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NativeWaves: Personalisierte Seherlebnisse von Live-Veranstaltungen

Christof Haslauer und Oliver Dumböck, die beiden Gründer von NativeWaves. © NativeWaves
Christof Haslauer und Oliver Dumböck, die beiden Gründer von NativeWaves. © NativeWaves

Das Salzburger Startup NativeWaves will Events, Shows und Filme künftig ohne Latenz und perfekt synchron in verschiedenen Sprachen und aus verschiedenen Blickwinkeln übertragen. Das soll ermöglichen, dass Zuschauer auf ihren Mobilgeräten mehr Personalisierungsmöglichkeiten bekommen – und sich irgendwann vielleicht auch die Diskussion, in welcher Sprache der neue Blockbuster laufen soll, erledigt.

NativeWaves: „Personalisiertes Unterhaltungserlebnis“

Co-Founder Christof Haslauer erklärt, wie das System funktioniert: „NativeWaves kombiniert ULL-Streaming-Lösungen (Ultra Low Latency) mit unserer einzigartigen Sync-Engine und nutzt die Audiodaten der Hauptübertragung, um mehrere Video-, Audio- und Datenströme zu synchronisieren und den Zuschauern ein ansprechendes und personalisiertes Unterhaltungserlebnis zu bieten“. Bei einem Kinobesuch der Gründer sei der Gedanke entstanden, eine App zu entwickeln, mit der die Benutzer jeden Film in einer Sprache ihrer Wahl in perfekter Synchronität mit dem visuellen Inhalt genießen können.

Das Konzert aus jedem Winkel

Haslauer: „Die Idee war, sicherzustellen, dass die Leute in jedem Land ins Kino gehen und einen Film genießen können, ohne sich über die Sprache des Films Gedanken machen zu müssen“. Das sei zwar aktuell noch nicht möglich, da die meisten Anwendungsfälle derzeit noch im Rundfunk- und Live-Sport-Bereich liegen würden. „Die Kinolösung ist aber ein Punkt auf der Roadmap“.

Am besten beschreiben lässt sich die Idee hinter NativeWaves wohl mit dem Konzert-Beispiel auf der Homepage des Startups. Zuerst läuft ein Konzert im TV, nach wenigen Sekunden des „Zuhörens“ übernimmt der zweite Bildschirm Ton und Bild genau synchron. Auf dem „Second Screen“ lassen sich zudem verschiedene Kamerawinkel- und Bildausschnitte wählen. Der zweite Bildschirm soll außerdem auch personalisierte Werbung einblenden können.

Herausforderung Synchronisation

Verschiedene Verteilungsmethoden haben unterschiedliche Latenzzeiten, erklärt der Gründer. „Zum Beispiel erreicht ein lineares Fernsehsignal den Fernsehbildschirm in etwa drei Sekunden, aber dasselbe Signal, wenn es durch ein OTT-Streamingsignal gesendet wird, kann zwischen 45 Sekunden und einer Minute brauchen, bis es den Fernsehbildschirm erreicht“. Der Begriff Over-the-top-Content (OTT) bezeichnet die Übermittlung von Video- und Audioinhalten über Internetzugänge, beispielsweise Netflix also.

Diese Latenz verursache auch Probleme mit der Synchronisierung. Wenn mehrere Video- und Datenströme von einem Live-Ereignis an das mobile Gerät eines Benutzers gesendet werden, kommen sie zu unterschiedlichen Zeiten an, da sie unterschiedliche Latenzen haben. Letztlich bedeutet das, dass sie nicht synchron zueinander sind. Die NativeWaves-Lösung verwende darum eine Streaming-Lösung nach dem Industriestandard Ultra Low Latency, um die Audio-, Video- und Datenströme des Ereignisses „schneller als das Sendesignal an das mobile Gerät des Benutzers zu übertragen“. „Die Sync-Engine in der Cloud verwendet das Broadcast-Audio, um die Video-Streams, verschiedene Audio-Feeds und Daten an die exakte Position zu synchronisieren und ein 100 % synchrones Erlebnis zu liefern“, erklärt Haslauer.

Erster Einsatz am Red Bull-Ring

Die Technologie sei derzeit für die Übertragung von Live-Sportarten, Konzerten, E-Sports und Unterhaltungsshows oder für mehrsprachige Konferenzen vorgesehen. Auch im TV wurde NativeWaves bereits eingesetzt. Christof Haslauer erinnert sich: „Wir sind 2019 in Zusammenarbeit mit Servus TV und Red Bull Media House mit der Übertragung des MotoGP-Rennens in Spielberg 2019 auf den Markt gegangen. Servus TV stellte seinen Zuschauern für den Rest der MotoGP-Saison 2019 den Second Screen mit NativeWaves-Technologie zur Verfügung“.

Corona-Krise als Spielverderber

Geld verdient das Startup nach dem SaaS-Modell. Haslauer: „Unsere Preisgestaltung hängt vom Anwendungsfall ab, aber im Allgemeinen arbeiten wir auf einer Pro-Veranstaltungs-Basis, die eine Einrichtungsgebühr und eine Veranstaltungsgebühr beinhaltet“. Corona hat NativeWaves allerdings einen Strich durch die Rechnung für das Jahr 2020 gemacht. Haslauer: „Die Corona-Krise kam für uns zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Die Aussetzung der Live-Sportveranstaltungen führte zu einer Pause beziehungsweise einem Abbruch unserer Gespräche mit den Rundfunkanstalten über die Einführung unserer Technologie, und wir mussten wieder an das Reißbrett zurückkehren. Unser Vorstand unterstützte uns in diesen schwierigen Zeiten voll und ganz. Wir haben diese Zeit genutzt, um unsere Produkte zu verfeinern und noch effizienter zu machen und gleichzeitig neue Funktionen hinzuzufügen, die von der Branche gewünscht wurden“. Vier verschiedene Produkte bietet NativeWaves derzeit an.

Große Ziele

Das soll sich langfristig rentieren, erklärt Haslauer: „In den nächsten fünf Jahren hoffen wir, Marktführer in unserem Kernproduktangebot zu werden. Wir hoffen, die Medienerfahrungen der nächsten Generation, an denen wir derzeit arbeiten, auf den Markt zu bringen. Wir arbeiten an einer erweiterten Produktlinie und an Problemen, mit denen die Industrie in den kommenden Jahren konfrontiert sein wird“.

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