Digitaler Butler

M: Facebook greift mit im Messenger eingebautem Smartphone-Assistenten Apples Siri und Google Now an

Hier spricht M - irgendwann in der Zukunft mal. © Facebook
Hier spricht M - irgendwann in der Zukunft mal. © Facebook

Dass wir alle einmal mit unserem Smartphone reden, um ihm Befehle zu geben („Ruf ein Taxi!“, „Buch`einen Flug nach Thailand!“, „Schick XYZ Rosen!“), davon gehen die Silicon-Valley-Riesen offenbar fix aus. Deswegen bestätigte Facebook heute Gerüchte und verkündete, mit einem Digital-Assistenten namens M in die Testphase zu gehen. M ist laut David Marcus, der bei Facebook die Messaging-Produkte Messenger und WhatsApp über hat, eine Software mit Künstlicher Intelligenz, die Aufgaben erledigen und Informationen für den User finden kann. Um M Schuhe kaufen, ein Restaurant in der Nähe ausfindig machen oder einen Termin mit einem Bekannten ausmachen zu lassen, muss man über die Messenger-App zugreifen, die das Social Network (zum Unwillen vieler User) vor einiger Zeit von seiner Haupt-App ausgegliedert hat und derzeit rund 800 Millionen User zählt.

Für M soll aber nicht nur ein Algorithmus arbeiten, sondern auch echte Menschen. Dass Facebook ein Callcenter für 800 Millionen User aufbaut, ist aber unwahrscheinlich. Vielmehr geht es darum, dass die menschlichen Mitarbeiter dem Algorithmus von M bei verstehen lernen helfen.

Wann das Ganze dann auch in Europa von Nutzern verwendet werden kann, ist unklar. Klar ist hingegen, dass Facebook offenbar einen Weg gefunden haben will, seine reichweitenstarken Messenger zu monetarisieren. Denn wenn der persönliche Assistent Produkte und Dienstleistungen vorschlägt, dann könnten ja auch Firmen dafür zahlen, um in diesen Empfehlungen vorzukommen. „Messaging ist private Kommunikation, man kann die Apps nicht mit Werbung zukleistern, weil sich die User sonst in ihrer Privatsphäre gestört fühlen. Spannend ist, ob wir die Kommunikation zwischen Nutzern und Firmen neu erfinden können“, sagte Marcus vor einigen Monaten im Interview mit TrendingTopics.at. M ist nun scheinbar zentraler Bestandteil dieser Strategie, soll sich möglichst unauffällig in die Freundesliste mischen und sich dort nützlich machen.

Apple und Google im Visier

Mit dem Ziel, den Nutzern einen mobilen digitalen Assistenten zur Seite zu stellen, ist Facebook natürlich nicht alleine. Apple hat die Sprachsteuerung Siri tief in sein iPhone-Betriebssystem integriert und baut ab Herbst mit iOS 9 ihre Funktionen aus. Zum einen soll man mit Siri besser reden können und sie mit komplizierteren Aufgaben (z.B. „Zeig mir Videos von Hansis Geburtstagsparty“) betrauen können, zum anderen soll die Funktion „Proactive“ dem iPhone-Nutzer schon interessante Sachen zeigen können, bevor er überhaupt danach fragt (z.B. anstehende Termine).

© Apple
© Apple

Bei Google steht der in Android integrierte digitale Assistent Now ebenfalls vor dem Ausbau. Ab Herbst wird es bei Android 6.0 die Möglichkeit geben, mit „Google Now on Tap“ deutlich kompliziertere Sprachbefehle ins Handy zu bellen als heute. Und da Google ja kein kleiner Player im Werbegeschäft ist, kann man sich schon vorstellen, wie Antworten des Smartphone-Assistenten auch einmal mit platzierter Werbung gespickt sein könnten – natürlich immer schön passend zu den Präferenzen und Interessen des Nutzers.

Betriebssysteme vs. Messaging-Apps

Dass sich so nun Messaging-Apps und mobile Betriebssysteme ein Rennen darum liefern, wer den besseren Digital-Assistenten anbietet, ist auch die Theorie von Pieter Walraven, Mitgründer des Start-ups Pie. In einem Beitrag auf Techcrunch beschrieb er kürzlich ausführlich, wie Google und Apple mit Apps wie Messenger, WhatsApp, WeChat oder Line um die Vorherrschaft in dem Bereich kämpfen. Messaging-Apps könnten es schaffen, sich zu Plattformen zu entwickeln, über die man auf Dienstleistungen Dritter (Taxi, Shops, etc.) zugreift.

All diesen Theorien und Strategien steht das Nutzungsverhalten der Smartphone-User gegenüber. Heute verwendet nur ein kleiner Bruchteil digitale Assistenten wie Siri oder Now, und Messaging-Apps werden als SMS-Ersatz wahrgenommen und nicht als etwas, mit dem man Online-Shopping macht. Was Facebook und Co. da gerade planen, wird noch Jahre zur Reifung brauchen – sowohl auf der technischen als auch der gesellschaftlichen Ebene.

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