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„Kampf um die Zukunft der Autoindustrie noch lange nicht entschieden“

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Immer weniger Millenials holen sich einen Führerschein, immer weniger Stadtbewohner besitzen ein eigenes Auto. Das sind die Makro-Trends, auf die die Automobilindustrie reagieren muss. Mit Carsharing-Diensten, Ride-Hailing-Services und künftig auch autonomen Fahrzeugen steht die Branche vor großen Umbrüchen – nicht zuletzt deswegen haben sich die Rivalen Daimler und BMW kürzlich zusammen getan, um in Mobilitäts-Dienste gemeinsam eine Milliarde Euro zu investieren (Trending Topics berichtete).

In einem neuen Report zeichnet das M&A-Beratungunternehmen GP Bullhound ein durchwachsenes Bild für die europäische Autobranche. Auf den ersten Blick sieht es im Autotech-Bereich für die europäischen Hersteller gut aus. „Europa verzeichnete 2018 mit 39 Prozent der Deals die meisten M&A-Aktivitäten im Bereich Autotech, noch vor Nordamerika und den Asien-Pazifik-Staaten“, heißt es in dem Report. Vor allem die deutschen Unternehmen Bosch, Daimler und BMW gehören weltweit zu den aktivsten Investoren.

Das große Geld ist anderswo daheim

Doch auch wenn europäische Unternehmen viele andere Firmen übernehmen – „Europa spielt mit lediglich 7 Prozent Anteil am globalen M&A-Transaktionsvolumen nur eine untergeordnete Rolle, obwohl hiesige Unternehmen für mehr als ein Drittel der Anzahl aller weltweiten Transaktionen im Autotech-Sektor verantwortlich sind. In Europa sind somit die Transaktionen deutlich kleiner als auf den anderen Kontinenten“, heißt es in der Analyse.

„Die nächste Herausforderung für die europäischen Unternehmen aus der Automobil-Technologie-Branche besteht darin, weiter zu skalieren, um gegenüber den großen Anbietern wettbewerbsfähig zu bleiben. Erschwert wurde dies bisher durch die Tatsache, dass europäische Unternehmen schlicht Schwierigkeiten damit haben, Finanzierungen in der gleichen Größenordnung zu erhalten wie die Konkurrenz aus dem APAC-Raum und Nordamerika”, kommentiert Sven Raeymaekers, Partner bei GP Bullhound.

Rennen gegen Google, Uber und Tesla

Europäer müssen sich in vier Bereichen mit Konkurrenten aus der ganzen Welt messen: Elektromobilität, Connected Cars, Shared Mobility und autonomes Fahren. Wichtigster Trend sind Technologien für selbstfahrende Autos. Laut GP Bullhound liegt das durchschnittliche Transaktionsvolumen bei 70 Millionen Euro für autonomes Fahren, bei Shared Mobility bei im Schnitt 75 Millionen Euro pro Transaktion. Auch Micro Mobility (a.k.a. E-Scooter-Sharing) boomt. Die Investitionen im Segment der Shared Scooter sind von 12,4 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 3,1 Milliarden Euro bis Ende 2018 gestiegen.

Alphabet (Waymo), Intel (mit der Tochter MobileEye), Uber und Tesla gelten weiterhin als die größten Rivalen der klassischen Autohersteller – auch wenn sie viele Kooperationen mit den „alten“ Unternehmen haben. Was GP Bullhound den traditionellen Autoherstellern zugute hält: „Die Größen der Tech-Szene haben den Vorteil, dass sie auf viel größere Ressourcen zurückgreifen können. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass sich die klassischen Hersteller bereits geschlagen gegeben haben“, so Guillaume Bonneton, Partner bei GP Bullhound.

„Im Gegenteil: Sie investieren gerade in erheblichem Maße in die vier in unserem Report hervorgehobenen Schlüsselsektoren. Natürlich profitieren sie auch davon, dass ihnen Verbraucher bereits vertrauen. Deshalb glaube ich, dass der Kampf um die Zukunft der Autoindustrie noch lange nicht entschieden ist.“

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