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Büroeröffnung

N26: “Wir wollen internationale Talente nach Wien bringen“

Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal von N26. © Trending Topics
Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal von N26. © Trending Topics

Das „wertvollste von Österreichern gegründete Startup“, wie es die Gründer gerne selber bezeichnen, kommt zurück nach Wien – zumindest teilweise. Denn die Challenger-Bank N26 der beiden Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal eröffnet heute in Wien sein fünftes Büro. Neben Berlin, Barcelona, New York und São Paulo soll der Wiener Standort, der im Startup-Hub weXelerate zu finden ist, bis Ende 2020 rund 100 Mitarbeiter haben.

“Für uns ist es ein großer Moment, nach Wien zurückzukommen”, so Tayenthal im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. „“Das Ziel für Wien ist, bis Ende des Jahres 20 bis 30 Leute zu haben.” 15 neue Mitarbeiter wurden bereits eingestellt, in zwei bis drei Jahren sollen in der österreichischen Hauptstadt bis zu 300 Menschen für N26 arbeiten – „gerne auch mehr, “aber das hängt davon ab, wie wir ins Ökosystem reinkommen.” Wie viel am Standort Wien investiert wird, haben sich die N26-Gründer gar nicht genau ausgerechnet, jedenfalls würden vor allem die Gehälter und die Miete die Kosten verursachen.

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Wien als Tor zum Osten

Wien als dritten Hub neben Berlin und Barcelona für Entwicklung (Fokus liegt auf Business-Produkten und Security) auszusuchen, hat nicht nur damit zu tun, dass Stalf und Tayenthal von hier sind. Vielmehr geht es darum, ein Büro dort zu haben, wo man Tech-Talente aus der ganzen Welt anlocken kann. „Wien hat eine ausgezeichnete Lebensqualität und ist ein Tor zum Osten, dort gibt es noch mehr gut ausgebildete Tech-Talente”, so Stalf.

N26 rechnet damit, dass viele der künftigen Mitarbeiter aus dem Ausland nach Österreich kommen. “Wir rekrutieren vor allem international”, so die N26-Gründer. Auch in Berlin hätte sich gezeigt, dass nur ein ganz kleiner Prozentsatz der Belegschaft (rund 3 Prozent) tatsächlich aus der deutschen Hauptstadt kommt. “Wir wollen internationale Talente nach Wien bringen.“

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Einblicke ins Geschäft

N26, das als Neobank sowohl traditionelle Banken als auch andere Challenger-Banken wie Revolut oder Monzo zu seinen Mitbewerbern zählt, hält derzeit bei knapp vier Millionen Kunden in 26 Märkten und beschäftigt rund 1.300 Menschen. Im rahmen des Pressegesprächs gaben Stalf und Thayental auch Ein- und Ausblicke auf ihr aktuelles und zukünftiges Geschäft:

  • Neues Feature „Explore“: In der N26-App soll eine Art „App Store“ für Finanzprodukte kommen, in denen Nutzer einfach Finanzdienstleistungen von Partnerfirmen (z.B. Sparprodukte, Versicherungen) finden und auch gleich in Anspruch nehmen können. “Wir müssen nicht alle Finanzprodukte selber machen”, so Stalf. Derzeit hat N26 etwa Partnerschaften mit TransferWise (günstige Auslandsüberweisungen) oder Weltsparen (Sparprodukte).
  • Neues Feature „Timeline“: In einer Timeline, wie man sie von Social Media kennt, sollen künftig neben Ein- und Ausgängen auch passende Angebote zu neuen Produkten (z.B. Versicherungen) untergemischt werden. Das erinnert an Facebook-Werbung, die im Newsfeed angezeigt wird und eben personalisiert wird.
  • IPO: Mit einer Bewertung von derzeit 3,5 Milliarden Dollar durch Investoren ist N26 kein Startup mehr, das sich jeder leisten kann. Ein Exit an einen Käufer ist auch nicht das Ziel. “Unser Ziel ist sicher, in den nächsten drei bis fünf Jahren an die Börse zu gehen“, so Stalf.
  • Neue Finanzierungsrunden: “Wir sind ein Business, wo wir sehr viel Geld verbrauchen”, so Tayenthal. Deswegen würde man nicht umhin können, künftig weitere Finanzierungsrunden zu machen.
  • Einnahmequellen: Auch wenn N26 derzeit hauptsächlich vom Geld der Investoren lebt (bis dato rund 670 Millionen Dollar), wird natürlich auch Umsatz gemacht. Das sind die größten Einnahmequellen:
    • Interchange Fee: Immer, wenn man mit N26 bei einem Händler bezahlt, gehen rund 0,3 Prozent des Preises an N26. Das ist die bisher größte Einnahmequelle – was sich auch wie berichtet beim Konkurrenten Revolut aus London zeigt.
    • Gebühren für Premium-Konten (10 Euro/Monat für „You“, 17 Euro/Monat für „Metal“)
    • Partnerangebote: N26 bekommt für die Vermittlung von Diensten von Partnerfirmen wie TransferWise Provisionen
    • Treasury-Geschäft mit den Einlagen der Kunde
  • Konkurrenz: “Konkurrenz ist gut, weil uns das pusht“, so Stalf. In Großbritannien spüre man die Mitbewerber Revolut und Monzo, in Mitteleuropa hingegen nicht.
  • Wachstum: Pro Tag kommen bei N26 10.000 neue Kunden dazu, so Tayenthal.
  • Beschwerden: In den letzten Wochen gab es einige hundert Beschwerden seitens Nutzern, weil vermeintlich Lastschriften doppelt abgebucht worden seien. Das sei aber geklärt, denn bei ungedeckten Konten hätten die Lastschriften nicht abgebucht werden können.
  • Abhängigkeit von US-Playern: Ohne Apple, Google, Amazon-Cloud, Visa oder Mastercard würde es N26 nicht geben. “Absolut nicht, weil es solche Player in Europa gar nicht gibt“, so Stalf. Umso wichtiger sei es, in Europa noch mehr Standortpolitik gerade für Tech-Startups zu machen. “Europa hat in den letzten 20 Jahren unterdurchschnittlich von der Digitalisierung profitiert, im Vergleich zu den USA und China.”
  • Vorteile von Europa: Als europäisches Unternehmen, dessen Produkt in sechs Sprachen verfügbar ist, hätte man aber auch Vorteile. “Wir setzen ganz stark auf Europa. Die Diversität in Europa hilft uns, nach Südamerika oder in die USA zu gehen”, so Stalf.

So sieht’s aus bei N26 in Wien

N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler
N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler
N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler
N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler
N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler
N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler
N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler
N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler
N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler
N26-Office im Wiener weXelerate. © Tamás Künsztler

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