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Jungunternehmer geben Bundesregierung schlechte Noten für Wirtschaftspolitik

Amelie Groß, Unternehmerin und Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft. © WKO
Amelie Groß, Unternehmerin und Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft. © WKO

Zum Jahresbeginn waren es noch zwei Drittel der österreichischen Jungunternehmer, die den Ausgang der Nationalratswahlen als positiv für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in ihrer Branche bewertet haben. Ein halbes Jahr später hat sich das Bild gedreht. Mit Mitte 2018 sind es nur mehr 34 Prozent, die denken dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der laufenden Legislaturperiode verbessern (9 Prozent „Auf jeden Fall“, 25 Prozent „Eher schon“).

Große Skepsis

Diese Einschätzung der Regierungspolitik geht aus einer Umfrage der Junge Wirtschaft unter rund 1.400 Jungunternehmern hervor, die die Interessenvertretung Junge Wirtschaft der WKO vom market-Institut durchführen ließ. Der Studie zufolge glauben mittlerweile rund 50 Prozent der Befragten („Eher weniger“ mit 31 Prozent oder „Sicher nicht“ mit 19 Prozent) nicht an eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unter der aktuellen Regierung – und das, obwohl die ÖVP/FPÖ-Koalition eigentlich als wirtschaftsfreundlich gilt und zuletzt etwa den 12-Stunden-Tag (mehr dazu hier) beschlossen hat. Weggefallen ist allerdings der Beschäftigungsbonus.

„Die Vorschusslorbeeren an die Bundesregierung wurden bisher nicht eingelöst“, heißt es in einer Zusammenfassung der Studie seitens der Jungen Wirtschaft. „Die Regierung wird hoffentlich die wichtigsten bürokratischen Hürden abbauen, um der bestehenden Skepsis unter den jungen Selbstständigen entgegenzuwirken und letztlich den abflachenden Optimismus wieder anfeuern“, so Amelie Groß, Unternehmerin und Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft. Die Junge Wirtschaft versteht sich als Lobby für 120.000 junge Unternehmer zwischen 18 und 40 Jahren in ganz Österreich und zählt eigenen Angaben zufolge über 37.000 aktive Mitglieder.

Abflachung des Optimismus

Insgesamt ist die Stimmung unter Österreichs Jungunternehmern aber weitgehend positiv. Knapp zwei Drittel der Befragten glauben an eine positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung Österreichs – das sind allerdings acht Prozent weniger als noch bei der letzten Umfrage vor einem halben Jahr. Dazu kommenden folgende Entwicklungen:

  • 55 Prozent der jungen Unternehmer sehen keinen Anstieg im Kaufverhalten der Kunden. Das sind 15 Prozent mehr als zu Jahresbeginn
  • 92 Prozent der Befragten planen, ihre Verkaufspreise entweder gleich zu halten (56%) oder zu steigern (36%)
  • 81 Prozent gehen von einer Steigerung (34%) oder Beibehaltung (47%) ihrer Erträge aus
  • Die Investitionsbereitschaft steigt zum ersten Mal seit 2015 nicht an, nur ein knappes Drittel der Jungunternehmer will die Investitionen im nächsten halben Jahr erhöhen
  • Nur noch 11 Prozent (-2 Prozent) glauben, von den Banken bei ihren Investitionsvorhaben ausreichend Unterstützung zu erhalten
  • Die Bereitschaft, neue Angestellte aufzunehmen, sinkt – nur 30 Prozent planen oder planen eher neues Personal einzustellen

„All das zeigt: Es gib ein Abflachen des Optimismus. Wichtig ist es jetzt entgegenzuhalten und besonders im Finanzierungsbereich neue Möglichkeiten zu schaffen, damit die jungen Selbstständigen ihre Potentiale voll ausschöpfen können“, so Groß weiter. Die Junge Wirtschaft fordert deswegen (wie bisher) eine Senkung der Abgabenquote auf 40 Prozent und der Körperschaftsteuer auf 20 Prozent, eine bürokratische Entlastung (z.B. durch ein gemeinsames Verfahrensrecht für Steuer und Sozialversicherung und eine Einhebung aller Abgaben durch eine Stelle), einen Beteiligungsfreibetrag in der Höhe von 100.000 Euro für private Investitionen die Bekämpfung des Fachkräftemangels (z.B. durch eine Förderung des Interesses an MINT-Fächern bei Schülern).

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