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Smart Watch mit Notrufknopf

Mit dem Forschungsprojekt WAALTeR werden Oma und Opa zu Digital Natives

Digital City © Alexandra Kromus/PID
V.li.n.re. Hans Forster, StR Peter Hacker, Elfriede Stohl, Christiane Kohlbeck, StR Peter Hanke © Alexandra Kromus/PID

Stolz reckt Hans Forster seine Smart Watch am Handgelenk in die Höhe. Mit einer Kalender- und News-Funktion ist sie recht gewöhnlich. Das Besondere: Sie hat einen Notrufknopf. Denn Forster ist 74 Jahre alt und Teilnehmer an dem Forschungsprojekt WAALTeR (Wiener Active and Assisted Living Testregion). Im Notfall kann ihn die Rettung in unter 18 Minuten lokalisieren und bei ihm sein.

Für junge Menschen sind digitale Technologien selbstverständlich. Den Eltern kann man das Smartphone mit Nerven aus Stahl noch erklären aber was ist mit Oma und Opa? Damit ältere Menschen in der Welt 4.0 nicht zurückbleiben, braucht es öffentliche Initiativen. Die Smart City Agentur „Urban Innovations Vienna“ will Wiener im Alter von über 65 Jahren ins Zeitalter der Digitalisierung führen. Dafür werden derzeit im Auftrag der Stadt Wien das WAALTeR-Tablet und die Smart Watch sowie ein Innenraum-Sturzdetektor in über 80 Haushalten in Wien für 18 Monate getestet.

„Es gibt Sicherheit und ein beruhigendes Gefühl“

Die Angst unterwegs im Notfall keine Hilfe zu haben, fällt mit der Smart Watch weg. Die integrierte Notruftaste ermöglicht per GPS-Daten den Träger zu lokalisieren. Dieser kann über die Sprachverbindung mit dem Helfer kommunizieren. Inzwischen gab es schon drei Echtzeit-Einsätze. In weniger als 18 Minuten war die Rettung vor Ort.

„Man weiß ja nicht immer wo genau man ist“, sagt Christiane Kohlbeck zu Trending Topics. Die 79-Jährige wohnt seit eineinhalb Jahren in der betreuten Johanniter-Residenz. „Es gibt Sicherheit und ein beruhigendes Gefühl.“ Zusätzlich wurden in den Wohnungen ein Sturzdetektor angebracht, der über ein Wärmebild Stürze erkennt und Alarm schlägt.

Smart Watch
Horst Forster präsentiert seine Smart Watch © Alexandra Kromus/PID

Sozialstadtrat: „Ich bin ein verspielter Bub“

„Ich erwarte mir 100-prozentige Sicherheit“, sagt Sozial- und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. Er sei Technologie-Fan. „Ich bin ein verspielter Bub.“ Ihm gefällt an dem Projekt, dass dabei Technik und Soziales zusammenkommen.

„Menschen über 60 Jahren haben sehr unterschiedliche Wissensstände“, sagt Julia Sauskojus, die das Projekt für die Smart City Agentur leitet. Seit Ende 2016 untersucht sie, wie zuverlässig die Geräte sind. Nur wenn die Handhabung stimmt, kann das Projekt Erfolg haben. Die eine Hälfte der Teilnehmer wollte ihre Uhr sofort mit dem Google-Kalender synchronisieren. Die andere Hälfte führte Sauskojus erst an die Smart-Devices heran und erklärte den Nutzen.

Tablet sammelt Blutdruck- und Blutzucker-Daten via Bluetooth

„Die Fachsprache kenne ich auf keinen Fall“, sagt die Pensionistin Kohlbeck, erzählt dann aber von Tablet, Smart Watch, GPS-Daten, Seniorenweb und Sensorentechnik. „Ich habe mich erst daran gewöhnen müssen“, gesteht sie. Inzwischen benutzt sie das Tablet täglich für ihre Gesundheitsdaten. Blutdruck und Blutzuckerwerte werden von dem Messgeräten via Bluetooth ans Tablet gesendet.

Das ist nicht nur für Senioren spannend, sondern auch für jüngere Menschen mit chronischen Krankheiten wie z.B. Diabetes. Digitalisierung gehe alle Altersgruppen etwas an, erklärt Digitalisierungs- und Finanzstadtrat Peter Hanke. Noch ist es ein Test, aber später sollen die Daten live mit dem Hausarzt vernetzt werden. Listen über Blutdruckwerte und lästige Besuche beim Arzt fallen dann weg. Zum Arzt müsste man dann nur noch bei Bedarf.

Wien als Digitalhauptstadt Europas

Wien solle Digitalhauptstadt Europas werden, hatte der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig zu Beginn seiner Amtszeit 2018 angekündigt. Die Budgethöhe für das WAALTeR-Projekt liegt bei 2,3 Mio. Euro. Davon hat der Bund 1,2 Mio. Euro zugeschossen. Bis zum November diesen Jahres läuft das Projekt noch. Danach will die Stadt Wien die Erkenntnisse aus dem WAALTeR-Projekt für die Wiener 65+ nutzbar machen. „Wir sind mit städtischen Partnern wie FSW, KWP, KAV, Wiener Wohnen, Wiener Linien und Stadtwerke Holdings im Gespräch“, erklärt Sauskojus im Gespräch mit Trending Topics.

„Ich unternehme mehr“

Christiane Kohlbeck will ihr Tablet auf jeden Fall nach der Testphase behalten. Über das Tablet liest sie die Zeitung und informiert sich über Veranstaltungen. „Ich unternehme mehr und bin besser informiert als zuvor.“ Jetzt wisse sie immer, wann die Sitz-Gymnastik stattfindet.

Mit dem Tablet löst sie Rätsel oder spielt Memory. Mathematik sei in der Schulzeit ihr Lieblingsfach gewesen. „Es gibt soviel, dass ich jeden Tag eine andere Stelle meines Gehirns trainieren kann“, lacht die Pensionistin. Sie könne zu Fuß nicht so weit gehen aber das sei kein Problem. Wenn ihre Enkel sie besuchen, suche sie über das Tablet raus, was sie mit den Kleinen in der Nähe unternehmen kann. So habe das Tablet ihr auch geholfen die Gegend um die Johanniter-Einrichtung besser kennenzulernen.

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