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The Rise of ICO

Michael Eisler: „Vielleicht macht ja auch ein startup300-Token Sinn“

Michael Eisler, startup300. ©startup300
Michael Eisler, startup300. ©startup300

Michael Eisler gründete 2010 Wappwolf. Es ging um das automatisierte Verarbeiten von Dateien in einer frei definierbaren Prozesskette. Gar nicht so weit weg von der Blockchain. Wappwolf scheiterte 2013 und Eisler initiierte bald darauf gemeinsam mit Bernhard Lehner das Business Angel-Netzwerk startup300. Seitdem entstanden einige Spinoffs: der Fonds capital300, die Denkschmiede think300 und mit factory300 der neue Coworking-Space in der Tabakfabrik in Linz. Am 2. und 3. Oktober veranstaltet Eisler das erste österreichische Blockchain-Großevent „The Rise of ICO“.

Trending Topics bat zum Interview über den Herosphere-ICO, den startup300 begleitet, die Chancen, die ICOs für den Standort Österreich bedeuten und natürlich über die Zukunft der Kryptowährungen und der Blockchain.

Trending Topics: Startup 300 hat das Thema Kryptowährungen sehr früh besetzt. Anfang Oktober veranstalten Sie die erste große Konferenz zu dem Thema ICO. Was macht den Reiz an den Kryptowährungen aus?

Michael Eisler: Zuerst muss ich festhalten, dass zwar alle die Begrifflichkeit der Kryptowährung verwenden, aber nicht alles, was hier nach einer Währung aussieht und sich als Zahlungsmittel eignen möchte, auch wirklich so wirtschaftlich zu sehen ist. Die Dynamiken von Aktienmärkten, Wertpapieren, Finanzierungsinstrumenten und teilweise fantastische Business Modelle mit Bonus-Möglichkeiten über eigene Kryptowährungen vermischt und in jede erdenkliche Form verpackt. Um so wichtiger ist es, dass wir gerade als startup300 hier die Leadership-Rolle übernehmen und uns intensiv mit der Community in Österreich beraten und abstimmen und einen gemeinsamen Weg finden, den wir nun auch an öffentliche Stellen und Regulatoren herantragen werden, allen voran natürlich die zuständigen Finanzämter, das Bundesministerium für Finanzen und die Finanzmarktaufsicht.

TT: ICOs schweben in einer rechtlichen und steuerlichen Grauzone. Die rechtliche und steuerliche Behandlung ist nur durch einen Präzedenzfall auf EU-Ebene geregelt, aber noch nicht im natioanlen Recht verankert. Keine Angst, dass BMF oder FMA dem Hype einen Riegel vorschieben?  

Eisler: Wir müssen versuchen die Einflüsse von Goldrausch und Profitgier zu neutralisieren, um die neue Technologie der Blockchain rechtlich und steuerrechtlich so nutzbar zu machen, dass es für alle Seiten ein spannendes Werkzeug darstellt. Wir sind überzeugt, dass uns die Blockchain-Technologie ein neues Modell bietet, mit denen man Finanzierungen plötzlich sehr einfach global gestalten kann. Business Modelle werden mit eigenen Coins – oder sagen wir doch lieber Token, wenn es sich um Ethereum-basierte Einsätze handelt – ausgestattet.Ich darf verraten, dass wir gemeinsam mit KPMG und Brandl & Talos, die auch unsere Partner in der factory300 sind, intensiv an Gutachten arbeiten, das für einen tief greifenden Dialog mit den nötigen Stellen sorgen wird und mit denen wir intensiv alle Aspekte von “Kryptowährungen” und den dazugehörigen “Initial Coin/Token Offerings” (ICO) behandeln und aus unserer Sicht für Unternehmen in diesem Feld den Weg ebnen und Rechtssicherheit anstreben.

TT: Ein rechtlicher Hemmschuh sind die viele Betrugsversuche. Scam-Tokens sammeln trotz offensichtlicher Fadenscheinigkeit mehrere zehntausend Dollar ein, weil viel „dumb money“ im Markt unterwegs ist. Untergraben diese Betrüger die Versuche nicht, hier eine solide Grundlage zu installieren?   

