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Business Angel of the Year

Lukas Püspök: „Es ist für Startups leicht geworden, in einer frühen Phase Geld zu bekommen“

Lukas Püspök. © aws
Lukas Püspök. © aws

Ein 39-jähriger Wiener, der mit der Püspök Group eines der größten Windenergieunternehmen des Landes leitet, ist Business Angel des Jahres: Lukas Püspök hat sich mit Push Ventures einen guten Ruf in der österreichischen Investorenszene und ein spannendes Portfolio aufgebaut. Bei mySugr war Push Ventures ebenso an Bord wie bei Hitbox – beide Startups sind mittlerweile verkauft worden. Im Portfolio befinden sich derzeit etwa Mimo, myClubs, Anyline, LineMetrics oder Tripmakery.

Gemeinsam mit Laurenz Simbruner (der übrigens mit einer Vorhangstange bei „2 Minuten 2 Millionen“ auftrat) will Püspök Push Ventures in den kommenden Jahren vergrößern. Im Interview mit Trending Topics spricht Simbruner über seine Werdegang als Business Angel, seinen Investment-Fokus und darüber, was der österreichischen Startup-Szene noch fehlt.

Wie bist du Business Angel geworden?

Lukas Püspök: Nach dem Wirtschaftsstudium habe ich mir eine Auszeit genommen und bin nach Nepal geflogen. Vor dort bin ich mit einem kleinen Motorrad am Landweg zurück und war mir sicher, dass ich nach der Reise selbst etwas gründen will. Den Plan hat aber mein Onkel durchkreuzt, der mich gefragt hat, ob ich mit ihm gemeinsam Windkraftprojekte entwickeln will. Erneuerbare Energie hat mich sehr gereizt und ich bin eingestiegen. Das war 2009. 2013 war meine Lust, mit Gründern zu arbeiten, aber noch immer da. Wir hatten aus den Windparkprojekten Geld und ich habe begonnen, mit der Familie im Hintergrund in Startups zu investieren.

Welches Startup war dein erstes Investment?

Die ersten zwei waren eigentlich Co-Investments mit Hansi Hansmann. Damals war das noch nicht so einfach wie heute, für frühphasige Projekte Co-Investoren zu finden. Hansi Hansmann hat mehrere vorgeschlagen und gemacht haben wir dann Whatchado und mySugr.

Wem gehört Push Ventures?

Push Ventures ist eigentlich das Baby von Laurenz Simbruner und mir. Wir kennen uns noch aus Kindheitstagen und haben gemeinsam die Idee entwickelt, ein von meiner Familie gefundete Investment-Firma zu gründen. Das machen wir zwei als Partner, das Geld kommt aber zu 95 Prozent aus meiner Familie.

Welchen Investmentfokus habt ihr bei Push Ventures?

Obwohl wir aus dem Bereich Erneuerbare Energie kommen, haben wir keinen Fokus auf EnergyTech oder CleanTech. Wir sind bei den Themen sehr offen, haben aufgrund der Historie doch ein paar Themen, die wir besonders gerne machen. Durch mySugr haben wir einen guten Einblick in die Digital-Health-Branche bekommen und haben seither schon ein paar ähnliche Sachen in die Richtung gemacht. Wir sind auch bei Mimo investiert und haben auch andere EduTech-Projekte. Mir ist wichtig, dass Technologie für den User einen Mehrwert bietet. Das macht mir mehr Spaß als ein Gaming-Startup, obwohl Hitbox einer meiner Exits war. Wir investieren in Startups, bei denen uns die Produkte und Themen Spaß machen. Travel ist auch ein Thema, das bei uns gut läuft. Da haben wir Companys im Portfolio, die hoffentlich bald große Runden announcen werden.

Warum kein EnergyTech?

Ein Energie-Fokus würde sich aufdrängen und wir schauen uns Startups aus diesem Bereich auch gerne an. Bis jetzt waren aber noch nicht so viele Projekte dabei, bei denen wir große Wachstumschancen gesehen hätten. Der Energie-Bereich ist in sehr vielen Punkten stark reguliert, man kann nicht einfach zum Beispiel mit einem Blockchain-Projekt losstarten und das skalieren. In Zukunft werden da aber sicher spannende Dinge entstehen. Elektromobilität finden wir sehr spannend und das macht uns auch persönlich viel Spaß. Bisher hat sich zwar noch nichts ergeben, aber wir schließen das Thema nicht aus.

Investiert ihr nur in österreichische Startups?

Wir haben so etwas wie eine Städte-Strategie. Wir machen Wien und ein paar Städte aus der Umgebung von Österreich wie München, Budapest, Prag und Ljubljana. Dort scouten wir auch aktiv. Manchmal kommen wir aber auch auf Startups aus ganz anderen Regionen. Wir haben auch Beteiligungen in den USA oder Tel Aviv.

Wodurch unterscheidet sich Push Ventures von anderen Investment-Firmen?

Die Chemie muss stimmen. Laurenz und ich haben beide einen guten Track Record an Unternehmen, in die wir investiert haben, die dann sehr große Runden geschafft haben oder sogar einen Exit gemacht haben. Gute Startups erkundigen sich bei den Portfolio-Firmen von Investoren und da haben wir ein sehr gutes Feedback. Wir sind aber nicht die, die bei späteren Runden noch bei Millionenbeträgen dabei sind – das haben wir nicht zur Verfügung. Aber im Bereich Pre-Seed bis Series A bringen wir uns gerne ein.

