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Microsoft investiert eine Milliarde Euro in Cloud-Center in Österreich

Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort
© Microsoft

Seit etwa 30 Jahren ist Microsoft in Österreich tätig, aber das Jahr 2020 ist das bisher wichtigste. Denn dieses Jahr wurde die Entscheidung getroffen, das Österreich eine eigene Datencenter-Region des US-Riesen bekommt. Dafür wird in den nächsten vier Jahren eine Milliarde Euro investiert, damit im Osten Österreichs ein Netzwerk von Datencentern entsteht, das in erster Linie heimischen Unternehmen Cloud-Computing-Power zur Verfügung stellt. Erste Kunden sie die Erste Bank und BAWAG, zentrale Cloud-Dienste sind Microsoft Azure, Microsoft 365 und Dynamics 365.

Es sei ein „starkes Signal, gerade in diesen Zeiten ein solches Investment nach Österreich zu bringen“, sagte Wirtschafts- und Digitalministerin Margarete Schramböck bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Kurz und Microsoft-Österreich-Chefin Dorothee Ritz. Erwartet wird, dass die Investition von einer Milliarde Euro eine Nettowertschöpfung von zwei Milliarden Euro generiert, indirekt und direkt sollen bis zu 29.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Microsoft hat sich außerdem bereit erklärt, in einem neuen „Center of Digital Excellence“ gemeinsam mit dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort in den nächsten Jahren 6.500 zertifizierte Fachkräfte für Cloud Computing ausbilden zu wollen. Microsoft wird zudem weiterhin in neue Qualifizierungsmaßnahmen investieren, um die „digitale Kompetenz von rund 120.000 Österreicherinnen und Österreichern“ bis 2024 zu fördern.

„Center of Digital Excellence“

Ein essentieller Teil dieses „Center of Digital Excellence“ sei außerdem ein Cybersicherheitsverbund der technischen und naturwissenschaftlichen Universitäten Österreichs. Das Netzwerk werde vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und Microsoft gegründet. Auch die Wirtschaftskammer, Industrievertreter und Datenschutzorganisationen sollen künftig „einen wesentlichen Beitrag“ leisten. Aufgabe des Netzwerkes sei es, nationale IT-Sicherheitsanforderungen zu definieren, denen moderne Cloud- und hybride Architekturkonzepte entsprechen müssen. Darüber hinaus wird die Regierung ein zweijähriges Schulungsprogramm für IT-MitarbeiterInnen des öffentlichen Dienstes und relevanten Fachbereichen des Bundes und der Länder einrichten.

Im Osten Österreichs

Wo die Datencenter entstehen werden, das unterliegt „aus Sicherheitsgründen“ der Geheimhaltung, der Bau werde jedenfalls zwei bis drei Jahre dauern – je nach den Anforderungen und den Rahmenbedingungen. Dass es eine Investitionsprämie von bis zu 14 Prozent für Investitionen in die Digitalisierung in Österreich gibt (Trending Topics berichtete), war der Entscheidung Microsofts sicher zuträglich, aber nicht ausschlaggebend. „Wenn es Anreize gibt, dann zieht Microsoft diese selbstverständlich in Betracht“, so Ritz, aber es gebe weitere Faktoren wie Zugang zum Strom, Fachkräfte, Marktpotenzial und so weiter. „Die Investitionsprämie ist ein Faktor.“

© Microsoft
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Österreich ist künftig somit eine von 64 Regionen mit eigenen Microsoft-Rechenzentren. „Firmen, Startups und Institutionen sollen das volle Potenzial der Digitalisierung nutzen können“, so Ritz. Behörden werden aber wohl nicht in die Microsoft-Cloud ziehen, dafür, so betonte Digitalministerin Schramböck, gebe es ja schließlich das Bundesrechenzentrum. Erwartet wird, dass es in der Industrie, beim Handel, in Schulen und seitens Dienstleistern wie eben Banken großen Bedarf gibt. Ritz: „Es ist billiger, auf uns zu setzen als selbst Server zu betreiben.“

Bis 2025 wird eine 100-prozentige Versorgung der Rechenzentren mit erneuerbarer Energie angestrebt, damit Microsoft seiner selbst auferlegten Verpflichtung, bis 2030 CO2-negativ zu sein, nachkommen kann.

Zwischen DSGVO und Cloud Act

Die Gretchenfrage schließlich ist jene der Datensicherheit. Für diese würde Microsoft natürlich alles tun, und die gespeicherten Daten würden nach allen Regeln der europäischen Datenschutzgrundverordnung behandelt werden. „Es gilt die DSGVO“, so Ritz, und Unternehmen könnten Daten auf österreichischem Boden speichern und müssten sie nicht ins Ausland auslagern.

Aber: Der CLOUD-Act der USA sieht vor, dass US-Cloud-Anbieter Daten auf Anordnung von US-Gerichten herausgeben müssen, auch wenn deren Server auf europäischem Boden stehen. Das will Ritz nicht abstreiten, aber das Unternehmen würde dagegen vorgehen. „Microsoft hat in der Vergangenheit bereits erfolgreich gegen die US-Regierung geklagt“, so die Microsoft-Managerin. „Oberstes Gebot ist Transparenz.“

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