Digitale Privatsphäre

Mit dem iPhone SE bringt Apple „günstigen“ Datenschutz für die Massen auf den Markt – oder?

Kleiner, billiger - das iPhone SE. © Apple
Kleiner, billiger - das iPhone SE. © Apple

Nicht Zahlen zu Apple Stores, verkauften iOS-Geräten oder installierten Apps standen am Anfang der Apple-Konferenz in San Francsico am Montag Abend, sondern die sperrigen Themen Datenschutz und -verschlüsselung. „Wir wissen, dass das iPhone ein sehr persönliches Gerät ist“, sagte Apple Chef Tim Cook, bevor er und seine Mannschaft dazu übergingen, das neue iPhone SE und das kleinere iPad Pro vorzustellen. „Wir müssen als Nation entscheiden, wie viel Macht die Regierung über unsere Daten und unsere Privatsphäre hat oder nicht.“

Apple stand bis gestern im rechtlichen Zwist mit dem FBI, ob es ein iPhone 5C des San-Bernandino-Attentäters (TrendingTopics.at berichtete) entschlüsseln muss, weil die Ermittler wichtige Daten auf dem Gerät vermutete – dieses aber aufgrund der Sicherheitseinstellungen nicht entsperren konnte, ohne es automatisch zu löschen. Cook wendete sich in einem Schreiben an die Öffentlichkeit, im Sinne der Privatsphäre nicht die eigenen Kunden hacken zu wollen. Mittlerweile hat das FBI aber die Anhörung vor einem US-Gericht in dem Rechtsstreit abgesagt, weil man plötzlich der Meinung ist, das besagte iPhone selber, ohne Hilfe von Apple, entschlüsseln zu können.

iPhone SE ab 480 Euro

Mit dem kleinem iPhone SE (4-Zoll-Display, 12-MP-Kamera, A9-Prozessor) das in den Farben Gold, Silber, Schwarz und Rosa das ältere iPhone 5S ersetzen wird, will Apple jetzt eine noch breitere Konsumentenschicht ansprechen und sie mit einem vergleichsweise günstigen Preis (16 GB um 480 Euro, 64 GB um 580 Euro) locken. Flaggschiff bleibt das iPhone 6S, das ab 750 Euro zu haben ist. Das Betriebssystem des iPhone SE, iOS 9, bietet dem Nutzer starke Verschlüsselung für Daten wie Fotos, eMails oder SMS, die am Gerät gespeichert sind – also jene Verschlüsselung, die das FBI zuerst nicht und jetzt vielleicht doch knacken kann.

Dementsprechend ist die Positionierung von Apple-Geräten als Datenbunker für die Hosentasche mit Vorsicht zu genießen. Wenn das FBI (und/oder andere) die iPhone-Verschlüsselung knacken oder umgehen kann, dann ist iOS 9 doch nicht so sicher, wie es verkauft wird. Mit dem Vorpreschen von Cook in der Privacy-Diskussion, die ihm die Unterstützung einer breiten Allianz von Tech-Firmen (von Twitter bis Google) einbrachte, hat es der Apple-Chef jedenfalls geschafft, seinen Konzern als Datenschützer zu positionieren – im „Prism-Zeitalter“ möglicherweise ein immer wichtigeres Verkaufsargument.

Was allerdings aus dem Fokus geriet: die Cloud. Apple (iCloud) wie viele andere US-Firmen (Google, Facebook, etc.) speichert enorme Mengen an Nutzerdaten auf ihren Servern. Der Datenverkehr dorthin wird den Snowden-Enthüllungen zufolge genauestens von der NSA überwacht. Und: Das FBI bekam von Apple längst Zugang zum iCloud-Back-up des San-Bernandino-Attentäters, lediglich die Daten auf dem Smartphone-Speicher fehlten ihnen – bis jetzt. Deswegen wollen Google, WhatsApp, Snapchat und Facebook einem Guardian-Bericht zufolge ihre Verschlüsselungstechnologien verbessern. Experten sprechen deswegen bereits vom 2. Krypto-Krieg, der zwischen IT-Unternehmen und der US-Regierung tobt.

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