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Lernsieg: Lehrerbewertungs-App soll Werbung bekommen

© APA / Georg Hochmuth
© APA / Georg Hochmuth

Sie ist wieder da: Nach hitzigen Diskussionen, Hassnachrichten und einer vorläufigen Zwangspause geht die Lehrerbewertungs-App „Lernsieg“ heute wieder online. Seit 11 Uhr läuft die Pressekonferenz, die Statements sammeln wir am Artikelende. Die App selbst ist in den zwei dominierenden Stores von Apple und Google bereits wieder gelistet. Bleibt abzuwarten, ob sich die Wogen bei der zweiten Runde glätten lassen. Auf jeden Fall gibt es neue Investoren.

Datenschutzbehörde gibt Okay

Nach der erstmaligen Veröffentlichung gab es Bedenken wegen des Datenschutzes, weshalb die zuständige Behöre herangezogen und die App einstweilen auf Eis gelegt wurde. Im Auftrag des Bildungsministeriums überprüfte die Datenschutzbehörde das digitale Machwerk – mit dem Entschluss, die „Verarbeitung der Lehrerdaten stehe im Einklang mit den Grundsätzen der Datenschutz-Grundverordnung“, berichtet der Standard. Die „berechtigten Interessen der Allgemeinheit bzw. der Schüler die Beeinträchtigung des Grundrechts auf Datenschutz der Lehrer“ würden außerdem überwiegen. Über die Musterklagen der Lehrergewerkschaft wurde indes noch nicht entschieden.

Bei der heutigen Pressekonferenz stellte Benjamin Hadrigan, Erfinder von Lernsieg, zwei neue Investoren vor. Neu an Bord sind Christian Dreyer, ein Salzburger Investor, und die Firma Empire Invest. Die ist laut eigener Aussage „ist ein junges, dynamisches Investment-Unternehmen mit der Spezialisierung auf ertragreiche Immobilien sowie börsennotierte Aktiengesellschaften“. Kerngeschäft sei „die Finanzierung, die Vermietung und das Management kleinerer Eigentumswohnungen in Wien und Niederösterreich“. Nähere Investitionen zu den Investments gab es keine.

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Lernsieg: Hassnachrichten beim ersten Launch

Mit „Lernsieg“ können Schülerinnen und Schüler direkt auf dem Smartphone ihre Lehrkräfte in unterschiedlichen Kategorien (Fairness, Pünktlichkeit etc) bewerten. Für jede Schule erstellt die App aus den gesammelten Daten Rankings. Außerdem konnten die Schülerinnen und Schüler die Schule selbst bewerten. Kritik gab es unter anderem, weil die Bewertung anonym erfolgte und theoretisch auch schulfremde Personen „Benotungen“ abgeben könnten.

Der 19-jährige Benjamin Hadrigan hatte die App im November 2019 gelauncht. Für die Anmeldung war ein Bestätigung über die Telefonnummer notwendig, um doppelte Bewertungen zu vermeiden. Die Kritik war groß, unter anderem hieß es, es sei unklar, ob „Lernsieg“ die Persönlichkeitsrechte der beurteilten Lehrer gewahrt und ob alle datenschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden.

Nachdem der Erfinder Benjamin Hadrigan bereits kurz nach dem ersten Launch Hassnachrichten erhielt, ging die App nur vier Tage später wieder offline. Mit dem Entscheid der Datenschutzbehörde kann die App ab sofort wieder im Play Store und im App Store heruntergeladen werden. Welche Neuerungen und zusätzlichen Sicherheitsstufen es geben wird, dürfte bei der heutigen Pressekonferenz bekanntgegeben werden.

Update: Die Statements der PK

Benjamin Hadrigan verspricht klar und deutlich, keine Daten weiterzugeben: „Wir haben noch nie Daten verkauft, verkaufen keine Daten und werden auch nie Daten verkaufen“, erklärt er auf Nachfrage. Die Lehrerdaten würden aus einer eigenen Datenbank stammen, rechtlich sei das geprüft: „Die Lehrerdaten waren ein komplexer Aufwand, Studenten haben Namen der Schulen und Daten manuell in Excel eingegeben“, erklärt Hadrigan die Vorgehensweise. Dem Bildungsminister und dem Gewerkschaftsvorsitzenden Paul Kimberger habe er ein Gespräch angeboten, dazu gekommen sei es bislang aber noch nicht.

Eine öffentliche App sei wichtig, weil es nur so Konsequenzen geben könne. „Was bringt eine Bewertung per App, wenn niemand Einsicht in die Daten hat?“, erklärt er, warum seine App „besser“ sei als beispielsweise eine Bewertungsanwendung des Staates. Aus seiner Sicht gebe es keine rechtlichen Fragen mehr, die noch geklärt werden müssen:“Wir haben alles getan, um den Datenschutz zu gewährleisten“. Das laufende Verfahren (Musterklage der Gewerkschaft) kommentiere er nicht, er glaube aber, „sie wird ins Leere laufen“. Große Angst davor habe man nicht.

Geld verdienen will Hadrigan künftig mit Werbung, aber „ohne Cookies oder Tracking“. Er wolle ein Gremium aus SchülerInnen bilden, das entscheiden soll, welche Werbung okay ist: „Wir wollen positive Werbung haben“. Als Beispiele führt er Kinos, Pagro oder Libro an. Lehrer könnten in absehbarer Zukunft eine Kommentarfunktion bekommen, Feedback von Paul Kimberger will er „immer umsetzen“.

Der Artikel wurde um 13:35 Uhr aktualisiert. 

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