Arbeitet die Püspök-Gruppe auch direkt mit Startups zusammen?

Wir haben relativ wenig Berührungspunkte mit Startups, weil wir Windkraftprojekte entwickeln und betreiben. Da ist das Innovationspotenzial nicht sehr hoch. Das ist vielleicht vergleichbar mit einem Immobilienentwickler, der ja auch keine neuen Baumaterialien entwickelt. Ich schließe aber nicht aus, dass wir mal ein Projekt mit einem Startup machen werden. Wir haben zum Beispiel immer wieder Kontakt zu Startups aus dem Bereich Stromhandel. Wir sind kein Konzern und für eine strukturierte Zusammenarbeit mit Startups zu klein.

Wie entwickelt sich aus deiner Sicht das Ökosystem in Österreich? Wo gibt es Verbesserungspotenzial für Business Angels?

Das Ökosystem entwickelt sich gut, wenn man fünf Jahre zurückschaut: Es gibt Medien, die über Startups berichten, es sind viele kleine VCs entstanden. Wir sehen uns ein bisschen als Mittelding zwischen Business Angel und Mini-VC. Es gibt aber mittlerweile ein paar in Österreich, die zehn bis 30 Millionen Euro Kapital zur Verfügung haben und das investieren. Das hat es vor fünf Jahren nicht gegeben – da war fast nur Speedinvest I da. Auch Business Angels gibt es heute viel mehr und es ist ein großer Wettbewerb entstanden. Es ist für Startups heute eigentlich recht leicht geworden, in einer sehr frühen Phase Geld von Business Angels zu bekommen. Was in Österreich nach wie vor fehlt, ist die Anschlussfinanzierung, wenn es um richtig große Runden geht.

Wer investiert in Österreich mehr als zwei bis drei Millionen Euro? Das gibt es de facto nicht. Das ist eine große Lücke. Die meisten gehen bereits für die Series A raus aus Österreich – das ist ja auch nicht schlecht. Es würde aber dem Ökosystem gut tun, wenn auch in Österreich größere Runden möglich wären. Man kann natürlich auch fragen, ob es hier überhaupt die Menge an guten Startups gibt, die Finanzierungsrunden in dieser Größenordnung rein in Österreich schaffen würden. Das weiß ich nicht. Es gibt seit vielen Jahren die Beteuerungen, dass Österreich bei Anschlussfinanzierungen besser werden muss. Viele andere europäische Länder oder Städte sind uns da in den letzten Jahren aber davongezogen. Es passiert zwar viel bei uns, es ist eine positive Entwicklung, aber ob sie schneller als der Durchschnitt ist, weiß ich nicht.

Ist Österreich zu klein für große VCs?

Österreich ist sicher zu klein für eine große eigene VC-Landschaft, die auf Österreich fokussiert ist. Es könnte aber durchaus mehr große Kapitalgeber geben, die dann eben auch ins Ausland schauen. Das Geld wäre schon vorhanden in Österreich – hier liegen Risikokapitalinvestments aber nicht im Fokus. Gute Startups bekommen ihre Finanzierungen aber trotzdem – halt von großen europäischen VCs.

Bringt Österreich zu wenige wirklich gute Startups hervor? Haben wir ein Nachwuchsproblem?

Das glaube ich nicht. Von meinem subjektiven Gefühl her haben wir nicht zu wenige Startups. Wir haben einen großen Dealflow aus Österreich, der jedes Jahr wächst. Und mit einem steigenden Volumen sind auch mehr dabei, die es vielleicht nicht so leicht haebn, eine größere Finanzierung aufzustellen. In größeren Ökosystemen wie etwa in London ist wahrscheinlich die Qualität im Durchschnitt sogar geringer. Je größer die Anzahl, desto höher ist aber absolut gesehen auch die Anzahl der wirklich guten Startups.

Kannst du uns einen Ausblick geben: Was hat Push Ventures in den nächsten Monaten und im nächsten Jahr vor?

Wir werden uns ein wenig vergrößern und in den kommenden Jahren auch mehr Kapital zum Arbeiten bringen. Wir werden auch versuchen, unsere Unternehmen länger mit Kapital zu begleiten und bei Series-A-Runden mit einem größeren Teil auch dabeizubleiben. Mehr kann ich aber noch nicht verraten.

Die Frauenquote ist bei den Business Angels in Österreich sehr niedrig. Welche Probleme ergeben sich dadurch? Haben Geschäftsideen, die auf Frauen ausgerichtet sind, einen Nachteil?

Frauen sind meiner Erfahrung nach sehr gute Gründerinnen und Geschäftsführerinnen und es gibt ein riesiges Potenzial, das brach liegt. Wir freuen uns, wenn wir Dealflow von Gründerinnen bekommen. In unserem Portfolio haben wir trotzdem nur ein Startup mit einer Gründerin, die am Anfang dabei war. Wir haben auch einige Startups mit Frauen im Managementteam. Die Frauenquote ist aber ein großes Thema und ich kann mir gut vorstellen, dass dadurch gewisse Themen nicht so gut bearbeitet werden. Wir haben es nicht ausgewertet, aber ich schätze, dass die Frauenquote unter den Hauptgründern in unserem Dealflow nur bei 1:9 liegt.

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