Blockchain

Matthias Tarasiewicz vom Wiener Blockchain-Institut RIAT: „Bitcoin ist bereits Old School“

Ethereum. © Jakob Steinschaden
Ethereum. © Jakob Steinschaden

Die RIAT Blockchain Academy findet zum ersten Mal vom 5. bis 8. Oktober statt. Entwickler, die sich in der Zukunft näher mit Smart Contracts beschäftigen wollen, lernen in vier Tagen die wichtigsten Basics. Die Teilnahmegebühr beträgt 930 Euro. Wir haben im Vorfeld mit Matthias Tarasiewicz, dem Leiter des RIAT (Research Institute for Arts and Technology) gesprochen. Tarasiewicz beschäftigt sich seit 2010 intensiv mit Bitcoin und der Blockchain und hatte im Februar diesen Jahres Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin (mehr dazu hier) zu Gast in Wien. 

Ihr seid schon lange am Thema Blockchain dran. Werdet ihr aktuell überrannt?

Matthias Tarasiewicz: Aktuell werden wir tatsächlich überrannt. Das Gute daran ist allerdings, dass wir uns die Projekte aussuchen können, mit denen wir auch zusammenarbeiten wollen.

Was können Developer bei Eurer Academy lernen?

Durch die rasante Entwicklung von Ethereum und vor allem durch ICOs (Initial Coin Offerings) wurden sehr viele “Smart Contracts” entwickelt, die oftmals gar nicht richtig überprüft wurden. Prominentestes Beispiel ist wohl The DAO (Decentralised Autonomous Organisation, Anm.), die 150 Millionen Dollar raisen konnte, allerdings gehackt wurde. In weiterer Folge wurde Ethereum “geforked” (siehe dazu auch “Forking as cultural practice: Institutional governance after the DAO”). Der Grund vieler Hacks ist oft das Problem, dass sich einige Entwickler von Smart Contracts gar nicht im Detail mit der darunter liegenden Struktur von Ethereum befassen. Die RIAT Blockchain Academy thematisiert in diesem Zusammenhang, wie Ethereum funktioniert, wie Smart Contracts entwickelt und getestet werden, welche Standards und Best Practices es gibt – und schlussendlich, worauf man sicherheitstechnisch aufpassen muss. In der ersten Phase unserer Academy fokussieren wir auf Teilnehmer, die bereits Basiswissen im Programmieren haben, also zumindest eine Programmiersprache wie z.B. PHP oder Javascript in den Grundlagen verstehen.

Matthias Tarasiewicz von RIAT. © RIAT
Matthias Tarasiewicz von RIAT. © RIAT

Wie viele Interessierte gibt es in Wien?

Hier ist definitiv zwischen Entwicklern (also Programmierern) und Anderen zu unterscheiden. Generell ist das Interesse vor allem bei Programmierern sehr hoch. Wir versuchen allerdings auch in unterschiedlichen “Fast Track”-Formaten, Personen Objekt-orientiertes Programmieren und danach spezifische Blockchain-Kontexte beizubringen, damit sich die aktuelle Lage in Österreich und Europa verbessert. Es gibt einfach zu wenige Developer, die sich mit Themen wie der Blockchain befassen. Das wollen wir ändern.

Mit welchen Kryptowährungen arbeitet ihr?

Wir sind eigentlich Krypto-agnostisch, befassen uns am liebsten mit Ethereum (Smart Contracts) Monero (Stichwort: Anonymität) und NEM (Tokenisierung). Bitcoin ist so gesehen bereits Old School, vor allem da die Transaktionskosten aktuell sehr hoch sind. Zukünftig wird es für spezifische Anwendungen auch eigene Coins und Blockchains geben, allerdings dauert es hier noch, bis das jeder verstanden hat.

Wie lässt sich die Arbeit von RIAT zusammenfassen?

RIAT ist ein Forschungsinstitut mit Sitz in Wien, wir betreiben neben Forschungsprojekten auch eine Infrastruktur (ein ehemaliges Fotostudio mit 300 Quadratmeter in der Neubaugasse, Anm.), wo wir  Blockchain-Meetups und Workshops abhalten und einen internationalen Forschungscluster zu Krypto-Ökonomie betreiben. Unser Hintergrund ist Design und experimentelle Forschung, wir haben auch einige größere Projekte wie etwa die Apertus Open Source Cinema Camera als „Horizon2020“-Projekt betreut. Da wir immer in Open-Source-Communities und als Developer-basierte Forschungs- und Entwicklungsgruppe gearbeitet haben, sind wir permanent mit neuen Technologien  wie etwa Blockchain beschäftigt.

RIAT existiert in der heutigen Form seit 2015, allerdings haben wir davor bereits als Forschungsgruppe und auch einzeln an Blockchain-Technologien und Cryptocurrencies geforscht. Unter anderem haben wir beim ersten Bitcoin-Artpiece zusammengearbeitet (Bitcoincloud, 2010). Unser Paper “Cryptocurrencies as Distributed Community Experiments” (aus dem “Handbook for Digital Currency” von 2014, Anm.) wurde oft zitiert. Wir haben damals bereits die beiden Schlüsseltechnologien Ethereum (Smart Contracts) und Cryptonote (Monero) genannt.

Welche Inhalte werden im Workshop vermittelt?

Interessanterweise hat sich das Thema Blockchain und Cryptocurrency erst 2016 in Österreich wirklich im Mainstream manifestiert, wie wir an einer Infografik für das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (im Rahmen des Blockchain-Themenabends am Forum Alpbach) dargestellt haben. Aktuell konzentrieren wir uns auf die 3 Teilbereiche Education, Communication und Consulting im Bereich Blockchain. In diesem Zusammenhang wollen wir Entwickler und Technologieinteressierte dahin bringen, dass sie an der aktuell sehr rasch wachsenden Krypto-Ökonomie teilhaben können.

Da die Blockchain ein spezifisches Wissen voraussetzt, konzentrieren wir uns darauf, die zugrundeliegenden Mechanismen und Technologien zu vermitteln. Wir erwarten uns dadurch Verständnis (“Crypto-Literacy”) in der Gesellschaft herzustellen, damit eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema möglich ist. Mit Firmen, Organisationen und diversen internationalen Initiativen arbeiten wir außerdem an verteilten Kommunikationskonzepten, wir beraten aber auch aktuell sehr viel oder entwickeln Proof-of-Concepts.

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