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Memocorby & Anexia: „Technik dazu verwenden, Schlaganfälle und Demenz zu enttabuisieren”

Das Team von Memocorby © Memocorby
Das Team von Memocorby © Memocorby

“Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schlimm das ist, wenn jemand einfach nicht mehr sagen kann: ich habe Schmerzen, ich habe Durst, ich habe Hunger”, sagt Elisabeth Dokalik-Jonak. Das kann zum Beispiel nach einem Schlaganfall sein oder bei fortgeschrittener Demenz. Die Linguistin hat eine Methode entwickelt, um diesen Prozess zumindest zu verlangsamen und vielleicht sogar umzukehren. “Patienten die Sprache wieder zu schenken, ist großartig”, so Dokalik-Jonak, die 2016 gemeinsam mit dem Techniker Nikolaus Kerö das Startup Memocorby gegründet hat.

Memocorby setzt darauf, beim Lernen und Üben möglichst viele Sinne zu aktivieren. Auf einem Tablet scheint ein Begriff auf. Das kann zum Beispiel “Erdbeere” sein oder der Name des Enkelkindes. Vor der Anwenderin oder dem Anwender liegen fünf große Kunststoffwürfel. Die Farben sind auf die Zielgruppe abgestimmt, die Oberfläche fühlt sich gut an – man will instinktiv zugreifen. Und genau darum geht es auch: Der Würfel mit dem richtigen Bild, also einer Erdbeere oder dem Foto des Enkelkindes wird hochgehoben. In dem Moment hört man den Begriff oder Namen ausgesprochen.

Von Kind bis Großmutter: Das System funktioniert

Dass das System funktioniert, hat die Linguistin schon mehrfach selbst erlebt. Ein Kind mit Sprachverzögerung, das noch Wochen nach der Übung Worte wiederholte. Eine Großmutter mit fortgeschrittener Demenz, die nicht mehr Sprechen konnte, aber schließlich mitsang, wenn ein Würfel gehoben wurde. Zuletzt habe Dokalik-Jonak eine Schlaganfallpatientin betreut, die auch an Krebs erkrankt war. Die einhellige Meinung: Eine umfassende Therapie zahlt sich nicht mehr aus. Die Patientin konnte ihre linke Hand nicht mehr bewegen. Das Trainieren mit den Memocorby-Würfeln hatte in diesem Fall einen ungeplanten Effekt: “Wir haben Filmaufnahmen, wo sie die Würfel mit beiden Händen gehoben hat. Neurologen haben eigentlich gesagt, das wird nicht gehen”, so Dokalik-Jonak.

Dei Würfel von Memocorby sind wasser- und stoßfest © Memocorby
Die Würfel von Memocorby sind wasser- und stoßfest © Memocorby

Übungskarten? „Das muss anders gehen“

Angefangen hat alles 2011. Die spätere Unternehmerin hatte sich das Kreuz gebrochen und lag lange im Spital, auf der Neurologie. Dort beobachtete sie einige Schlaganfallpatientinnen, die mit Karten Wörter übten. “Ich habe mich damals schon mit neurowissenschaftlichen Lernen beschäftigt und mir gedacht, das muss anders gehen. Das muss digitaler gehen. Das muss haptischer gehen”. 2016 schließlich stieß das Gründerteam  auf der Suche nach einem Softwarepartner über eine Empfehlung auf den IT-Dienstleister Anexia.

Wenn die Gründerinnen mit der damaligen Projektleiterin Monika Putzinger zusammensitzen, gewinnt man schnell den Eindruck, dass es sich um eine sehr intensive und gute Zusammenarbeit handelt. “Uns fällt auf, dass viele Gründer sehr gute Ideen haben aber leider daran scheitern, dass sie zu wenig konkret werden. Agiles Arbeiten bedeutet trotzdem, dass ich vorher einen Plan habe. Bei Memocorby hat das von Anfang an gestimmt”, lobt die ehemalige Anexia-Projektleiterin Putzinger. Und umgekehrt: “Die Zusammenarbeit funktioniert aber auch deshalb gut, weil wir die Möglichkeit hatten, in vielen Gesprächen das komplette Geschäftsmodell aufzurollen und noch einmal zu hinterfragen. Das hat mir sehr gut gefallen”, antwortet Dokalik-Jonak.

Der Lohn nach vielen Jahren Forschung und Entwicklung

Und dann kam der Moment, als das Gründerteam zum ersten Mal mit einem fertigen Set Memocorby spielen durfte: “Ich habe den Würfel gehoben und er hat gesprochen. Da habe ich mich so gefreut, nach so vielen Jahren an Forschung, Entwicklung und Schweiß”. Davor lagen intensive Jahre der Forschung und Entwicklung. Das Memocorby-Team hat dutzende Interviews mit Logopädinnen und Logopäden geführt und in Krankenhäusern und Reha-Kliniken recherchiert. “Man muss bei umfangreichen Projekten die Zeit haben, Dinge zu testen, auszuprobieren und nachzufragen”, sagt Putzinger. Und auch sie hat das getan: “Bei Memocorby waren wir sehr intensiv eingebunden. Ich bin sogar zu Terminen in Krankenhäusern mitgefahren”.

Das Memocorby-Set © Memocorby
Das Memocorby-Set © Memocorby

Sensible Patientendaten sauber verwalten

Später einmal soll Memocorby ein zertifiziertes Medizinprodukt werden. Patienten, die sich das Gerät nicht leisten können, könnten es sich in der Vision der Gründerinnen als Heilbehelf ausborgen. Was noch Zukunftsmusik ist, muss bei der Entwicklung von Beginn an mitgedacht werden. “Wir haben viele Kunden mit sensiblen Daten und für Patientendaten gelten besonders hohe Ansprüche”, erklärt Putzinger. Anexia hat eine entsprechende ISO-Zertifizierung. “Für uns bedeutet das auch, dass wir die Daten von Anfang an entsprechend sauber verwalten und ablegen”.

Ein weiterer Punkt, der für Memocorby wichtig ist: Anexia hat weltweit Rechenzentren. Das hat einerseits den Vorteil, dass man Daten gezielt in bestimmten Ländern speichern und verarbeiten kann. Und es hat den Vorteil, dass das Startup auch bei der geplanten Internationalisierung auf den Klagenfurter IT-Dienstleister setzen kann: “Unser Produkt ist hochskalierbar”, sagt Barbara Piplits-Schneider, die bei Memocorby das Marketing übernommen hat. “Da war es wichtig, eine Firma zu finden, die dieses Hosting mitmachen kann”.   

“Wir wollen Technik dazu verwenden, Themen wie Schlaganfall oder Demenz zu enttabuisieren”, sagt Dokalik-Jonak. Diese Themen würden in Zukunft jede und jeden treffen, ob direkt oder indirekt: “ Demenz und Schlaganfälle werden zu den Volkskrankheiten Nummer 1. Wir wissen alle nicht, ob wir einen Schlaganfall bekommen, dement werden oder nicht”.  

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