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Interview

Mathias Ockenfels: „Speedinvest x plant heuer bis zu 10 Investments“

Mathias Ockenfels ist Fonds-Manager bei Speedinvest x © Speedinvest
Mathias Ockenfels ist Fonds-Manager bei Speedinvest x © Speedinvest

Mit Speedinvest x hat der Wiener Risikokapitalgeber Speedinvest Ende Jänner einen neuen Fokus-Fonds gestartet. Das Ziel des Fonds sind Online-Marktplätze, für die das Fondsvolumen bis Mitte des Jahres auf 25 Millionen Euro wachsen soll. Investiert hat der Fonds bereits vor dem offiziellen Closing in fünf Startups, zu denen unter anderen das österreichische myClubs zählt.

Mathias Ockenfels wurde von Speedinvest als neuer Fondsmanager an Bord geholt. Ockenfels hat seit 2013 bei Point Nine Capital viel Erfahrung mit Marktplatz-Investments gesammelt. Davor war er unter anderem M&A-Manager bei ricardo und Investment-Manager bei Mountain Partners.

Im Interview mit Trending Topics spricht er über das Potenzial von Marketplaces, wie sich Speedinvest x von anderen VCs unterscheidet und auf was er bei seinen Investments besonders achtet.

Trending Topics: Speedinvest x ist ein Fokus-Fonds für Online-Marktplätze – wie definiert ihr diese Kategorie?

Mathias Ockenfels: Die Tagline des Fonds ist “investing in network effects”, der Buchstabe “x” in unserem Namen verweist ja auch auf “Netzwerkeffekte”. Der Fokus von Speedinvest x liegt also vielmehr auf jeglicher Art von Geschäftsmodellen, die Netzwerkeffekte erzeugen bzw. davon profitieren und eben nicht nur auf Marktplätzen. Marktplätze sehen wir nur als eine Unterkategorie davon, wir investieren aber eben auch in andere Plattformen und Technologien, die Plattformen und Marktplätze überhaupt erst ermöglichen bzw., die benötigt werden, um solche zu betreiben.

Welche Technologien sind das?

Ein Beispiel dafür sind transaktionsbasierte Plattformen, die eine Zahlungslösung (z.B. Stripe, Adyen oder Mangopay)  benötigen. Ein weiteres Beispiel ist die Suchfunktion (z.B. Algolia oder Elasticsearch), welche im Grunde jede Plattform hat. Heutzutage muss kein Gründer und kein Entwickler mehr alles selbst bauen, sondern man kann sich seine Plattform quasi per “Baukastensystem” zusammenstellen. So umfasst unser Fokus auch alle diese Kategorien, da im Endeffekt alle diese von Netzwerkeffekten profitieren.

Welche Qualitäten müssen Marketplace-Startups haben, in die ihr investiert?

Generell ziehen wir ähnliche Kriterien heran wie auch andere Investoren. Aufgrund unseres Fokus sind wir aber in der Lage, eine gewisse Expertise auf- und weiter auszubauen, die uns gleichzeitig erlaubt, schneller und gründlicher zu sein und Zusammenhänge besser zu verstehen.

An erster Stelle spielt natürlich das Gründungsteam die wichtigste Rolle. Aufgrund der frühen Phase, in der wir investieren, ist das Team oft das “Handfesteste”, was wir analysieren können und dementsprechend wichtig ist uns ein solides, gut aufgestelltes Team. Darüber hinaus müssen wir natürlich das Potential sehen, dass das Startup eine Bewertung erreichen kann, die aus Investorensicht attraktiv ist.

Welche Bewertung ist das im Fall von Speedinvest x?

Aufgrund unserer Fondsgröße und unserer Investmentstrategie müssen es nicht unbedingt die viel zitierten “Unicorns” sein, aber das bedeutet natürlich nicht, dass wir in weniger ambitionierte Gründer oder Startups investieren. Am Ende des Tages müssen wir davon überzeugt sein, dass jedes unserer Investments das Potential dazu hat, mindestens ein “Fund Maker” zu werden, d.h., dass unser Anteil am Unternehmen zum Zeitpunkt des Exits mindestens einmal unseren Fonds zurückspielt. Das wiederum bedeutet, dass der Markt, in dem das Startup agiert, entsprechend groß sein muss.

Was macht ihr anders oder besser als konkurrierende VCs?

