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Interview

Mastercard & Blockchain: „Beim mobilen Bezahlen sind Tokens sehr sinnvoll“

© Mastercard
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Pawel Rychlinski begleitet den europäischen Payment-Markt bereits seit Jahrzehnten. Der studierte Germanist ist Division President of Central & Eastern Europe bei Mastercard und war davor unter anderem Division President für Deutschland bei Mastercard und für das Kartengeschäft bei American Express zuständig. In Deutschland war er bei der Geburtsstunde des FinTechs N26 dabei, das von Beginn an auf die Mastercard Debit Karte setzte.

In Österreich ist diese Karte neu. Sie funktioniert genauso wie ein Bankomatkarte, kann aber dank 12-stelliger Nummer ähnlich wie eine Kreditkarte etwa in Online-Shops eingesetzt werden (Trending Topics berichtete). Im Trending-Topics-Interview spricht Rychlinski über Österreichs Liebe zur Bankomatkarte, warum FinTechs in Deutschland erfolgreicher sind als in Osteuropa und wie Mastercard mit Blockchain und Kryptowährungen umgeht.

Trending Topics: Warum gibt es so viele verschiedene Debitkarten-Systeme von einem Anbieter: Maestro, Mastercard Debit oder Prepaid-Karten?

Pawel Rychlinski: Debit ist Debit – das Geld wird sofort vom Konto abgebucht. Die Unterschiede liegen eher unter der Haube, es sind technische und regulatorische Unterschiede. Mastercard ist für E-Commerce, Maestro nicht. Als Maestro entstanden ist, war das Internet noch nicht verbreitet. Für Konsumenten, die ins Geschäft gehen, ist es nicht wichtig, welche Debit-Karte sie verwenden.

Warum ist Maestro so verbreitet, wenn die Mastercard Debit mehr kann?

Österreich ist eher die Ausnahme als die Regel. Die Ausnahme erklärt sich aus der Geschichte – das ist in Österreich ähnlich wie in Deutschland. Damals gab es eine klare Regelung: Maestro steht für die Bankomatkarte, die aufgrund einer EU-Richtlinie ab heuer nur noch als Debitkarte bezeichnet werden soll und Mastercard steht für die Kreditkarte. In anderen Märkten gab es diese Unterscheidung nicht in dieser Deutlichkeit. Das wird sich ändern. Die Debit Mastercard ist eine Karte, die alles kann – E-Commerce, stationärer Handel und kontaktloses Bezahlen.

Soll Maestro verschwinden?

Das ist nicht unser Plan. Es kann sein, dass Maestro kleiner wird. Aber es ist ein Produkt, das Merkmale hat, die wichtig sind. Auch aus Produktmanagement-Sicht. Bankkunden, die gerade erst einsteigen, müssen nicht sofort mit einer Kreditkarte beginnen, sondern können mit der Maestro Bankomatkarte anfangen. Schüler brauchen vielleicht kein E-Commerce. Vielleicht wollen das die Eltern nicht. Es genügt vielleicht, wenn sich Kinder mit einer Karte am Schulweg Essen kaufen können.

In Deutschland gibt es die Debit-Mastercard schon seit drei Jahren – wie ist der Wandel dort gelungen?

Am Anfang war es sehr schwierig. Wenn man 30 Jahre lang etwas sagt, glaubt jeder daran. Mastercard wurde oftmals lediglich mit der Kreditkarte assoziiert und manche Leute wollen keine Kreditkarte. Das hat zwei, drei Jahre gedauert und jetzt habe ich keine Zweifel mehr daran, dass es funktioniert. FinTechs sind sicher ein starker Treiber. Es gibt keine FinTechs in Deutschland, die mit Maestro angefangen haben. Warum? Weil Maestro nicht digitalisierbar ist. Die FinTechs waren sicher der Moment, wo sich der Markt gewandelt hat – das bekannteste ist N26. Maestro haben sie später hinzugefügt wegen der vielen Akzeptanzstellen.

Brauchen Kunden jetzt beide Karten?

Ich bin ein Fan der Kartenzahlung. Ich bin auf die Debit Mastercard umgestiegen. Natürlich habe ich die Freiheit bar zu zahlen, bevorzuge aber persönlich die Kartenzahlung, ob mit Debitkarte oder gerne auch mit der Kreditkarte. Wenn ich in einer Pizzeria bin, die Kartenzahlung nicht akzeptiert, zahle ich bar und gehe nie wieder hin. Es gibt sogar kleine Kneipen, die die Zahlung per Kreditkarte akzeptieren. Für den Händler gibt es von den Kosten her keinen Unterschied.

