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Max Schrems startet Beschwerdewelle gegen nervige Cookies

Initiator des Vereins noyb Max Schrems - © David Bohmann / PID
Initiator des Vereins noyb Max Schrems - © David Bohmann / PID

Die Wiener Nonprofit-Organisation noyb des Datenschützers Max Schrems hat aufgrund von aggressiven Cookie-Bannern gegen mehr als 500 Unternehmen in der EU Beschwerde eingereicht. Die Firmen würden gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstoßen. Diese schreibe vor, dass User bei der Erlaubnis von Cookies eine simple Auswahl zwischen „Ja“ oder „Nein“ haben sollen. Bei den Bannern gestalte sich das Ablehnen aber äußerst frustrierend und umständlich, wodurch Anwender oft zustimmen, um sich Aufwand zu ersparen.

„Verrückte Klick-Labyrinthe“

„Eine ganze Industrie von Beratern und Designern entwickelt verrückte Klick-Labyrinthe, um vollkommen unrealistische Zustimmungsraten zu generieren. Menschen mit Tricks zum Zustimmen zu verführen ist ein klarer Verstoß gegen die Prinzipien der DSGVO. Unternehmen geben offen zu, dass nur drei Prozent aller Nutzer tatsächlich Cookies akzeptieren wollen, aber mehr als 90 Prozent dazu verleitet werden können, auf den ‚Akzeptieren‘-Button zu klicken“, kritisiert Max Schrems.

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Viele Unternehmen setzen laut noyb auf sogenannte „Dark Patterns“, um die DSGVO-Regeln zu umgehen. Das bedeute, dass auf ihren Websites die Buttons zur Ablehnung der Cookies bewusst schwieriger zu finden sind. Das soll Nutzer frustrieren und zum Zustimmen verleiten. Man kennt das vielleicht: Die Schaltfläche zum Akzeptieren aller Cookies strahlt hellgrün, der Button zum Ablehnen ist kaum ersichtlich grau auf weiß darunter platziert.

Mit der Beschwerdewelle will noyb derartige Auswüchse in Zukunft verhindern. Dafür hat die NGO eine eigene Software entwickelt, die verschiedene Arten von rechtswidrigen Cookie-Bannern erkennen und automatisch Beschwerden generieren soll.

Noyb gibt einen Monat Gnadenfrist

Ganze 81 Prozent der Firmen, gegen die noyb Beschwerde einreicht, haben laut der Organisation sogar nicht einmal eine „Ablehnen“-Option auf der ersten Seite. Sie ist stattdessen in Untermenüs versteckt. 73 Prozent der Seiten würden – wie oben erwähnt – irreführende Farben und Kontraste verwenden, um zum „Akzeptieren“ zu verleiten. Insgesamt 90 Prozent würden keine Möglichkeit bieten, die Zustimmung einfach zu widerrufen. Laut dem Standard kommen 22 der Unternehmen aus Österreich. Dazu würden unter anderem Billa, geizhals.at und die Raiffeisen Bank gehören.

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Mit dem neuen System will noyb die meistbesuchten Websites in Europa überprüfen und bald gegebenenfalls bis zu 10.000 Beschwerden einbringen. Bevor die formalen Reklamationen eingebracht werden, sollen die Unternehmen allerdings einen Monat Zeit haben, ihre Cookie-Banner an die rechtlichen Anforderungen anzupassen. Sie erhalten automatisch eine E-Mail, in der sich ein formloser Beschwerdeentwurf sowie eine Anleitung zum Ändern der Softwareeinstellungen finden. Tut sich innerhalb eines Monats nichts, leitet noyb die Beschwerde an die Behörden weiter. Hier können laut der NGO Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro drohen.

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