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KIVU Technologies: Wiener Startup lässt Behörden nach Terrorpropaganda im Netz forschen

Das Team von KIVU Technologies. © Andreas Penkler/KIVU Technologies
Das Team von KIVU Technologies. © Andreas Penkler/KIVU Technologies

Es sind satte 1,8 Millionen Euro, die das Wiener Startup KIVU Technologies kürzlich vom aws Gründerfonds, der Venture-Capital-Gesellschaft btov Partners und dem österreichischen Startup-Fonds Apex Ventures (mehr dazu hier) erhalten hat. Ordentlich viel Geld also für ein Startup, dass noch gar nicht am Markt ist. Spannend für die Investoren ist aber Folgendes: Das Team um die Robert Wesley, Jan van Oort und Christian Weichselbaum hat eine Technologie entwickelt, mit der Ermittlungsbehörden nach Terrorpropaganda im Netz fahnden können. Das Ziel: die Verhinderung von Online-Radikalisierung.

“Social Media wird von Terrororganisationen viel besser beherrscht als von Regierungen. Um dieses Problems Herr zu werden, braucht es eine Netzwerk-Lösung“, sagt Mitgründer Weichselbaum zu Trending Topics. KIVU Technologies baut deswegen eine Graph-Datenbank, mit der Analysten in Ermittlungsbehörden jene Knotenpunkte aufspüren können, von denen aus Propaganda im Netz verbreitet werden. Neben Social-Media-Accounts auf Twitter oder Facebook können das auch Webseiten sein. Wer zu den (potenziellen) Kunden gehört, will KIVU nicht verraten, die wären alle eher „scheu“, was Öffentlichkeit angeht.

Europäische Variante von Palantir?

Das Besondere der KIVU-Datenbank: Sie soll bis zu 100 Mal schneller als andere Datenbanken für ähnliche Zwecke sein. Auf der Datenbank laufen zusätzlich Machine-Learning- und Natural-Language-Processing (NLP)-Technologien, mit denen die Stimmungsmache klassifiziert werden kann. “Wir bieten ein Werkzeug, um diese Propaganda aufzuspüren und zu analysieren. Wir helfen den Analysten, die Nadel im Heuhaufen zu finden”, sagt Weichselbaum. Und betont: “Wir bieten nur das Werkzeug an, die Einschätzung, was gesetzwidrig ist, entscheidet immer noch ein Mensch in der Behörde.”

Mit dem Tool ist KIVU in einem ähnlichen Markt wie Palantir Technologies aus dem Silicon Valley unterwegs. Der Daten-Analyse-Software der Firma wird nachgesagt, von Anti-Terror-Analysten, FBI oder NSA eingesetzt zu werden. Im Unterschied zu Palantir ist KIVU Technologies aber nicht von Geheimdienstinvestoren (In-Q-Tel hat bei Palantir investiert) unterstützt und will sich durch den Standort in Österreich unterscheiden. Ein besonderes Anliegen: die Privatspähre des Normalbürgers.

Alternative zur Massenüberwachung

“Wir sind eine Alternative zur Massenüberwachung. Leute wie du und ich kommen in der Analyse gar nicht vor”, sagt Weichselbaum. Einfach sämtliche Inhaltsdaten wie die NSA zu sammeln, wäre sinnlos, „dann sieht man die relevanten Sachen nicht mehr und macht man die Polizeiaufgaben unmöglich.” Seine Software hingegen ermögliche es, gezielt Akteure zu überwachen (z.B. bekannte Terrorverdächtige), anstatt die gesamte Bevölkerung zu screenen. Auch könne die Datenbank relativ schnell unbedarfte Personen ausfiltern, etwa Journalisten, die recherchieren, aber nichts mit den Quellen der Propaganda zu tun haben.

Die Idee zu KIVU hatte ursprünglich Mitgründer Robert Wesley, der früher für die Atomenergiebehörde arbeitete und den Schmuggel von Nuklearwaffen analysierte. Die Propaganda, die die Terrorgruppe ISIS im Netz streute, bewegte ihn dazu, eine Software-Lösung zum Aufspüren zu entwerfen. Die Investoren sehen die Anwendbarkeit der Datenbank auf andere Wirtschaftsbereiche als großes Potenzial, erwartet wird auch, dass KIVU einen Beitrag für die weitere Entwicklung von künstlicher Datenintelligenz leisten kann.

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