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Mahrer: „In Österreich herrscht immer noch eine Pampers-orientierte Haltung vor“

Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP). © Europäisches Forum Alpbach
Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP). © Europäisches Forum Alpbach

“Das ist keine Zeit für Beckenrandschwimmer.” Nicht kleckern, sondern klotzen, das würde sich Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) von der österreichischen Politik und Wirtschaft wünschen, wenn man gegen die internationale Konkurrenz bestehen wolle. Auch wenn Georg Kapsch, Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung (IV) das Wörtchen Digitalisierung „nicht mehr hören kann“, so ist es im Zusammenspiel mit dem Thema Roboterisierung bei den Technologiegesprächen beim European Forum Alpbach trotzdem omnipräsent.

IV-Präsident Georg Kapsch. © European Forum Alpbach

“Europa droht im globalen Bereich abzurutschen. Wir müssen mehr und mutiger investieren. Wer auch immer in der nächsten Bundesregierung sitzt, diese Menschen werden sehr mutige Entscheidungen treffen müssen”, sagte Mahrer. “In Österreich herrscht immer noch eine Pampers-orientierte Haltung vor.” Einen dicken Vorschlag lieferte er gleich mit: Die „mickrige“ Breitbandmilliarde solle auf zehn Milliarden Euro erhöht werden, um die Internetversorgung in Österreich schnell voranzutreiben. Sie sei schließlich die entscheidende Basis für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landes.

Während andere viel über die „Bedrohung Roboter“ (dazu unten mehr) diskutierten, warnte Mahrer zum wiederholten Male, dass man “nicht sklavisch nach Silicon Valley, sondern nach Südostasien schauen“ solle. Dort würden Riesen wie Alibaba oder Tencent heranwachsen, die den europäischen Markt überrollen könnten.

Roboter-Rat für Österreich

Infrastrukturminister Jörg Leichtfried. © European Forum Alpbach

Die von Mahrer geforderte „Gigabit-Initiative“ findet Jörg Leichtfried, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie (SPÖ), prinzipiell wünschenswert, nur müsse man da ja auch noch den Finanzminister davon überzeugen, so viel Geld locker zu machen. Er hat derzeit aber ein anderes Thema: die Roboterisierung. Deswegen verkündete er in Alpbach die Einrichtung eines Roboter-Rats, der ein Budget von einer Million Euro bekommen hat.

Seine Aufgabe: Antworten auf Fragen auf bald aufkommende Problemstellungen bei der Roboterisierung finden. Etwa: Welches selbstfahrende Auto ist bei einem Unfall Schuld? Darf ein Roboter eine Spritze geben? Sollen Roboter als Chirurgen Kinder hüten? Den Vorsitz hat TU-Professorin Sabine Köszegi bekommen, in dem neuen Gremium sitzen unter anderem auch Corinna Engelhardt-Nowitzki (Leiterin der Studiengänge Mechatronik und Robotik an der FH Technikum Wien) oder Martina Mara (leitet am Ars Electronica Futurelab den Forschungsbereich RoboPsychology).

„Wir werden mehr Beschäftigung sehen“

“Wir sollten nicht in ein Horrorszenario verfallen“, sagte IV-Präsident Georg Kapsch. Länder mit höherem Grad an Roboterisierung hätten eine höhere Beschäftigung: Während in Österreich aktuell 128 Roboter auf 10.000 Arbeitsplätze kommen, sind es in Deutschland doppelt so viele, in Schweden mehr als doppelt so viele. gerade hoch industrialisierte Länder würden von Robotern profitieren. Auch Hannes Androsch, Vorstandsvorsitzender des Austrian Institute of Technology (AIT), will die Roboter nicht verteufeln: “Wenn wir digitale Maschinenstürmerei betreiben, dann werden wir abstürzen.”

Hannes Androsch, Vorstandsvorsitzender des Austrian Institute of Technology (AIT). © European Forum Alpbach

Mehr digitale Kompetenz

Dass die Arbeitskräfte der Zukunft digital kompetent sein müssen, liegt da auf der Hand. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) sagte, dass die Digitalisierung die Chance einer personalisierten Ausbildung böte. In einem Pilotprojekt würden im Schuljahr 2017/18 genau 169 Schulen verpflichtende 2 bis 4 Stunden pro Woche „digitale Kompetenz“ unterrichten (von Coding über den Umgang mit Software bis zum reflektierten Umgang mit Online-Inhalten wie Hasspostings). Ein Jahr später soll dieses neue Schulfach dann in der Breite ausgerollt werden.

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ). © European Forum Alpbach

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