Was unsere Herangehensweise von anderen Investoren unterscheidet, ist unser Fokus auf die bereits genannten Netzwerkeffekte: Wir möchten genau verstehen, in welcher Form diese auftreten können und wie das Startup darüber einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil erzeugen kann, d.h., wie die Verteidigbarkeit des Geschäftsmodells mit Hilfe von Netzwerkeffekten deutlich gestärkt wird. In der frühen Phase, in der wir investieren, achten wir dazu sehr stark auf das Nutzerverhalten, also wie aktiv sind die Nutzer – sowohl auf der Angebots- als auch der Nachfrageseite, wie oft und wie regelmäßig benutzen sie die Plattform oder den Marktplatz und gibt es erste Anzeichen für Viralität z.B. in Form von Mund-zu-Mund-Propaganda.

Wie viele Investments sind heuer geplant?

Wir planen mit Speedinvest x Investments in ca. 30 unterschiedliche Unternehmen über die nächsten 3 bis 4 Jahre. Das bedeutet, dass wir dieses Jahr ca. 7-10 neue Investments planen. Schlussendlich kommt die tatsächliche Anzahl aber natürlich auch auf die Qualität der Startups an. Darüber hinaus legen wir signifikante Reserven für Folgefinanzierungen zurück, um auch in nachfolgenden Finanzierungsrunden die Startups weiter unterstützen zu können. Diese belaufen sich auf etwa 50% des Fondsvolumens, wobei natürlich auch die existierenden Speedinvest-Fonds zur Folgefinanzierung herangezogen werden können.

Wie groß ist der Markt für Online-Marktplätze?

Das lässt sich nur schwer beziffern und dazu gibt es keine offiziellen Zahlen. Als Anhaltspunkt: Der amerikanische Investor Nfx hat vor kurzem eine Studie veröffentlicht, nach der 70% des im Technologiebereich seit 1994 generierten Gesamtunternehmenswertes auf Netzwerkeffekten beruhen bzw. daraus resultieren (siehe Link). Genau deswegen finden wir ja Netzwerkeffekte so spannend und sind überzeugt davon, dass es nicht nur ein attraktives Investitionsziel für Investoren darstellt, sondern auch ein spannender Fokusbereich für zukünftige Gründer ist.

Wie schlägt sich Österreich im Bereich Marketplaces im internationalen Vergleich?

Österreich hat bereits einige spannende Marktplatz- bzw. Plattform-Modelle hervorgebracht: Unter anderem Shpock, ein Startup, das auch von Speedinvest finanziert wurde, und welches auch nach der Akquisition durch Schibsted weiterhin international erfolgreich ist und schon damals eine Vorreiterrolle eingenommen hat. Darüber hinaus würde ich auch Plattformen wie z.B. Runtastic oder willhaben in diese Kategorie einordnen, da beide stark von Netzwerkeffekten profitieren und dank hoher Viralität schnell (international) gewachsen sind. Zu den jüngeren, österreichischen Startups im Bereich Plattformen und – damit verbunden – Netzwerkeffekte gehören sicherlich auch Myclubs und Eversports, die beide Ambitionen haben, die weit über die Landesgrenzen hinausgehen.

In welchen Verticals sehen Sie noch besonders viel Potenzial für Marketplaces?

B2B-Plattformen sind eine spannende Kategorie, mit der wir uns aktuell verstärkt auseinandersetzen. Ich sehe hier noch viel Potential, da es noch viele, quasi “unberührte” Kategorien gibt, die durch eine Plattform-Herangehensweise Effizienzen steigern können und so ganze Industrien revolutionieren können. So haben wir z.B. zuletzt in Stowga aus London investiert, eine B2B-Plattform für das Mieten und Vermieten von Lagerkapazitäten zwischen Firmen. Insgesamt sind von den 5 Investments, die wir mit Speedinvest x bereits getätigt haben, 4 im B2B-Bereich tätig. Darüber hinaus sehen wir spannende Ansätze im Bereich dezentrale Marktplätze und Technologien, die solche ermöglichen. Insbesondere die Blockchain bietet diesbezüglich einige interessante Möglichkeiten und wir beobachten diesen Bereich genau.

Welche Verticals sind für Speedinvest x spannend?

Generell sehen wir es aber nicht als unsere Aufgabe, diejenigen Industrien oder Segmente herauszusuchen, welche “reif” für eine Plattform sind. Wir sind überzeugt davon, dass die Gründer sich am besten mit ihrem Markt auseinandergesetzt haben und sich damit auskennen sollten. Ihre Aufgabe ist es dann, uns von ihrer Vision zu überzeugen und davon, dass sie die Experten sind, mit denen wir zusammenarbeiten möchten. Wir können ja nicht Experten in jedem Segment sein – dafür investieren wir in die richtigen Teams, die dieses Wissen haben.

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