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Kurz-Vertraute organisiert 2019 Konkurrenz-Event zum Forum Alpbach

Sebastian Kurz beim Forum Alpbach © Forum Alpbach/Andrei Pungovschi

Mitte August erheben die Schützen in Alpbach traditionell ihre Gewehre und eröffnen in dem kleinen Tiroler Bergdorf eine Veranstaltung von Weltrang: Das European Forum Alpbach lockt auch heuer wieder 5.000 Besucher aus 100 Ländern in die Tiroler Alpen. Aber der Glanz bröckelt. Hinter vorgehaltener Hand hört man immer öfter, dass das Programm schon einmal besser war, die Prominenten schon einmal prominenter und das Publikum schon einmal internationaler.

„Wir sehen keinen Mehrwert“

Manchmal ist die Kritik auch ganz unverhohlen. Die Wirtschaftskammer Österreich hat im Juni bekannt gegeben, heuer nicht mehr dabei zu sein. Es war eine der ersten Amtshandlungen des Neo-Präsidenten Harald Mahrer (ÖVP). Die Erklärung: „Wir sehen keinen Mehrwert“. Daraufhin bat Forum-Alpbach-Präsident Franz Fischler auch die Arbeiterkammer, sich zurückzuziehen. Die Industriellenvereinigung (IV) hatte sich bereits 2014 als Mitveranstalter verabschiedet.

Alpbach ist bekannt für die lockere und unkomplizierte Stimmung, in der sich Politiker, Wirtschaftsbosse, Journalisten, Unternehmer und Studenten im Hotel Böglerhof und bei Empfängen die Klinke in die Hand geben. Am Montag Abend feierte Bundeskanzler Sebastian Kurz vor Ort – im Rossmoos und dann im bekannten Jakober – nach einem Auftritt im Kongresszentrum seinen 32. Geburtstag. Und: Das Forum galt immer als Treffpunkt des bürgerlichen Lagers. Dementsprechend eingeschlagen hat auch der Rückzug der WKÖ unter Mahrer, der selbst heuer gar nicht in das Tiroler Bergdorf kommt.

Gabi Spiegelfeld packt Chance auf Gegenveranstaltung

Bisher geben sich die Alpbach-Macher betont gelassen ob des Widerstandes. Es dürfte aber noch schlimmer kommen. Nächstes Jahr ist eine Gegenveranstaltung zu Alpbach geplant, wie Trending Topics herausgefunden hat. Der Standort ist noch nicht fixiert, wird aber vermutlich Salzburg sein, bestätigt Gabi Spiegelfeld auf Nachfrage von Trending Topics. Auch einen der Salzkammergut-Seen kann sich die Veranstalterin vorstellen.

Mit PR-Beraterin und Networking-Profi Gabi Spiegelfeld steckt eine enge Vertraute von Sebastian Kurz hinter der Veranstaltung. Sie hat vergangenes Jahr das Personenkomitee für Kurz organisiert und steckt gemeinsam mit Markus Schindler hinter dem „Salon Z“, einer exklusiven Networking-Reihe in Wien, die den „Zigarrenclub“ beerbt hat.

„Alpbach ist lange nicht mehr das, was es einmal war“, so Spiegelfeld zu Trending Topics. Forum-Alpbach-Präsident Fischler wollte auf Nachfrage von Trending Topics kein Kommentar zu der potenziellen Konkurrenz abgeben.

„Marke Österreich“ soll Wirtschaft bündeln

Das Salzburger Event hat jedenfalls Potenzial, Alpbach richtig gefährlich zu werden. Gleichzeitig ruft Gabi Spiegelfeld nämlich eine große Wirtschafts-Initiative ins Leben. Die „Marke Österreich“ holt Unternehmen wie KTM, Sacher, Swarovski oder Rauch in ein Boot. Bei der Präsentation Mitte September wird auch Kurz anwesend sein – ob und welche Rolle die Politik bei der Veranstaltung in Salzburg spielen wird, ist aber noch offen.

Seit 1945 in Alpbach

Das Forum Alpbach findet bereits seit 1945 statt. Zunächst als „Hochschulwochen“ ins Leben gerufen, hat sich die Veranstaltung in dem kleinen Bergdorf zu einem Treffpunkt für Nobelpreisträger, Politiker, Wirtschaftsbosse und Studenten entwickelt. Bis heute ist das Forum Alpbach in Arbeitskreisen organisiert, die sich zu den Themen Politik, Wirtschaft, Technik, Recht und Finanzen austauschen. Das ursprünglich von Otto Molden und Simon Moser initiierte Forum wird heute als gemeinnütziger Verein von einem fünfköpfigen Präsidium geführt, dem der frühere EU-Kommissar Franz Fischler vorsteht und dem auch Ex-Innenminister Caspar Einem und der scheidende Nationalbanks-Präsident Claus Raidl angehören.

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