Channel

Startups

Neugründung

Livint: Vorarlberger Proptech-Startup will Immobilienmakler aus dem Geschäft werfen

Benjamin Amann und Maximilian Freitag von Livint. © Livint
Benjamin Amann und Maximilian Freitag von Livint. © Livint

Drei Bruttomonatsmieten Provision beim Beziehen einer neuen Mietwohnung für den Makler, daran hat sich der Österreicher schon lange gewöhnt. Doch dass diese Regel eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist, das zeigen viele andere europäische Länder. Deutschland etwa hat bereits 2015 das so genannte Besteller-Prinzip eingeführt. Deutsche Makler dürfen von Mietern nur noch dann eine Provision verlangen, wenn sie in deren Auftrag ein Objekt suchen und das später angebotene Mietobjekt tatsächlich erst im Zuge dieser Suche finden.

Die beiden Gründer des Vorarlberger Startups Livint, Benjamin Amann und Maximilian Freitag, sind Kinder der 1990er Jahre – und kommen damit aus einer Generation, für die teure Provisionen bei der Wohnungssuche eine große Hürde darstellen. Deshalb haben sie 2019 damit begonnen, auch in Österreich das Problem der hohen Mietprovisionen zu lösen. „Leistbares Wohnen beginnt unserer Meinung nach beim Zusammenbringen von Vermieter und Mieter. Die hohen Nebenkosten der Makler haben nichts mit leistbar zu tun“, sagt Freitag im Gespräch mit Trending Topics.

„Provisionszahlungen stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand“

„Als das Internet noch nicht so relevant wie heute war, war der Makler für sein Netzwerk bekannt. In der heutigen Zeit wird jedoch der passende Mieter oder die passende Wohnung selbstverständlich online ausgewählt. Einfacher, effizienter und vor allem kostengünstiger muss es sein. Die Höhe der Provisionszahlungen des Maklers stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand, und damit sollte endlich Schluss sein.“

Wie wollen die beiden das schaffen? Mit einer Art Dating-Plattform für Mieter und Vermieter. „Unser Algorithmus sortiert, bewertet und prüft eingehende Bewerbungen und stellt sie mit dem Anforderungsprofil der Wohnung gegenüber. Relevante Kriterien wie persönliche Angaben, Bonität, Social Profiling uvm. werden natürlich abseits der Wohnungskriterien ausgewertet“, sagt Freitag. „Darüber hinaus wird der Mieter während des gesamten Vermietungsprozesses am Laufenden gehalten und kann so den Status seiner Bewerbung jederzeit einsehen.“

Nach Vorarlberg kommt Wien

Im Heimatbundesland Vorarlberg sehen die beiden großen Bedarf. „Vorarlberg steuert mittlerweile auf die 400.000 Einwohner zu, das Bevölkerungswachstum steigt stetig und dadurch treibt es die Mietpreise weiter nach oben“, sagt Freitag. „Die Idee entstand direkt beim ersten gemeinsamen Austausch. Wir sahen ähnliche Probleme, die Vermieter und Mieter bewältigen müssen. Da die Probleme auch keinen Halt vor uns als Gründerteam machten, waren wir selbst betroffen, nicht nur einmal.“ Nachdem sie die Testphase in Vorarlberg abgeschlossen haben, wollen sich die Livint-Gründer dann bald dem großen Wiener Markt widmen. Dann soll Restösterreich folgen, und schließlich die Schweiz und Deutschland.

Am Immobilienmarkt sind nicht nur in Österreich große Umwürfe zu erwarten. Erst vergangene Woche berichtete Trending Topics über ein Londoner Startup namens Kiko, das es sich ebenfalls zum Ziel gesetzt hat, die traditionellen Immobilienmakler zu ersetzen. Einer der beiden Gründer ist der Österreicher Valentin Scholz, der zuvor für Revolut in London tätig war. Gerade London ist für junge Menschen ein sehr teures Pflaster, weshalb die günstige Vermittlung von Wohnungen gefragt ist (Trending Topics berichtete).

Besteller-Prinzip auch für Österreich

In Österreich soll es, geht es nach der Regierung, ebenfalls bald ein Besteller-Prinzip geben. „Wie für gewöhnlich bei Dienstleistungen üblich, sollen die Kosten der Maklerin bzw. des Maklers bei Vermittlung von Mietwohnungen von demjenigen übernommen werden, der den Auftrag gegeben hat“, heißt es im Regierungsprogramm.

Livint kann man derzeit in der aktuellen Testphase noch kostenlos nutzen, doch im Laufe des Jahres werden die beiden Gründer bestimmte Gebühren einführen. Der Kern des Geschäftsmodells soll das Matching sein. Durch unser automatisiertes Matching und die Prüfung der Mieter funktioniert bei uns nahezu alles digital. Deshalb ist unser Business Model sehr Vermieter und Mieter freundlich gestaltet und wird so leistbar wie möglich gemacht“, sagt Freitag. „Wir haben ein Multi-Side-Business-Model, sprich in späterer Folge werden Partner und Stakeholder eingebunden. Wir schaffen ein Ökosystem.“

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen
Corona-Krise