Channel

Ecosystem

Digitaler Wahlkampf

NationBuilder: „Plan A“-Webseite der SPÖ läuft mit gleicher Software wie Trump- und Brexit-Kampagne

www.meinplana.at, online seit Anfang des Jahres. © Trending Topics
www.meinplana.at, online seit Anfang des Jahres. © Trending Topics

„Software for Leaders“: So verkauft die IT-Firma NationBuilder aus Los Angeles ihre gleichnamige Software-Lösung, mit der Parteien und Unternehmen Online-Kampagnen durchführen, Nutzerdaten sammeln und personalisierte Mails versenden können. Zur Kundschaft zählten bis dato bekannte Marken und Firmen, etwa Airbnb, Amnesty International oder Telefónica. Unter den vielen Politikern und Parteien, die NationBuilder verwenden, finden sich auch zwei Kampagnen, deren erfolgreicher Ausgang die Welt nachhaltig verändert haben: der Wahlsieg Donald Trumps in den USA und die britische Brexit-Strategie. Und wer sich die Anfang des Jahres gestartete „Plan A“-Webseite der SPÖ rund um Bundeskanzler Christian Kern genau ansieht, wird feststellen: www.meinplana.at wurde ebenfalls mit der NationBuilder-Software erstellt.

„Natürlich verfolgt die SPÖ auch Wahlkämpfe anderer Parteien in Europa und in Amerika, um dadurch etwas für die eigene Organisation zu lernen und die Arbeit noch professioneller gestalten zu können“, heißt es seitens der SPÖ, die der Betreiber von www.meinplanat.at ist, zum Einsatz von NationBuilder. „Die Software erleichtert uns den Zugang zu und die Kommunikation mit einer großen Anzahl an Menschen. Wir können mit diesem Tool mehr Menschen erreichen und diese auch mobilisieren.“ NationBuilder hat natürlich seinen Preis: Je mehr Webseiten man damit baut und je mehr Nutzerdaten gesammelt werden, desto höher wird der Monatspreis.

Sammlung von Nutzerdaten

Die 2011 gestartete Firma NationBuilder zählt aktuell rund 9.000 Kunden in mehr als 110 Ländern. 2016 wurden mit Hilfe ihrer Software insgesamt rund 1,5 Milliarden E-Mails versandt und 500 Millionen Dollar Spenden gesammelt. Das große Versprechen: NationBuilder kann in seiner Datenbank Nutzerdaten aus Social Media (z.B. Facebook, Twitter) mit jenen aus den Mailinglisten des Kunden abgleichen und so einheitliche Profile über potenzielle Wähler bzw. Konsumenten schaffen.

„Durch die Plan A-Kampagne ist es uns gelungen, viele Menschen für die Ideen von Bundeskanzler Christian Kern zu begeistern. Mehr als 10.000 Menschen haben sich auf der Plan A-Seite schon registriert und viele, die bisher keine FunktionärInnen der SPÖ waren, haben sich bereit erklärt, mitzuarbeiten“, heißt es seitens der Partei. „Es werden jene Daten gespeichert, die die User angeben. Pflichtfelder sind nur Mail-Adresse, Postleitzahl und Geschlecht.“

Die NationBuilder-Software von innen. © NationNuilder

Wer sich auf der Webseite anmeldet, kann sich bevorzugte Themengebiete aussuchen (z.B. „Wirtschaft“, Ökologie“, „Gesundheit“). Die SPÖ will mit Hilfe dieser Daten „Menschen in Zukunft zielgerichteter mit Informationen“ versorgen. Wenn sich zum Beispiel jemand speziell für frauenpolitische Themen interessiere, dann solle die Person eben auch mit Informationen zu diesem Bereich versorgt werden – mit Hilfe personalisierter Mailings, die direkt aus der Software an die registrierten Nutzer versandt werden kann.

Im Schatten von Trump und Brexit

Dass NationBuilder von Branchenkennern mit Trump und Brexit verbunden wird, ist der US-Firma rund um CEO und Gründer Jim Gillian nicht unbedingt recht. Sie betont, dass sie nicht parteiisch sei und neben Trump auch noch andere Kandidaten um das Rennen ins Weiße Haus Kunden gewesen seien. Die Brexit-Befürworter hätten sich NationBuilder bedient, aber auch deren Gegner, und bei der Präsidentenwahl in Frankreich sei das Tool gleich von sieben Kandidaten verwendet worden. Insgesamt sollen derzeit „dutzende“ politische Parteien auf der ganzen Welt die Software im Einsatz haben.

Auch die Daten, die mit Hilfe von NationBuilder gesammelt werden, haben bereits für Diskussionen gesorgt. Dazu heißt es aber seitens der Firma: „Die Vorstellung, dass wir diese Daten an irgendjemanden weitergeben würden, ist absurd. Wenn wir das machen würden, würde es das sofortige Ende unseres Geschäfts bedeuten.“ Wer auf der „Plan A“-Webseite der SPÖ persönliche Informationen angibt, erklärt sich gemäß der Datenschutzerklärung mit der Verarbeitung dieser Daten durch die SPÖ und von ihr beauftragten Dienstleister einverstanden.

Springe zu:

Be smart and nice ;)

Ganzen Artikel lesen