Eisler: Es ist natürlich herausfordernd, da es sehr unterschiedliche Ausgestaltungen von ICOs gibt und eine Vielzahl von Interpretationen und Meinungen. Letztlich ist es uns aber gelungen, dass wir mit Hilfe von Kollegen aus der gesamten österreichischen Szene und den nötigen Experten die Lösungen identifiziert haben, die auch dem BMF und der FMA sicherlich keine Sorgen bereiten werden. Wir servieren unserem Land eine Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen und hoffen, dass wir damit den Standort Österreich für Startups attraktiv halten, weil wir den Einsatz von Kryptowährungen verstehen, richtig einordnen und nutzbar machen.

TT: Ihr habt Herosphere, die den ersten ICO nach österreichischem Recht umsetzen, tatkräftig unterstützt. Wie habt Ihr es Euch diesem völlig neuen Themengebiet genähert?

Eisler: Die drei Gründer von Herospehere wie auch wir sind in kürzester Zeit Experten geworden. Als Investoren haben wir Interesse, dass wir bei diesem Thema schnell Kompetenz aufbauen. Das Geschäftsmodell von Herosphere ist für den Einsatz der Blockchain und eines eigenen Token extrem gut geeignet. Letztlich stützen wir uns nun auf das gesamte Arbeitsergebnis und rechnen damit, dass wir rechtlich auf der sicheren Seite sind und auch steuerlich alles richtig machen. Wir wollten das Land nicht verlassen oder Unternehmensformen wählen müssen, die jemanden stören könnten. Unsere grundlegende Strategie bei startup300 ist, aus Österreich heraus, global agierende Unternehmen aufzubauen. Dies verfolgen wir auch mit Herosphere. Wir sind sehr stolz auf dieses Projekt.

TT: ICOs spülen hohe Millionenbeträge in Startups, die außer einem Konzept kaum etwas vorzuweisen haben. Riecht das für Euch nicht nach Blase?

Eisler: Es stimmt absolut. Viele ICOs werden so aufgesetzt, dass die Nachhaltigkeit des Modells fraglich ist oder die Motivation der Initiatoren vielleicht nicht ehrenwert ist. Ich bin aber zutiefst überzeugt, dass uns das Modell eines ICO Möglichkeiten einräumt, die ein Konstrukt wie startup300 beispielsweise unglaublich verbessern kann. 135 Business Angels können über ICOs von startups schnell und einfach investieren, die Transparenz der Ausgaben eines Startups und das Verteilen der Investitionsbeträge auf verschiedene Wallets bringt Sicherheit in einige Bereiche. Natürlich ist das Fundraising sofort global und nicht mehr nur lokal oder auf das persönliche Umfeld beschränkt.

Wir werden mit startup300 jedenfalls die Themenführerschaft anstreben und unsere Business Angels und Startups bei allen Fragen zu ICO begleiten und beraten. Vielleicht macht ja auch ein startup300-Token Sinn für unser Geschäftsmodell, durch den der Zugang zu factory300 ermöglicht wird und unsere Business Angels damit die Mitgliedschaft bei uns erhalten und das Investieren ermöglicht wird. Wenn wir dann noch den Einsatz von smart contracts verfolgen, könnte sich der Prozess von der Bewerbung bis zum Investieren für alle Beteiligten revolutionieren. Natürlich wollen wir das nicht unversucht lassen.

TT: Ausschlaggebend für diesen neuen Wirtschaftszweig und die wachsende Bekanntheit der Blockchain ist auch der Bitcoin. Über die Zukunft der digitalen Leitwährung scheiden sich die Geister. Wie schätzt Du die Entwicklung ein?

Eisler: Jeder, der sich mit dem Thema Bitcoin befassen möchte, sollte eine Menge lesen. Wie er entstanden ist, in welchem Umfeld, welche Ziele ursprünglich verfolgt wurden, weshalb zentral regulierte Währungen derart in Frage gestellt werden. Die fehlende Regulierung macht Effekte möglich, die zu unbekannten Schwankungen und Entwicklungen führen. Es gibt so viele Meinungen zu Bitcoin wie Sandkörner am Meer. Jeder sollte versuchen, diese Welt selbst zu verstehen und sich seine eigenen Meinung bilden.

