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Kaufhaus Österreich löst gemischte Reaktionen aus

© Wirtschaftskammer
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Es wird noch etwas Arbeit sein, bis das Kaufhaus Österreich bei Google an erster Stelle zu finden ist – noch ist die Webseite der neuen E-Commerce-Initiative von Wirtschaftskammer und Digitalisierungsministerium auf den hinteren Plätzen der Google-Ergebnisse zu finden. Doch wenn der Plan aufgeht, dann könnte das neue Kaufhaus Österreich zusätzlichen kostenlosen Traffic zu den Online-Shops und -Marktplätzen von österreichischen Firmen weiterleiten. Ab morgen soll jedenfalls eine groß angelegte TV- und Social-Media-Kampagne die Aufmerksamkeit der Konsumenten auf das Angebot lenken.

Das neue Angebot wird von unterschiedlich angenommen. Etwa 1.000 Shop-Betreiber sowie neun Online-Marktplätze haben sich mitsamt Bildern und Beschreibungstexten listen lassen. Ein Algorithmus sorgt dafür, dass alle gelisteten Shops im gleichen Ausmaß auf der Startseite präsentiert werden. In erster Linie geht es darum, dass die Shop-Anbieter präsentiert werden, einzelne Produkte lassen sich über die Suchfunktion noch nicht finden.

Andere Plattformen funktionieren ähnlich

Der Handelsverband begrüßt die Initiative prinzipiell, verweist aber auch gleich darauf, dass es bereits einige sehr ähnliche Online-Plattformen gibt. „Ein durchaus positives Signal, wenngleich zahlreiche privatwirtschaftliche Plattformen, die ähnlich funktionieren, bereits seit März online sind – etwa die Onlineshop-Fibel der Wochenzeitung Falter, die Suchmaschine anna-kauft oder die Ladenliste der Aktivistin Nunu Kaller“, heißt es seitens Handelsverband zum Kaufhaus Österreich. Und: Der Handelsverband hat selbst bereits ein sehr ähnliches Angebot im Netz – mit mittlerweile 5.000 gelisteten Händlern und wöchentlich bis zu 100.000 Aufrufen sowie gezielte Produktsuchen, wie betont wird.

Frustriert“ zeigt sich die eben erwähnte Nunu Kaller, die selbst bereits vor vielen Monaten auf eigene Faust eine solche Ladenliste gestartet hat. „Ich verstehe alle HändlerInnen, die sich da jetzt listen lassen, weil momentan vor allem für viele kleinere Unternehmen einfach jeder Strohhalm zählt. Und all die Bewerbung, die geplant ist, wird sich auch rechnen. Aber fragt euch mal bitte, ob das Geld, das vom Ministerium für diese Aktion jetzt ausgegeben wird, nicht besser in einer direkten Förderung bei euch aufgehoben wäre“, schreibt sie.

„Aber hey, wir haben eine neue Metaplattform – wow! Der Falter und ich haben damit unabhängig voneinander an Tag 1 des ersten Lockdowns begonnen. Österreichs Politik reagiert ein Dreivierteljahr später, wo es im Grunde nur noch für ein paar Monate wirklich relevant ist und hoffentlich bald nur noch ein Add-on sein wird, weil der stationäre Handel sich hoffentlich bis zu einem gewissen Grad erholen wird.“ Wie auch der Handelsverband betont Kaller, dass erst neun Monate nach dem ersten Lockdown im März nun Kaufhaus Österreich online geht.

Zufrieden mit den Zugriffszahlen

Wie Kaller und andere ist auch das junge Startup Shöpy von Christian Pittner eingeladen worden, Feedback zum Kaufhaus Österreich zu geben. „Da es in den Augen der meisten Marktplatzbetreiber bessere Methoden gibt, um die Digitalisierung in Österreich zu fördern, haben wir unsere Sichtweise und konstruktive Verbesserungsideen eingebracht. Wir von Shöpy haben natürlich die letzten Monate gespannt gewartet, ob diese Inputs übernommen wurden. Als wir die ersten Infos bekamen, wurde aus unserer Sicht nur wenig geändert“, so Pittner, dessen Online-Marktplatz für Startup-Produkte auf Kaufhaus Österreich gelistet wurde.

„Ich möchte aber festhalten, dass ich nicht vorschnell eine Meinung bilden will und gespannt bin, wie sich das Projekt entwickelt. Es ist der erste wichtige Schritt, Maßnahmen zu setzen, um die Digitalisierung und die österreichische Wirtschaft zu fördern. Anhand unserer Zugriffszahlen sind wir mit dem Start dennoch zufrieden.“

Der Start is nun erfolgt, in Folge geht es darum, die neue Plattform weiter wachsen zu lassen. „Mit dem Kaufhaus Österreich wird von Wirtschaftsministerium eine gute Initiative gesetzt, um österreichischen Unternehmen die Bedeutung von E-Commerce sowie Onlinehandel nahe zu bringen“, sagt etwa der E-Commerce-Experte Stephan Grad vom Beratungsunternehmen A-Commerce. „Diese Plattform kann ein guter erster Einstieg sein um die Grundlagen kennenzulernen, muss aber auch in der Zukunft regelmässig mit qualitativem Content befüllt werden. Jede qualitativ hochwertige Initiative zur Stärkung der inländischen E-Commerce Branche ist klar zu befürworten.“

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