Welche Rolle spielen FinTechs für Mastercard?

In Deutschland sind FinTechs sehr schnell und erfolgreich, weil sie die Kundenbedürfnisse erfüllen. Eine N26-Karte mit dem tollen User-Interface macht Kunden das Leben einfacher. In Osteuropa wäre das nicht so einfach, weil die Banken das dort schon seit Jahren machen. Wenn wir in die Slowakei schauen, nach Tschechien, Polen, Rumänien – die Debit-Mastercard gibt es dort schon seit längerer Zeit.

In Osteuropa haben es FinTechs schwerer, weil traditionelle Banken innovativer sind?

Wenn ich mir Banken in Osteuropa anschaue – etwa mBank oder ING. Sind das Challenger-Banken? Nein. Aber die machen genau das gleiche. Dort sind FinTechs auch erfolgreich, aber nicht so sehr wie in den Märkten mit Maestro-Geschichte. Auch Mobile Banking ist im Osten schon weiter – in Polen nutzt mehr als ein Drittel der Kunden mobile banking. Das ist der Markt von N26. Das zwingt die traditionellen Banken, sich auch in diese Richtung zu bewegen.

Ich hoffe, dass FinTechs auch helfen, das Image von Banken zu verbessern. Damit meine ich nicht nur Krisen aus der Vergangenheit. Schauen sie sich an, wie sich Banken positionieren. Ist man mit Krawatte, Anzug und Ernsthaftigkeit wirklich vertrauenswürdiger? Bei N26 ist alles viel lockerer, im Büro nehmen Mitarbeiter Hunde mit. Wenn man Spaß hat, kann man sehr erfolgreich sein.

Woran arbeitet Mastercard im Bereich Blockchain-Technologie?

Bei Kryptowährungen sind wir eher noch beobachtend, Blockchain treiben wir aber aktiv voran. Beim mobilen Bezahlen sind Tokens sehr sinnvoll. Wir haben zum Beispiel einen Token für eine Karte. Wenn Sie eine Karte für Mobile Payment hinterlegen, hinterlegen Sie nicht die Karte selbst, sondern den Token. Das ermöglicht, dass Kunden nicht so oft ihre gesamten Kreditkartendaten angeben müssen. Deshalb haben wir diese Tokenisierungs-Plattform aufgebaut – für das mobile Bezahlen und wenn Kunden ihre Karte hinterlegen sollten.

Das hebt das Thema Authentifizierung auf ein neues Level. Früher hatte man eine Karte mit Magnet-Streifen und wir haben unterschrieben. Dann gab es eine Karte mit Chip und Pin. Tokens machen die Authentifizierung im E-Commerce so sicher wie im POS (Point of Sale, Anm.). Der nächste Schritt: Wir haben vor einem Jahr eine Firma gekauft, die behavioural authentication betreiben. Die können quasi anhand der Art, wie ein Nutzer sein Handy verwendet, beurteilen, ob es sich wirklich um diesen Nutzer handelt. Das sind Technologien, die uns helfen, Nutzer reibungslos zu authentifizieren.

Manche FinTechs machen etwas mit Kryptowährungen. Ist das für Mastercard sofort ein rotes Tuch oder schaut man sich den Einzelfall an?

Wir schauen uns das im Einzelfall an. Es gibt sehr unterschiedliche Kryptowährungen und man muss sich das sehr genau anschauen.

Aus Asien drängen Mobile-Payment-Systeme immer stärker nach Europa, die statt auf eine Kreditkarte auf einen Barcode setzen. Wie geht Mastercard mit dieser Konkurrenz um?

Aus Nutzersicht ist es doch viel einfacher mit dem Smartphone kontaktlos zu bezahlen, als in einer App einen Code generieren zu müssen, der dann gescannt wird.

Wie sehen Sie die Zukunft im Payment-Bereich?

Authentifizierung wird immer wichtiger. In Zukunft werden wir Zahlungen im Browser mit unserem Fingerprint am Handy bestätigen und irgendwann können wir den Nutzer authentifizieren ohne dass er es merkt – zum Beispiel anhand der Art, wie er sein Handy verwendet. Oder eine Mischung aus diesen Methoden.

Bezahlen ist grundsätzlich kein angenehmer Vorgang, deshalb wollen wir Kunden mit unserer Plattform Priceless auch emotional ansprechen. Dort können Erlebnisse gebucht werden, die sonst nicht verfügbar sind. Zum Beispiel ein persönliches Treffen mit einem Sport-Star.

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