blockchain (also kein Fork einer anderen, bereits bestehenden Blockchain). Die „New Economy Movement“ will es damit Unternehmen, Behörden oder universitären Einrichtungen ermöglichen, Blockchain-Anwendungen zu bauen. Die Hauptmerkmale der NEM-Blockchain sind eine beschleunigte Blockgenerierung, eine erweiterte Funktionalität und ein verändertes Verfahren bei der Transaction-Chain-Generierung. Die NEM-Plattform bietet native APIs an und ermöglicht eine einfache Integration in bestehende Systeme, es müssen nicht etwa wie bei Ethereum (Solidity) neue Programmiersprachen gelernt werden.

NEM: Private und Public Chain kombiniert

NEM setzt auf den Dualismus zwischen öffentlicher und privater Blockchain. „Unternehmen wollen nicht ihre kompletten Aktivitäten transparent auf die Blockchain verlagern, deshalb sind private Chains aktuell am gefragtesten“, so Rieger. Unternehmen sollen den größten Teil der Business Logic im Konzern halten können und nur relevante Informationen in die Blockchain auslagern. Damit grenzt sich NEM klar von Ethereum ab. Anwendungsfälle sind vor allem E-Voting-Systeme, elektronische KYC-Verfahren, Grundbücher oder Lieferketten-Systeme.

In Österreich steuert NEM vor allem die verarbeitende Industrie und Zulieferer an, die einzelne Transaktionsketten oder Liefervorgänge transparent abbilden möchten. NEM baut in den ersten Schritten Strukturen auf, die parallel zu den bestehenden funktionieren. „Jeder disruptive Ansatz kostet Arbeitsplätze und das lässt sich politisch nicht gut verkaufen“, sagt Rieger.

Starkes Wachstum in Europa

„Wir waren bislang in Europa ziemlich leise“, sagt Rieger. Der Fokus der Foundation lag auf dem südostasiatischem Raum. Allerdings verschiebt sich das Gros der Aktivitäten langsam, aber stetig, nach Europa. „Unser Kontinent wird bis Mitte 2019 der weltweit stärkste Markt werden. Europa hat einige Vorteile, die langsam zum tragen kommen. Die Unternehmen sind in vielen der einzelnen Staaten aktiv und Verträge lassen sich über die Grenzen hinweg abschliessen. Außerdem leben wir in einem einheitlich geregeltem juristischem Raum. Im Gegensatz zu Südostasien herrschen hier relativ klare Rahmenbedingungen. Wir sind noch lange nicht am Ziel. NEM arbeitet an einigen Privacy-Initiativen und dafür brauchen wir einen sattelfesten regulatorischen Apparat.“

Insgesamt arbeiten an der NEM-Blockchain rund 75 Menschen. Vor allem Solutions Manager und Core-Entwickler. Die Organisation verteilt sich auf das grade entstehende Headquarter in Kuala Lumpur und die Niederlassungen in Europa, Japan und den USA. Büros in Zürich, Berlin und London sind ebenfalls in Planung.

Petro und Coincheck-Hack nagen am Image

In den vergangenen Monaten hatte das Projekt nicht die beste Presse. Erst wurde bekannt, dass der skeptisch beobachtete Versuch der venezolanischen Regierung einen ICO für den Petro-Coin zu organisieren auf NEM aufbaut. Dann ging durch die Medien, dass der japanische Krypto-Marktplatz Coincheck Ziel eines Hacker-Angriffs war, dem 400 Millionen XEM (der Token hinter NEM) zum Opfer fielen. Obwohl die Börse die alleinige Verantwortung für die Sicherheitslücke als auch die Refundierung der Kunden trägt, wurde NEM in der öffentlichen Wahrnehmung für den Angriff in Mitleidenschaft gezogen.

90 Prozent Verlust seit Dezember

Die Marktkapitalisierung des Projektes liegt aktuell bei gut zwei Milliarden Dollar. Der XEM notiert mit 0,22 Dollar weit unter dem Bestwert. „Der Coincheck-Hack kam für uns zur Unzeit. Gerade als sich der Markt konsolidierte, ging es für uns noch ein gutes Stück weiter bergab“, sagt Rieger. NEM hat seit Ende Dezember rund 90 Prozent seiner Marktkapitalisierung verloren. „Wir bewerten das als Feuerprobe. Wir haben nach dem Hack nicht geforkt und haben erkannt, dass wir auch unter Druck funktionieren.“

Bitcoin-Hype: „Das war pure Gier“

Prinzipiell sieht Rieger, dass sich im Markt weiter die Spreu vom Weizen trennt: „Das Blockchain-Business boomt nach wie vor wie verrückt. Der wahnsinnige Hype am Ende des vergangenen  Jahres lässt sich allerdings rational nicht erklären. Das war pure Gier. Von den aktuell2.000 gelisteten Projekten haben vielleicht 50 ein aktives Team. Allerdings sterben die Blockchain-Initiativen sehr langsam, weil immer noch jemand den letzten Pump aus den Coins holen möchte. Blickt man auf den Markt in 2015 zurück, dann sind heute noch vier der damaligen Top-10-Projekte am Leben. Vor so einer Phase stehen wir heute wieder. Die Unternehmen und Organisationen, die diese Konsolidierung überleben, haben gute Chancen in der Zukunft weitreichenden Einfluss zu haben.“

Der Wiener Standort wird weiter wachsen. „Wir werden Sales, Marketing und Solutions Architects engagieren, die mit den Unternehmen und öffentlichen Stellen Use Cases generieren“, sagt Rieger. Das RIAT Institut sei dafür ein guter Nährboden. Von hier soll NEM auch die Nachbarmärkte bespielen können.

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