TT: Werden die ICOs das Crowdinvesting ablösen?

Eisler: startup300 und der führende Crowdinvesting-Anbieter CONDA sind sehr gute Partner und wir arbeiten mit vielen Startups gemeinsam und unsere Zusammenarbeit werden wir künftig intensivieren und zu gegebenen Zeitpunkt dazu auch gemeinsam mit Wirtschaftsminister Harald Mahrer auftreten und unsere Pläne bekanntgeben. ICOs sind ein weiteres Instrument, um Crowdfunding zu ermöglichen. CONDA ist deshalb ein wesentlicher Technologie-Anbieter in Österreich und vielen angrenzenden Ländern, wenn künftig mehr ICOs im Crowdfunding oder speziell im Crowdinvesting genutzt werden.

TT: Ihr seid auch als VCs tätig. Sind ICOs da für Euch ein neuer Weg Early Stage-Finanzierungen abzuwickeln? 

Eisler: Ja, ganz klar. Es gibt international auch schon einige Venture Capitals, die offenkundig bei ICOs investieren. Auch Fonds selbst haben schon Ideen, sich über ICOs selbst zu finanzieren. Da sind aber regulatorisch noch ein paar Hürden, die mit der FMA geklärt werden müssen. capital300 betreffen diese Überlegungen heute aber noch nicht.

TT: Hast Du selbst Kryptowährungen im Portfolio?  

Eisler: Ich bin selbst kein Investor, obwohl ich für die startup300 und mit vielen Business Angels gemeinsam tätig bin. Wahrscheinlich gehöre ich zu den wenigen Personen im eigenen Umfeld, die noch kein eigenes Krypto-Portfolio haben. Ich konzentriere mich zu 100 Prozent auf startup300 – alles andere wäre eine Ablenkung.

TT: Welche regulatorischen Schritte erwartest Du seitens der EU und der österreichischen Politik?

Eisler: Ich wünsche mir, dass Staaten, Gesetze und Institutionen schneller darin werden, neue Technologien zu würdigen. Letztlich gibt es viele gute Gründe, weshalb es Regeln gibt, die vom Konsumenten- bis zum Anlegerschutz reichen und die ich für hochgradig relevant halte. Da ICOs in vielen Punkten von vielen unterschiedlichen Gesetzen betroffen sind, wird es wohl überlegte Regeln brauchen. Ich glaube nicht, dass die dezentrale Transparenz, Unveränderbarkeit, Unzensierbarkeit, Unzerstörbarkeit der Blockchain-Technologie ausreicht, um gar keine Regeln mehr darüber zu legen. startup300 wird jedenfalls Mitverantwortung in Österreich übernehmen, um die richtigen Regeln umzusetzen.

TT: Anderes Thema. Reden wir über Euer neues Zuhause: Die Tabakfabrik entwickelt sich zu einem absoluten Hotspot. Welche Zukunftsthemen habt Ihr neben der Blockchain noch auf dem Radar?

Eisler: Mit dem Startup Live Linz #2 Blockchain Special haben wir am 29.September wieder ein Highlight und natürlich mit dem „Rise of ICO“-Summit am 2. und 3. Oktober ein Event mit internationaler Strahlkraft. Künftig werden wir mehr rund um “Digital Future” und “Work’n’Life” machen, aber auch Schwerpunkte angehen, die zu unserer Region in Oberösterreich passen: Industrie, Energie und alle angrenzenden Themen im Zentrum. Am 21.9. werden wir gemeinsam mit der Industriellenvereinigung Oberösterreich und führenden Vorständen ein Event der think300 in der Tabakfabrik haben, um genau diese Fragen zu beleuchten und einen gemeinsamen Weg gestalten. Wir hoffen, dass sich die Aussagen von Wirtschaftslandesrat Michael Strugl bewahrheiten und auch tech2b in die Tabakfabrik einzieht. Die Tabakfabrik wird ein einzigartiges Ökosystem, das ist fix!

Editors Note: Investments in Krytocoins oder Token sind hoch spekulativ und der Markt ist weitestgehend unreguliert. Jeder, der Aktivitäten in Erwägung zieht, sollte in Betracht ziehen, dass sein komplettes Investment verloren gehen könnte.

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