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N26 verliert täglich auch wieder Kunden, „und das ist für uns völlig in Ordnung“

© N26
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Seit ziemlich genau 5 Jahren können sich Nutzer bei der deutschen Neobank N26 kostenlose Konten per App anlegen. Mittlerweile sind es fünf Millionen Kunden, die das Scale-up aus Berlin zählt. Täglich sollen rund 10.000 neue User dazu kommen, sagte Mitgründer und CEO Valentin Stalf bei der Eröffnung des Wiener Büros im Oktober 2019 (Trending Topics berichtete).

Die große Frage, mit der sich viele Beobachter der FinTech-Branche beschäftigen: Wie intensiv werden diese Konten überhaupt genutzt und wie viele wirklich aktive Kunden haben N26 und andere Challenger-Banken wie Revolut, die ebenfalls kostenlose Konten anbieten?

Der deutsche Blog finanz-szene.de will jetzt (basierend auf Nutzerzahlen, die N26 im vergangenen Jahr bekannt gegeben hat), ausgerechnet haben, dass N26 täglich etwa 3.000 Kunden wieder verliert. Diese Rechnung geht wie folgt: Anfang 2019 verlautbarte N26 „mehr als 2,3 Millionen Kunden“, in den 378 Tagen seither sind etwa 2,7 Millionen Kunden dazu gekommen. Das entspricht etwa 7.100 pro Tag. Aus der Differenz zu den 10.000 Neukunden pro Tag ergäbe sich also am Papier, dass N26 täglich von etwa 3.000 Nutzern wieder verlassen wird.

Wenn Nutzer Konten wieder schließen

Wie viele es nun tatsächlich sind, dass weiß am Ende nur N26. Da Unternehmen stellt dabei auch gar nicht in Abrede, dass Nutzer die Neobank auch wieder verlassen.

„Durch unseren gestiegenen Bekanntheitsgrad gewinnen wir immer mehr Menschen in unseren 26 Märkten, die die Produkte von N26 ausprobieren möchten. Einige von ihnen eröffnen beispielsweise ein kostenloses Girokonto bei uns, nutzen es dann, um während ihrer Urlaubsreise Fremdwährungsgebühren zu sparen, und schließen es später wieder“, so ein Sprecher des Unternehmens. „Und das ist für uns völlig in Ordnung. Wir haben die Kundenanzahl im vergangenen Jahr verdoppelt, und dazu gehören kurzfristigere Nutzer ebenso wie sehr aktive, langfristige Kunden.“

Was zählt als Kunde?

Zu den fünf Millionen Nutzern, die kürzlich kommuniziert wurde, würden die ehemaligen N26-Kunden nicht dazugerechnet werden. Es würde zudem nicht reichen, das die App geladen wurde, sondern gezählte User haben tatsächlich ein Konto eröffnet. Eine genaue Kundendefinition will N26 aber nicht geben – so ist unklar, ob man die App regelmäßig öffnen muss oder ob man tatsächlich auch Überweisungen etc. tätigen muss, um als Kunde gezählt zu werden.

Da es bei Freemium-Geschäftsmodellen darum geht, mit einem Gratis-Angebot möglichst viele Nutzer zu gewinnen und (möglichst große) Teile davon zu zahlenden Nutzern zu machen, ist die spannendere Frage auch, wie viele der fünf Millionen nun Premium-Nutzer sind bzw. wie viele der fünf Millionen regelmäßig das Konto für Zahlungen im Handel (mit Karte oder Apple Pay) verwenden. Denn die „Interchange Fee“ (immer, wenn man mit N26 bei einem Händler bezahlt, gehen rund 0,3 Prozent des Preises an N26) und die Premium-Konten sind die wichtigsten Einnahmequellen – was sich auch wie berichtet beim Konkurrenten Revolut aus London zeigt.

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