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Line: Das WhatsApp Asiens nimmt heute vorweg, was Facebook mit seinen Messaging-Apps machen will

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Line ist in Japan eine besonders populäre Brand. © Jakob Steinschaden
Line ist in Japan eine besonders populäre Brand. © Jakob Steinschaden

Wenn man wissen will, wie sich die in den USA und Europa massiv populären Messaging-Apps WhatsApp und Facebook Messenger weiterentwickeln werden, dann muss man heute einfach nur nach Japan schauen. Denn dort hat die in Asien beliebte Messaging-App Line (eine Tochter der südkoreanischen Suchmaschine Naver) in Tokio mit 215 Millionen monatlich aktiven Nutzern auf seiner Hauskonferenz eine ganze Reihe von neuen Funktionen und Services vorgestellt, die die Firma ins Geschäft mit digitalen News und Mobile Commerce vordringen lassen sollen.

Line ist schon lange keine App mehr, die bloß als SMS-Ersatz verendet wird. Die Nutzer, vorwiegend in Japan, Thailand, Indonesien, Taiwan und Mittel- und Südamerika zu Hause, können Line in Asien schon längst zum Bestellen von Pizza oder Taxis oder zum Musikhören, Videoschauen und Gamen verwenden. Den knapp über einer Milliarde US-Dollar liegenden Umsatz 2015 hat Line aber vor allem mit dem Verkauf von Games, Stickern, kostenpflichtigen Business-Accounts und Werbung (gesponserte Inhalte) verdient. In Japan liegt Line in der App-Nutzung vor Google, Maps, Facebook, Twitter und Yahoo.

Doch jetzt setzt Line zum nächsten großen Schritt an. “Line soll etwas werden, ohne dem man nicht mehr leben kann”, sagte CEO Takeshi Idezawa vor den etwa 2000 Konferenzbesuchern. “Die App wird ein zentrales Portal, durch das man verschiedene Plattformen verwenden kann.” Idezawa will ein „Smart Portal“ anbieten, das andere Dienste nicht mehr notwendig macht. In Japan ist die App mit etwa 40 Millionen Nutzern größer als Twitter und Facebook.

Zentrales News-Portal

“Wir wollen der wichtigste News-Provider werden und hoffen auf Partnerschaften mit den Medienhäusern”, so Idezawa weiter. Mitte des Jahres sollen Nutzer eine Timeline bekommen, in der sie Nachrichten von Medienpartnern ähnlich wie bei Twitter abrufen können und Artikel mit Hilfe eines Personalisierungs-Algorithmus empfohlen bekommen. Bereits jetzt gibt es 22 Millionen Nutzer, die Line News verwenden, um Nachrichten von rund 50 Medienpartnern zu bekommen.

In Japan nutzt jeder dritte Teenager die App als primäre News-Quelle, 21 Prozent der 30 bis 40 Jährigen nennen Line als wichtigstes Portal für digitale Nachrichten. Damit steht die Firma mittlerweile in direkter Konkurrenz zu Yahoo, das in Japan mit seinem Portal noch sehr wichtig ist. Gerüchten zufolge will Facebook auf seiner Hauskonferenz F8 im April verkünden, dass Medienhäuser bald News über die Messenger-App verbreiten werden können.

Konkurrenz will Line dann auch Facebook und Twitter beim Live-Streaming machen. Können derzeit nur ausgewählte Business-Partner (v.a. asiatische Stars) Live-Video an ihre Follower senden, soll das ab Mitte 2016 jeder Nutzer machen können.

Shoppen in der App

Um neue Einnahmequellen zu erschließen, baut Line auch die Business-Accounts, in Asien beliebt bei Geschäftsbetreibern, aus. Über die Millionen Shop-Auftritte können künftig Coupons und Kundenkarten geneutzt werden, außerdem kann man Produkte direkt in der App bestellen und sich liefern lassen. Line bekommt bei jeder Bestellung 4,98 Prozent Transaktionsgebühr.

Auch Facebook dreht seine Messenger-Apps WhatsApp und Messenger in Richtung eCommerce und Transaktionen. Der erste Schritt dafür sind Technologien, die Firmen mit Nutzern chatten lassen – etwa, wenn es um die Bestellung von Waren, Tischreservierungen oder Uber-Taxis geht (TrendingTopics.at berichtete).

Gerade für KMU soll Line überhaupt zum Ersatz für den eigenen Mobile-Auftritt werden. Die Accounts werden bald auch als mobile Webseiten außerhalb der App angesurft werden können. Der Line-Account der Nutzer dient, analog zu Facebook oder Twitter, dann zum Einloggen und überträgt automatisch für Händler wichtige Daten wie Lieferadresse, Name und Bezahldaten). Geplant ist auch, mittels Beacon-Funksendern Nutzer offline in Geschäftslokalen erkennen zu können. Am liebsten es der Firma dabei, dass Nutzer mit Line Pay zahlen. Mittlerweile gibt es sogar Prepaidkarten von Line, die wie eine Bankkarte verwendet werden kann.

Privatsphäre und Netzneutralität

Betont wird bei Line immer wieder, dass die Privatsphäre des Nutzers immer geschützt werden soll – Chats etwa haben Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder Inhalte der persönlichen Chats werden von Line nicht zu Werbezwecken verwendet oder an Geschäftspartnern weitergegeben. Das hindert die Firma aber nicht, ins Geschäft mit personalisierter Echtzeitwerbung einsteigen zu wollen.

Zu guter Letzt verkündete Line auch noch, als virtueller Mobilfunker (MNVO) in Kooperation mit der Telco NTT DoCoMo ab Sommer 2016 eigene Handytarife in Japan anbieten zu werden. Der Nutzer bekommt unlimitierten Zugriff auf die Line-App sowie auf Facebook, Twitter und Line Music, auch wenn das Datenvolumen schon aufgebraucht ist – was in Japan die Diskussion um Netzneutralität und Zero-Rating anfachen dürfte.

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