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Klarna: Wie das europäische Fintech Amazon geknackt hat

Klarna-DACH-Geschäftsführer Robert Bueninck. © Klarna
Klarna-DACH-Geschäftsführer Robert Bueninck. © Klarna

Klarna aus Schweden ist neben Revolut das wertvollste europäische nicht börsennotierte Fintech-Unternehmen – und der wohl größte Konkurrent, den PayPal derzeit in Europa und zunehmend auch in den USA hat. Doch Klarna sieht sich längst nicht mehr als B2B-Anbieter, der in Online-Shops den Checkout mit Sofortüberweisung oder Ratenzahlungen möglich macht. Stattdessen sieht man sich als „Shopping Ecosystem“, das B2C immer mehr Konsumenten überzeugen möchte.

Wie es derzeit bei Fintechs en vogue ist, hat auch Klarna eine Kreditkarte im Angebot. Und die ist zentral dabei, die Herzen der Konsumenten zu erobern. Die kostenlose Visa-Karte mit Anbindung an die App der Schweden macht mehrere Dinge möglich: Man kann flexibel festlegen, ob man Einkäufe sofort, später in 14 Tagen oder nach dem Kauf in Raten bezahlen will. Gebühren gibt es keine, dafür auch einige Einschränkungen: Man kann mit ihr etwa keine Bargeldbehebungen machen.

„Wir wollen natürlich auch in Österreich mit der Karte launchen“

„Wir wollen natürlich auch in Österreich mit der Karte launchen, können aber derzeit noch nicht genau sagen, wann das der Fall sein wird“, sagt Klarna-DACH-Geschäftsführer Robert Bueninck im Gespräch mit Trending Topics. „Wir wollen, dass unsere Kunden Klarna überall verwenden. Früher musste der Händler Klarna integrieren, damit die Kunden uns nutzen können. Heute aber mit der Karte funktioniert Klarna überall, wo Kreditkarten akzeptiert werden, online wie offline – also auch bei Amazon, wo die Klarna Card am häufigsten verwendet wird.“

Genau, richtig gelesen: Amazon. Denn als Anbieter für Payment-Lösungen ist das Wachstum von Klarna, das etwa H&M, Spotify, Nike, Steam oder Mango zu seinen Kunden zählt, um einen sehr große Faktor limitiert: Amazon. Dort ist Klarna nicht hinein gekommen, während der US-Riese selbst Ratenzahlungen anbietet. Doch mit der Klarna-Karte ist es möglich geworden, dass man den schwedischen Dienst doch bei Jeff Bezos‘ E-Commerce-Riesen verwenden kann.

„Trotz Einbrüchen in einzelnen Branchen Zuwachs im E-Commerce“

Und der E-Commerce, der brummt natürlich in der Corona-Krise. Wobei: Auch da gibt es ein „Aber“. Während Dinge wie Lebensmittel, Klamotten, Elektronik, aber auch Alkohol, Zigaretten oder Sexspielzeug nun verstärkt online gekauft werden, gibt es in anderen Branchen natürlich Einbrüche – etwa Travel oder Event-Ticketing. „Der generelle Trend ist, dass es trotz Einbrüchen in einzelnen Branchen einen Zuwachs im E-Commerce gibt“, sagt Bueninck. Denn: „Die Krise ist in den Geldbörsen der meisten Menschen vermutlich noch nicht angekommen.“ Zumindest sehe man das bei den eigenen Nutzern nicht.

Vielmehr sehen sich die Schweden, die zuletzt von Investoren mit 5,5 Milliarden Euro bewertet wurden (Trending Topics berichtete) und Wirecard, Stripe oder die Alibaba Group zu seinen Partnern zählt, als eine der Firmen, die gestärkt aus der Krise hervorgehen werden. „Die Corona-Krise hat den Trend von Offline zu Online, von Cash zu digitalem Payment beschleunigt“, sagt Bueninck. „Wir sind gut positioniert, entlang dieser Linien zu wachsen. Aber wenn Partnerhändler in Schwierigkeiten kommen, betrifft das natürlich auch uns, genauso wie hohe Arbeitslosenzahlen.“

Online-Shopping verändert sich

Klarna hat auch einige spannende Daten dazu, wie sich das Online-Shopping-Verhalten der Österreich während der Krise verändert hat. Hier einige Insights:

  • Die Österreicher haben im März, über alle Altersgruppen hinweg, online deutlich mehr eingekauft als im Vormonat. Besonders im ländlichen Raum machte sich diese Veränderung bemerkbar. So sind Online-Bestellungen im Vergleich zum städtischen Raum von Februar auf März um 94% gewachsen – von KW 11 auf KW 12 sogar um 166 %.

  • Während in der Vergangenheit Online-Einkäufe meist in den Morgen- oder Abendstunden getätigt wurden, kaufen die Österreicher zu Quarantänezeiten auch im Web deutlich häufiger tagsüber ein: In der Zeit von 10-12 Uhr beträgt die Steigerung 4%, von 12-14 Uhr und von 14-18 Uhr gibt es eine deutliche Steigerung von jeweils 12%. Die nächtlichen Bestellungen im Zeitraum von 0-4 Uhr gingen um 10% zurück, von 4-10 Uhr um 8% und von 18-24 Uhr 7%.

  • Die Präferenzen der Kunden haben sich in Zeiten der Isolation und Social Distancing verändert. Die überlegene Gewinner-Kategorie im Monatsvergleich ist Kinderprodukte mit einem gewaltigen Plus von 114%. Das ist eine größere prozentuale Steigerung als die vier nachfolgenden Kategorien zusammen. Ebenfalls in den Top-5: Elektronik (29%), Essen & Getränke (25%), Heim & Garten (20%) und Entertainment (20%). Die Menschen beschäftigen sich also offensichtlich sehr stark mit allem rund um ihr Zuhause.

  • Die Sparte Elektronik ist bei den 18-25 Jährigen (Generation Z) mit 40% im Monatsvergleich stark gestiegen. Beim jüngsten Wochenvergleich kommt diese Altersgruppe sogar auf ein Wachstum von 115%.

  • Markant bei der Generation 76+ Jahre, die bekanntlich besonders als Risiko-Gruppe des Corona-Virus gilt: Die Kategorie Essen & Getränke liegt hier mit einer signifikanten Steigerung von 81% von Februar auf März überlegen auf Platz eins.

  • Bei den jüngeren Altersgruppen ist die Kategorie Erotikprodukte hoch im Kurs. Die 18-25-Jährigen verzeichneten hier im Vergleich zum Vormonat ein Plus von beachtlichen 23%. Im Wochenvergleich wird dieser Trend mit Umsatzzuwächsen bei der Generation Z (18-25 Jahre) mit 69% und auch bei den Millenials (26-35 Jahre) mit 50% noch verstärkt. Zum Schmunzeln: Die Generation 76+ ist in dieser Kategorie mit einer Monatssteigerung von 60% Spitzenreiter.

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