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Klarna plant die Super-App, die den Shopper nicht mehr loslässt

© Klarna
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Wie beschreibt man Klarna in einem Satz? Da tun sich auch PR-Berater noch ein wenig schwer. Ursprünglich stand das schwedische Fintech einmal für den Ratenkauf im Internet, aber dabei ist es nicht geblieben. Mittlerweile gibt es eine eigene Shopping-App, eine Bankkarte, Payment-Integrationen in Online-Store und Checkout-Lösungen für physische Geschäfte. Bedeutet in Summe: Klarna ist längst kein Payment-Provider mehr, sondern hat sich zu etwas gewandelt, an dem auch der chinesische Fintech-Riese Ant Group Gefallen gefunden hat.

Was will Klarna also im Jahr 2020 und danach sein? Im Optimalfall wird aus der App des schwedischen Fintechs eine Super-App – also eine mobile Anwendung, die alles rund ums Geld ausgeben des Nutzers regelt, ohne dass er dazu irgendeinen anderen Dienst braucht. Im Rahmen des Vienna Banking Summit 2020 hat Robert Bueninck, DACH-Geschäftsführer bei Klarna, Einblicke gegeben, in welche Richtung sich das Angebot weiter entwickeln wird.

Mehr als bloß bezahlen

„More than payments“ ist dabei das große Motto. Klarna sieht sich nicht mehr lediglich als europäischer Rivale von PayPal, der für die Zahlungsabwicklung in Online-Shops sorgt, sondern als Consumer-Brand, die mit Online-Marktplätzen wie Rakuten konkurriert und sogar in eine ähnliche Rolle wie Social Media (Pinterest, Instagram) schlüpfen will, wenn es darum geht, Konsumenten Produkte vorzuschlagen. Ja genau – Insta, Pinterest und Rakuten laufen im Pitch Deck unter Mitbewerb (Amazon noch nicht).

Klarna geht es nicht mehr bloß um den kurzen Moment des Kaufs, sondern auch um das Davor und Danach – also die gesamte berühmte Customer Journey von der Inspiration zum Kauf bis hin zum Remarketing. Noch im vierten Quartal 2020 soll die neue Version der App mit einer Produktsuche, Wunschlisten, kuratierten Shopping-Empfehlungen, Preisvergleichen, Benachrichtigungen bei Vergünstigungen oder Reviews zu einer Shopping-Zentrale am Smartphone werden, die den Nutzer ähnlich wie bei Amazon zum Kaufen verführt. Und auch nach dem Kauf will Klarna für die werte Kundschaft da sein – etwa mit Loyalty-Programmen, Lieferung und Dienstleistungen im Bereich persönlicher Finanzen. Hauptsache, der Nutzer verlässt die App nicht mehr in Richtung anderer Dienste.

Basis der ganzen Übung sind natürlich Nutzerdaten – was auch sonst. Im Idealfall können Transaktionsdaten, Einnahmen und Ausgaben eines Nutzers ziemlich viel über sein Leben verraten, also ähnlich tiefe Details, wie sie auch der Social Graph von Facebook oder Instagram in sich trägt. Amazons Erfolg beruht zu einem guten Teil darauf, dass es die Kauf- und Suchhistorie seiner Nutzer kennt und ständig berechnen kann, was nachgefragt und gekauft wird. Klarna hat 90 Millionen Konsumenten und 200.000 Händler angeschlossen – mittlerweile also eine ordentliche Daten-Drehscheibe, aus der sich viel über Vorlieben von Menschen herausfinden lässt.

Mit der Ant Group im Rücken

In der Fintech-Branche gibt es bereits einen, nicht unbedingt bescheidenen, Begriff für solche umfassenden Dienste, die Payment im Kern haben: Super-Apps. Aufgetaucht ist der Begriff im Zuge des Aufstiegs von WeChat – jener chinesischen App, die mehr als eine Milliarde Menschen benutzen, um mit ihr nahezu alles vom Begleichen der Restaurantrechnung bis zum Privat-Chat zu erledigen, wofür Europäer noch zehn verschiedene Dienste verwenden. Auch AliPay, die zweite große Payment-App aus China, entwickelt sich mit angeschlossenen Kredit-, Vermögensberatungs- und Banking-Diensten in diese Richtung. Die AliPay-Mutter Ant Group ist nicht umsonst zum Investor und Partner von Klarna geworden.

„Super-Apps gehören nach wie vor zu den Top-Trends im Mobile-Bereich. Asien hat die Super-App über große Namen wie WeChat und KakaoTalk groß gemacht, aber andere Regionen holen auf“, heißt es im neuen Mobile Finance Report 2020, den Adjust und Apptopia gemeinsam veröffentlicht haben. Auch die Challenger-Bank Revolut zählt mit seinem wachsenden Angebot (Kryptowährungen, Edelmetalle, Aktien usw.) zu den künftigen Super-Apps im Fintech-Bereich. Und auch Unternehmensberater KPMG mahnte Banken in Europa bereits eindringlich, sich die Super-Apps genau anzusehen. Es gebe aber noch Chancen: „In Märkten, in denen sich noch keine marktführende Super-App entwickelt hat, haben die Banken noch Zeit und Gelegenheit, die Führung zu übernehmen.“

Heißt also: Am Ende muss Klarna möglichst viele Menschen dazu bringen, sich die App zu installieren und sich die Kreditkarte zu bestellen – dann laufen nicht nur Zahlungen über die eigene App, sondern auch in jenen Shops, die Klarna nicht integriert haben, über die Firma. Testimonials wie Snoop Dogg und Lady Gaga rühren die Werbetrommel für die junge Marke. Und wenn das schwedische Fintech es auch noch schafft, die Verluste (im ersten Halbjahr 2020 etwa 50 Millionen Euro) zu minimieren, dann darf man sie wirklich als Super-App bezeichnen.

+++ Klarna: Wie das europäische Fintech Amazon geknackt hat +++

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