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kurier.at: Relaunch soll das News-Portal unter die Top 3 der österreichischen Nachrichtenseiten katapultieren

Stefan Kaltenbrunner, Chefredakteur von kurier.at, begutachtet das neue Design am Smartphone. © Jakob Steinschaden
Stefan Kaltenbrunner, Chefredakteur von kurier.at, begutachtet das neue Design am Smartphone. © Jakob Steinschaden

2014 wurde das Newsportal kurier.at bei den „European Digital Media Awards“ als „Best News Website“ auf Platz zwei hinter der britischen Tageszeitung The Guardian ausgezeichnet. Doch Stefan Kaltenbrunner, seit Anfang 2016 neuer Chefredakteur von kurier.at, und Martin Gaiger, Geschäftsführer von Kurier Digital, ist das nicht genug: „Unser Ziel ist, eines der Top drei Nachrichtenportale in Österreich zu sein“, sagt Gaiger. Der Hebel dazu: In Bälde soll kurier.at ein neues Design bekommen, das mit inhaltlichen Neuerungen einhergeht und das Fundament für den Wechsel auf eine neue CMS-Technologie legt. TrendingTopics.at hat exklusiven Einblick in den Relaunch bekommen.

Zur Ausgangslage: Im Ranking der Einzelangebote der ÖWA Plus ist kurier.at hinter krone.at und derstandard.at bereits die drittgrößte Newsseite des Landes. Allerdings darf man orf.at und oe24.at, deren Reichweitenzahlen in den Dachangeboten ihrer Betreiber versteckt sind und nicht einzeln ausgewiesen werden, nicht vergessen. Die Richtung für kurier.at stimmt: Die Seite konnte im zweiten Halbjahr 2015 um 4,1 Prozentpunkte im Vergleich zu 2014 zulegen und hält laut ÖWA Plus bei 21,2 Prozent Reichweite unter den österreichischen Internetnutzern.

Mehr Content, weniger Banner

Mit einer neuen Strategie sollen künftig noch mehr Internetnutzer auf kurier.at gelockt werden, um dort besser mit einem Überblick über die aktuelle Nachrichtenlage bedient zu werden. Das große Bild der Aufmacherstory im alten Layout ist geschrumpft und bringt so Raum für einen Newsticker rechts, die Beiträge weiter unten werden nicht mehr so bildlastig wie zuvor präsentiert. Eine Herausforderung dabei: Die Teaserbilder auf der Startseite müssen oftmals im quadratischen Format funktionieren.

Die vormals vielen Channels zu Politik, Wirtschaft, Sport und Co werden im Zuge einer „radikalen Vereinfachung“ (Gaiger) jetzt den drei großen Bereichen „News“, „Lifestyle“ und „Entertainment“ untergeordnet, mehr Gewicht bekommen außerdem Meinungsbeiträge und Kolumnen. „Wir werden zu den klassischen Nachrichten und Agenturmeldungen viel mehr Eigengeschichten haben“, verspricht Stefan Kaltenbrunner, der unter anderem zwei Redakteure von NZZ.at zu sich ins Team holt – eine davon ist Yvonne Widler (Horizont.at berichtete).

© Kurier
Mittlerweile erfolgen 45 Prozent der Zugriffe auf das Newsportal über mobile Geräte. © Kurier

Das neue Design bringt auch Änderungen in der Vermarktung. „Wir bieten auf der Startseite weniger, dafür exklusivere Werbeplätze an, ebenso auf der Artikelebene, wo die Werbung immer im sichtbaren Bereich fixiert bleibt“, sagt Gaiger. Auf Einnahmen lediglich aus der Displaywerbung setzt man aber ohnehin nicht mehr. „Wir widmen uns intensiv dem Thema Content Marketing und produzieren für unsere Kunden inhouse“, so Gaiger.

Sponsored und Paid Content

Native Werbung, die schön ins ­Gesamtbild der Webseite passt, wird bei Onlinemedien immer populärer, verspricht sie doch, ohne Agentur und Werbenetzwerke, Umsatz mit ­Anzeigen machen und den Kunden bessere Klickraten als bei herkömmlichen Bannern bieten zu können. Die Zielgruppe, die kurier.at Werbern bieten will, sei hochrelevant, so Gaiger: Zwei Drittel der Nutzer sind zwischen 20 und 49 Jahre alt.

Weiters in Planung ist Paid Content, doch wie eine Paywall aussehen könnte oder ob man für einzelne Artikel zahlen wird können, ist noch nicht beschlossen. Jedenfalls: „Ohne Paid Content wird mittelfristig keine vernünftige Planung mehr möglich sein“, so Kaltenbrunner.

Die Technik im Hintergrund

Neben der Optimierung der Ladezeiten stehen bei kurier.at noch weitere Technologien im Fokus, die die Webseite weiter nach vorne bringen sollen. Eine davon betrifft Distributed Content: Kaltenbrunner setzt zwar prinzipiell auf die Instant Articles von Facebook, die schnellere Ladezeiten und damit mehr Leser für Artikel auf Smartphones versprechen, doch das soll gezielt eingesetzt werden. Nur ausgewählte Beiträge sollen ins Design und auf die Server von ­Facebook wandern, aber sicher nicht alle. In Sachen Zugriffe sieht man sich bei kurier.at ohnehin nicht wirklich abhängig von dem Social Network, insgesamt kommt nur etwa zehn Prozent des Traffics von dort. 56 Prozent surfen kurier.at direkt an, etwa 30 Prozent kommen über Google auf die Webseite. Zum Vergleich: Bei krone.at kommen etwa 20 Prozent der Zugriffe via Facebook.

Das Redesign ist nur der erste Schritt vieler Änderungen. Eine große betrifft das Content Management System (CMS), das erneuert werden soll. Um unabhängig von externen Dienstleistern zu werden, will Gaiger bald auf Open-Source-Software wie Elastic oder Drupal setzen und die Technologie damit ins Haus zurückholen. Das werden auch die Redakteure merken: Sie sollen Echtzeitdaten zur Verfügung gestellt bekommen, wie Nutzer mit Artikeln interagieren und woher die Zugriffe kommen – dieses Wissen soll dann bei der Erstellung neuer Storys helfen, diese für Zielgruppen zu optimieren. Außerdem soll mit dem neuen System auch die Erstellung der Artikel viel einfacher werden – laut Gaiger so simpel, wie es Schreiber auf der im Silicon Valley beliebten Blog-Plattform medium.com gewohnt sind.

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