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kiweno: Tiroler Start-up verkauft Selbsttest für Unverträglichkeiten bei Nahrungsmitteln

Gründerin Bianca Gfrei, umringt von Team und Investoren. © kiweno
Gründerin Bianca Gfrei, umringt von Team und Investoren. © kiweno

Auf etwa 40 Prozent schätzt Dr. Roland Fuschelberger, medizinischer Leiter des Tiroler Start-ups kiweno, den Anteil der Bevölkerung, die mit Lebensmittelunverträglichkeiten zu kämpfen haben – ein potenziell großer Markt also für die Jungfirma, die in etwa zwei Wochen damit beginnen wird, Selbsttests via Online-Shop und Partner-Apotheken in Österreich anzubieten. Konsumenten können sich das kleine Päckchen bestellen bzw. kaufen, schicken in einem enthaltenen Teströhrchen eine winzige Blutprobe an kiweno und erhalten eine Datenauswertung innerhalb von fünf Werktagen (Kostenpunkt: ca. 100 Euro).

Im zugehörigen Online-Portal (es soll in zwei Wochen launchen) können die Kunden dann ihre Daten abrufen. Getestet werden dabei Unverträglichkeiten von 70 Nahrungsmitteln (Achtung: es handelt sich nicht um einen Allergietest). Getestet wird unter anderem auf Gluten, Milcheiweiß, verschiedene Gemüse, Obst, Nüsse und Samen. Das Online-Portal soll dem Nutzer dann nicht nur zeigen, von welchen Lebensmitteln er besser die Finger lassen sollte, sondern etwa auch, wie er die Produkte durch andere ersetzen kann.

Gründung aus eigener Betroffenheit

Gfrei, das hört man von Gründern des Öfteren, hat das Start-up „aus eigener Betroffenheit“ ins Leben gerufen. Sie sei selbst Laktose- und Gluten-intolerant und hätte festgestellt, dass Tests beim Arzt mühsam und teuer seien. Mit dem Selbsttests würde man es Menschen einfacher machen, sich mit ihren Unverträglichkeiten direkt auseinanderzusetzen, zudem sei der Test deutlich billiger als herkömmlich Tests, die oft zwischen 300 und 400 Euro kosten. Einen Arztbesuch z.B. bei Magenbeschwerden will kiweno nicht ersetzen, weil die Beschwerden ja auch andere Gründe haben können.

Die Business Angels Hansi Hansmann und Rudolf Semrad (ehemaliger CEO der Swatch Group Österreich) haben sich eigenen Angaben zufolge mit einem „mittleren sechsstelligen“ Betrag an kiweno beteiligt und dafür rund 20 Prozent Firmenanteile bekommen – demnach hält das Start-up bereits bei einer niedrigen Millionenbewertung. Das Interesse am Produkt sei bereits da, es gäbe auf der Webseite bereits „mehrere hundert“ Vorbestellungen, so Gfrei. Wie viele Selbsttests man im ersten Geschäftsjahr verkaufen will, wollte Gfrei nicht verraten, konkrete interne Ziele gäbe es aber natürlich.

Datenschutz und Datenweitergabe

Prinzipiell will sich kiweno gründlich um die Sicherheit der sensiblen Gesundheitsdaten der User kümmern. Das deutsche Labor, dass die Auswertungen macht, schickt die Daten verschlüsselt über Server an kiweno, dass diese dann dem Kunden über das Online-Portal zugänglich macht. An Drittparteien würden die Daten vorerst nicht weitergegeben werden.

In einem Ausbauschritt sie aber denkbar, dass man die Daten anonymisiert der Forschung zugänglich machen könnte, so Investor Hansmann. Vorerst gilt es für kiweno aber, eine relevante Masse an Kunden zu erreichen. Diesen will man die Möglichkeit bieten, die eigenen Daten mit anderen Betroffenen über die Plattform zu vergleichen und mit Gamification-Funktionen zur Ernährungsumstellung motivieren.

Außerdem könnten in dem Online-Shop auch komplementäre Produkte zu den Selbsttests angeboten werden, etwa Nahrungsergänzungs- oder Nahrungsersatzmittel. Das Marktpotenzial für die kiweno-Produkte erscheint groß, immerhin findet sit einiger Zeit ein regelrechter Hype rund um richtige Ernährung statt. Demnach, so folgert Hansmann, wären auch Menschen ohne Lebensmittelunverträglichkeiten potenzielle Kunden, weil auch diese sich selbst testen möchten.

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