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Lime: E-Scooter-Anbieter kündigt alle Verträge mit Juicern in Wien

© Photo by Zera Li on Unsplash
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Bisher waren sie dafür zuständig, dass die weiß-grünen Elektroroller in der Früh wieder aufgeladen auf der Straße stehen: die so genannten Juicer. Diese Freelancer bzw. Unternehmen haben Verträge mit Lime mit Hauptsitz in San Mateo in Kalifornien geschlossen, um gegen Entgelt die Scooter in der Nacht von der Straße zu holen, sie aufzuladen und in der früh wieder an vorgegebenen Punkten in der Stadt aufzustellen.

Doch jetzt hat Lime seine Juicer in Österreich über die sofortige Beendigung des Vertrags informiert, und zwar via E-Mail und mit folgenden Worten:

„Diese Email stellt die sofortige Beendigung des unabhängigen Juicer Vertrage zwischen Dir und Neutron Holdings, Inc., DBA LimeBike oder Lime (der “Vereinbarung”) dar.“

Die Juicer werden dazu aufgefordert, alle Geräte, die Lime gehören, so bald wie möglich zurückzugeben – vor allem um Ladegeräte dürfte es dabei gehen. Detail am Rande: Für diese Ladegeräte mussten Juicer ganz am Anfang eine Gebühr bezahlen. Wer der Aufforderung nicht nachkommt, dem könnten noch ausstehende Zahlungen gestrichen werden. generell sollen noch offene Zahlungen an die die Subunternehmer „mit sofortiger Wirkung“ bearbeitet werden.

Stadt Wien verbannt Freelancer-Modell

Das Modell wäre ohnehin nicht mehr legal gewesen. Denn den Regeln der Stadt Wien zufolge verpflichten sich akkreditierte Vermieter von E-Scootern zum Verzicht auf das Freelancer-Modell. Konkret heißt es dazu in den Regeln der Stadt Wien:

„Die Vermieterin/der Vermieter stellt eine fach- und sachgerechte Wartung und Qualitätskontrolle der verwendeten Mietfahrräder/E-Klein- und Miniroller mit eigenem Personal vor Ort sicher. Aus Gründen des ArbeitnehmerInnenschutzes und der öffentlichen Sicherheit (z. B. Brandgefahr in Privaträumlichkeiten) verzichtet die Vermieterin/der Vermieter auf ein sogenanntes Freelancer-Modell.“

Für eine Handvoll Euro

Bedeutet unterm Strich: Dutzende Juicer werden sich künftig bei Lime kein Geld dazuverdienen können. Versprochen wurde ihnen, bis zu 100 Euro pro Tag verdienen zu können – abhängig von der Menge an Scootern, die eingesammelt und wieder aufgeladen wurden. Pro Scooter konnte man etwa vier bis fünf Euro verdienen. Wie viele Juicer von gekündigten Verträgen in Wien betroffen sind, ist vorerst nicht bekannt.

„Es hat mehrere Gründe, warum wir das Juicer-Programm beendet haben: Zum einen ist es für uns die Abstimmung mit einem oder wenigen Logistik-Partnern pro Stadt einfacher und weniger aufwendig. Zudem haben wir so die Möglichkeit mit den Partnern Vereinbarungen zu treffen, z.B. was den Einsatz von Öko-Strom oder E-Fahrzeugen angeht“, heißt es seitens Lime gegenüber Trending Topics.

„Und der wichtigste Grund war für uns, dass wir so eine größere Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit für unsere Kunden gewährleisten können: Juicer konnten sich aussuchen, ob und wann sie unsere E-Scooter einsammeln und laden. Unsere Logistikpartner sind rund um die Uhr und an 7 Tagen die Woche für uns im Einsatz, so dass immer genügend geladene E-Scooter auf den Straßen von Wien zu finden sind“, heißt es weiter.

EU-Konkurrenz verzichtete auf „Gig Economy“

Lime hat zuvor bereits in Deutschland und in Frankreich sein Juicer-Programm auslaufen lassen. In Wien wolle man künftig ausschließlich mit professionellen Logistikpartnern zusammen arbeiten. Schon bisher ist Lime wegen der Verträge in die Kritik geraten, weil sie auf einem prekären Arbeitsverhältnis beruhten (derStandard.at berichtete).

„Wir machen keine Angaben, wie viele Juicer betroffen sind. Generell war das Juicen der E-Scooter für fast alle Juicer ein Nebenjob, um dadurch zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften“, heißt es seitens Lime. „Auch wenn es durch die ausgesprochenen Kündigungen zu Einkommensausfällen kommt, sollte niemand von Arbeitslosigkeit bedroht sein und wir hoffen natürlich, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen für alle Betroffenen möglichst gering ausfallen.“

Lime und Bird haben das „Gig Economy“-Modell der Juicer und Charger nach Europa gebracht. Die hiesige Konkurrenz arbeitete vom Start weg lieber mit professionellen Logistikpartnern. Tier Mobility aus Berlin etwa ging in Österreich mit Logistikpartner Veloce an den Start und verzichtete auf Freelancer, die für die Ladung der Scooter zuständig sind. Mittlerweile wickelt Tier die gesamte Logistik durch ein internes Team ab.

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