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Hindernisse

Geschäftskonto? Krypto-Startups haben es bei österreichischen Banken schwer

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Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, Betrug – Kryptowährungen umgibt eine Aura des Illegalen. Sie sind kaum reguliert, Transaktionen zumindest scheinbar anonym und sie gelten als Zahlungsmittel Krimineller. Das macht es auch seriösen Unternehmen, die in irgendeiner Form mit Kryptowährungen arbeiten, schwierig, Partner zu finden, Zulassungen zu bekommen oder einfach nur ein Geschäftskonto zu eröffnen.

„Als die Bank mitbekam, dass wir etwas mit Krypto machen, wurden wir beinahe rausgeschmissen“, erzählt Florian Wimmer von den Anfängen des Startups Blockpit, das er gemeinsam mit Mathias Maier gegründet hat. Die Hagenberger Firma hat ein Tool entwickelt, das Krypto-Tradern bei Transaktionen anfallende Steuern berechnet. Mittlerweile hat Blockpit Einzug in die virtuelle Gemeinde Kettenbruck gefunden – eine Art Spielwiese für neue Technologien, die das Bundesrechenzentrum für die öffentliche Verwaltung nutzbar machen will. Für den geplanten ICO musste das Startup dennoch Bank wechseln und dort eine umfassende Compliance-Prüfung bestehen.

Skandale verschärfen die Situation

In Österreich hat sich die Situation durch Vorfälle wie Optioment zusätzlich verschärft, hört man von vielen Seiten, ohne dass jemand zitiert werden will. Die von Österreichern betriebene Firma wurde von der Finanzmarktaufsicht (FMA) an die Staatsanwaltschaft weitergereicht. Optioment versprach Krypto-Anlegern Rendite von vier Prozent pro Woche und zudem Prämien für das Anwerben neuer Teilnehmer. Der Verdacht lautet auf Betrug, Verstoß gegen das Kapitalmarktgesetz und ein Pyramiden-Spiel, das in Österreich verboten ist. Pro Tag sollen laut FMA bis zu 20 Beschwerden über Optioment eingegangen sein.

Auch die Tiroler Firma Cointed kämpft immer wieder mit Vorwürfen und Beschwerden. Einer der Gründer könnte in den Optioment-Skandal verwickelt gewesen sein – Ermittler haben im April im Rahmen einer Hausdurchsuchung Datenträger beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden. Zuletzt wurde auch das Geschäftsmodell der Krpyto-Mining-Firma Invia von der FMA verboten (Trending Topics berichtete). Insgesamt hat die FMA alleine im Vorjahr rund 30 Sachverhaltsdarstellungen im Zusammenhang mit Krypto-Währungen und ICOs an die Staatsanwaltschaft übermittelt.

Wem der Markt Recht gibt, hat es leichter

Banken schauen deshalb besonders genau hin, wenn es um Dienstleistungen für Krypto-Startups geht. Coinfinity aus Graz etwa hat sich mit einem umfangreichen Regelwerk zu Compliance- und Anti-Geldwäsche-Maßnahmen gerüstet, bevor es bei Banken vorstellig wurde. „Deshalb sind unsere Beziehungen zu diversen Banken im In- und Ausland gut“, sagt Geschäftsführer Max Tertinegg. Das Grazer Startup ist durch Österreichs ersten Bitcoin-Automatenbekannt geworden, der schon 2014 aufgestellt wurde. Mittlerweile bietet Coinfinity zahlreiche Dienstleistungen für den Handel mit Bitcoin an und zählt auch Banken zum Kundenkreis.

Auch Bitpanda hat so eine Bestätigung der Seriosität am Markt geholfen. Das 2014 von Eric Demuth und Paul Klanschek gegründete Startup zählt zu Europas größten Handelsplattformen für Kryptowährungen. 2017 haben mehr als 600.000 Nutzer ein Volumen von rund 600 Millionen Euro gehandelt. In Filialen der österreichischen Post können Bitcoin-Gutscheine von Bitpanda gekauft werden. Auch wenn es zu Beginn schwierig war, mittlerweile stünden Banken bei dem Jungunternehmen Schlange, wie die Gründer gerne betonen.

Manche Banken prüfen gar nicht erst

Grundsätzlich ist es für Startups in der Krypto-Szene aber nach wie vor schwierig, Geschäftskonten bei Banken zu kommen“, sagt Coinfinity-Chef Tertinegg. Eine Diagnose, die österreichische Banken gerne bestätigen. Die Erste Bank entscheide je nach Fall individuell und sehe sich den Geschäftszweck des Startups genau an, hieß es auf Nachfrage. Die Raiffeisen NÖ-Wien sei sehr restriktiv bei der Vergabe von Geschäftskonten an Startups, die mit Kryptowährungen handeln oder ICOs starten.

Noch weniger Chancen scheinen Krypto-Startups bei Bank Austria und Bawag zu haben. „UniCredit Bank Austria bietet Unternehmen, die im Bereich Kryptowährungen tätig sind, keine Kooperationsmodelle oder Kundenbeziehungen an“, ließ ein Sprecher wissen. Und die Bawag teilt die „Bedenken namhafter Experten, Notenbanker und EZB-Ratsmitglieder zu Kryptowährungen, die sich unter anderem darauf beziehen, dass es in diesem Bereich keine regulatorischen und international verbindlichen Regelungen gibt“.

Ersehnte Regulierung lässt auf sich warten

Verbindliche Regeln würden allen Beteiligten das Leben erleichtern, ist auch Tertinegg überzeugt: „Sobald es aber eine Regulierung gibt, die auch den Banken als Orientierungshilfe dient, wird sich die Situation sehr wahrscheinlich verbessern“. Banken bereitet nicht nur die scheinbare Anonymität bei Krypto-Transaktionen, die bei Geldwäsche-Prüfungen für Schwierigkeiten sorgt, Kopfschmerzen. In einem unregulierten Markt ist es zudem schwierig, Kurs- und Risikoanalysen in einer Zuverlässigkeit vorzunehmen, wie Banken es gewohnt sind. 

Bis sich diese Situation maßgeblich ändert, könnten noch Jahre vergehen. Die EU ist mit der gerade verabschiedeten neuen Geldwäsche-Richtlinie einen kleinen Schritt gegangen (Trending Topics berichtete). Sie soll dafür sorgen, dass für Krypto-Handelsplattformen und Anbietern sogenannter Wallets  dieselben Geldwäsche-Regeln gelten wie für Finanzinstitute. Mitgliedstaaten haben bis 2020 Zeit, die neue Richtlinie umzusetzen. 

Die FMA hat indes eigene Vorschläge vorgelegt, wie Kryptowährungen in Österreich reguliert werden könnten. Für ICOs soll es ab einer Schwelle von zwei Millionen Euro eine Prospektpflicht geben und für Handelsplattformen wünscht sich die FMA eine Konzessionspflicht (Trending Topics berichtete). Jetzt beschäftigt sich der „Fintech Beirat“ von Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) mit dem Thema – der Weg zu konkreten Gesetzesentwürfen könnte noch ein langer sein.

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