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Konjunkturbarometer: „Wille, Mut und Leistungsbereitschaft sind ungebrochen“

Christiane Holzinger, die Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, präsentierte das Konjunkturbarometer.© WKÖ_Marcella Ruiz Cruz
Christiane Holzinger, die Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, präsentierte das Konjunkturbarometer.© WKÖ_Marcella Ruiz Cruz

Die Junge Wirtschaft präsentierte heute das aktuelle Konjunkturbarometer. Die Stimmungslage im Mai und Juni ist bei den jungen Wirtschaftstreibenden getrübt – Corona hinterlässt natürlich Spuren.

2.574 Jungunternehmen wurden für die Erstellung des Barometers befragt. Bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Österreichs ist sich die Mehrheit einig. 55 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Konjunktur zurückgehen wird, nur 15 Prozent setzen auf einen Anstieg. Noch im November letzten Jahres lag dieser Wert bei mehr als dem Doppelten.

Konjunkturbarometer: Stimmung auf Talfahrt

Diese Einschätzung wiederholt sich auch bei der eigenen Kostensituation. Auch hier glauben lediglich zwölf Prozent an eine Verbesserung, 45 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus – der Rest davon, das Level halten zu können. Besonders die Sparte „Tourismus & Freizeitwirtschaft“ blickt pessimistisch in die Zukunft, 65 Prozent denken, die eigene Kostensituation wird sich weiter verschlechtern. Am positivsten blickt die Industrie in die Zukunft. Im Trendverlauf ist klar zu erkennen, dass die Stimmungslage erheblich kritischer geworden ist.

Ertragslage wird sinken

Knapp die Hälfte der JungunternehmerInnen rechnet mit einer Verschlechterung der eigenen Ertragslage. Auch hier ist der Tourismussektor wieder sehr pessimistisch, 69 Prozent der Befragten denken, ihre Ertragslage wird sich verschlechtern. Positiv gestimmt sind vor allem Banken und Versicherungen. Im Trendvergleich zeigt sich abermals ein verheerendes Bild: Im Juni 2014 gingen 38 Prozent der Befragten davon aus, dass sich die Ertragslage verschlechtern wird – der bisherige Rekordwert im Konjunkturbarometer. Im aktuellen Trendbarometer liegt der Wert bei satten 49 Prozent. „Die Stimmung ist deutlich pessimistischer als zuletzt“, schreiben die Studienmacher.

Tourismus hart getroffen

Vor allem im Tourismus rechnet man in den Sommermonaten (Juni bis September) mit großen Umsatzeinbußen, nur fünf Prozent dieser Unternehmen geht davon aus, keine Umsatzverluste hinnehmen zu müssen. Fast alle Unternehmen rechnen aber mit Einbußen, recht krisenfest ist lediglich der Bankensektor. Hier glauben 36 Prozent, dass der Umsatz gleich bleiben wird. In der Coronakrise waren viele Unternehmen (79 Prozent) vor allem durch die Quarantäne von Mitarbeitern betroffen, aber auch die Zustellung von Waren an Kunden und die Inanspruchnahme der Kurzarbeit sorgten für Probleme. Für die Hälfte der Befragten waren aber die Härtefallfonds eine zentrale Maßnahme.

Weniger Investitionen geplant

Die negative Stimmungslage wirkt sich auch auf die Investitionsaktivitäten der Jungunternehmen aus. Rund ein Drittel plant gleichbleibende Investitionen, die Mehrheit (49 Prozent) rechnet allerdings mit Einsparungen. Auch hier wieder: Der Tourismussektor geht von sinkenden Invesitionsaktivitäten aus (69 Prozent), aber auch Handel (53 Prozent) und Transport und Verkehr (48 Prozent) blicken dahingehend pessimistisch in die Zukunft.  So richtig investieren will niemand, die Industrie rechnet aber zu gut einem Drittel mit steigenden Invesitionsaktivitäten. Im Trend zeigt sich ganz klar, dass die letzten Jahre mehr investiert wurde – und 2020 dahingehend schwach werden wird. David Pfarrhofer, Vorstand des market-Instituts, dass die Umfrage erstellte: „Kritisch interpretiert war der rote Balken war noch nie so lang wie jetzt“. Wille, Mut und Leistungsbereitschaft seien bei  den Jungen aber ungebrochen, ergänzt Christiane Holzinger,  die Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft.

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Corona-bedingt wollten die Macher des Konjunkturbarometers auch wissen, ob sie denken, von den Banken ausreichend Unterstützung für Investitionen zu erhalten. Nur ein Drittel rechnet mit ausreichender Unterstützung, insgesamt schrumpft das Vertrauen zu Banken weiter. Auch auf den Arbeitsmarkt hat die Krise auswirkungen, der Großteil (62 Prozent) der befragten Unternehmen plant in den nächsten sechs bis zwölf Monaten nicht, jemanden einzustellen. Auch hier erreichen wir im Trendverlauf  der letzten Konjunkturbarometer einen historischen Höchstwert.

Hilfspakete als Rettung

Zuletzt: Die Performance der Bundesregierung. Handlungsbedarf sehen die Jungunternehmen vor allem in puncto Steuern, 67 Prozent sehen hier Probleme. Auf Platz zwei folgt der Bereich „Bildung“, auf Rang drei liegt der Klimaschutz. Für die kommenden Wochen wünschen sich die Jungunternehmen vor allem die Verlängerung des Corona-Hilfsfonds und eine Upgrade de Hilfspakets für Gründer. Langfristig werden die Senkung der Lohnnebenkosten von mehr als der Hälfte (53 Prozent) gefordert, gefolgt vom Vorziehen der Steuerreform und einer Vereinfachung der Mehrwertsteuer. „Auch wir begrüßen die Verlängerung der Hilfsmaßnahmen, der Steuerstundung etc“, meint Holzinger dazu. Man brauche neue Gründer, müsse Arbeitsplätze schaffen und den Konsum wieder ankurbeln.

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Dazu brauche es einen „Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Politik“, erklärt Holzinger, „es werden noch ein paar Jahre ins land ziehen bis  zur Rückkehr zur Normalität“. 27 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ab dem ersten Halbjahr 2021 wieder Normalität einkehrt – ein Teil hofft auf früher, rund 25 Prozent aber auch mit später. Holzinger jedenfalls ist optimistisch: „Wir haben alle eine emotionale Berg- und Talfahrt durchlebt. Jetzt sehe ich, dass viele wieder Mut für die Zukunft gefasst haben.“

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