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Junge Wirtschaft zu Regierungsprogramm: „Wir sehen in ganz vielen Dingen einen absoluten Turbo“

Das neue Jahr hat begonnen und die neue Regierung ist angelobt. Da gibt es viel zu analysieren: Die Junge Wirtschaft präsentierte heute in Wien ihr „Stimmungsbarometer der österreichischen JungunternehmernInnen“ und gab eine erste Einschätzung zum neuen Regierungsprogramm ab. Insgesamt zeigt man sich zufrieden, wenngleich sich die JW teilweise konkretere Maßnahmen gewünscht hätte. Bei der JW handelt es sich um eine Interessenvertretung der österreichischen JungunternehmerInnen im Rahmen der Wirtschaftskammer Österreich.

Als Gesprächspartner standen Christiane Holzinger, die Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, und David Pfarrhofer, Vorstand des market-Instituts, zur Verfügung. Das JW-Konjunkturbarometer, also die Stimmungslage bei den JungunternehmernInnen im November und Dezember 2019, war der erste große Themenblock. Zur Methodik: 1.080 UnternehmerInnen wurde online befragt, die Schwankungsbreite der nachfolgenden Zahlen liegt bei +/- 3,04 Prozent.

Die Stimmungslage im Detail

Die erste Frage: „Glaubst du, dass die Konjunktur, also die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Österreichs, steigt, stagniert oder zurückgeht?“. Geht es nach dem JungunternehmerInnen, lässt sich ein grundsätzlich positives Bild ableiten. 34 Prozent sagen, die Konjunktur wird steigen, 42 Prozent glauben, sie stagniert und nur 18 Prozent sind der Meinung, sie würde zurückgehen. Am stärksten sieht der Bank- und Versicherungsbereich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung (61 Prozent), am schlechtesten die Industrie (nur 17 Prozent glauben an einen Anstieg). Im Vergleich zu den Umfragen der Jahre 2018 und 2019 ist die Einschätzung aber ein wenig negativ geworden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Ausgabeverhalten der Kunden: 54 Prozent der Befragten können kein erhöhtes Kaufvolumen feststellen, lediglich 14 Prozent merkten in den letzten Monaten einen Anstieg der Ausgaben seitens der Kunden. Hier ist der Handel recht unzufrieden, aber auch Tourismus und Gewerbe und Handwerk sehen keinen Anstieg. Gut dürfte es den Banken und Versicherungen gehen, 21 Prozent sahen in diesem Sektor in den letzten Monaten einen „ganz starken“ Anstieg der Ausgaben.

Ausgaben und Einnahmen

Die eigene Kostensituation stagniert bei vielen JungunternehmerInnen: 22 Prozent der Befragten glauben, die Kostensituation wird sich verbessern, 51 Prozent glauben, sie bleibt konstant – und 23 Prozent gehen von einer Verschlechterung der eigenen Kostensituation aus. Im Trend der letzten Jahre lässt sich erkennen, dass sich in den letzten Jahren dahingehend wenig geändert hat. 2015 und 2016 waren die Zahlen allerdings noch deutlich schlechter, im Mai 2015 glaubten beispielsweise nur 11 Prozent an eine Verbesserung der eigenen Kostensituation. David Pfarrhofer: „Die JungunternehmerInnen sind bei der Kostensituation sehr entspannt, im Trendvergleich ist nur wenig Änderung spürbar“.

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Sehr optimistisch zeigen sich die Befragten indes bei der Entwicklung der Verkaufspreise. 43 Prozent denken, die Verkaufspreise werden künftig steigen, nur vier Prozent sind der Meinung, sie werden sinken. Das passt zum allgemeinen Trend der letzten Jahre, seit 2015 geht es mit der Einschätzung der Verkaufspreise kontinuierlich bergauf. Die Bereitschaft zu steigenden Preisen liegt laut der JW tendenziell über dem bisherigen Niveau. „Die Jungunternehmer haben eine breite Brust. Sie haben oft gute Produkte und wissen, was sie dafür verlangen können“, führt Pfarrhofer aus. Damit einher geht auch eine positive Einschätzung der Ertragslage. 39 Prozent der Befragten glauben an eine Verbesserung, nur 17 Prozent gehen von Ertragseinbrüchen aus. Auch hier steigt der Optimismus in den letzten Jahren, im Mai 2016 glaubten nur 21 Prozent an eine Verbesserung.

Investitionen und Mitarbeiter

Bei den geplanten Investitionsaktivitäten zeigt sich ein differenziertes Bild: 55 Prozent der Befragten aus dem Banken- und Versicherungsbereich gehen von steigenden Investitionen aus, Industrie (31 Prozent), Tourismus (29 Prozent) oder Gewerbe und Handwerk (33 Prozent) zeigen sich da deutlich vorsichtiger. Im Schnitt geht ein Drittel der JungunternehmerInnen von steigenden Investitionen aus. David Pfarrholzer ist dennoch guter Dinge: „Flaut die Konjunktur ab, ist es wichtig, aktiv zu sein und zu investieren“. Im Trend der letzten Jahre geht die Investionsbereitschaft tatsächlich leicht bergauf, im Mai 2016 lag die Quote bei lediglich 22 Prozent.

Fehlt noch der Arbeitsmarkt. 21 Prozent der 1.080 Befragten planen die Einstellung von weiteren Mitarbeitern, 44 Prozent haben das nicht vor. Je größer das Unternehmen, umso sicherer werden neue Mitarbeiter eingestellt: 49 Prozent der Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern planen weitere Einstellungen, bei kleinen Unternehmen mit maximal fünf Mitarbeitern liegt die Quote bei 26 Prozent. Vor allem die Industrie sticht hier hervor, 45 Prozent der Befragten aus diesem Bereich wollen neue Mitarbeiter finden. Der Trend der letzten Jahre schwankt nur sehr wenig, wenngleich laut David Pfarrholzer etwas mehr Vorsicht spürbar ist als in den letzten Monaten.

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Forderungen an die Bundesregierung

An die neue Bundesregierung hat die Junge Wirtschaft klare Erwartungen. Vor allem steuerliche Senkungen sieht die JW als unumgänglich, die geplante steuerliche Entlastung würde man laut Christiane Holzinger „sehr begrüßen“. Das gilt auch für die Senkung der Lohnnebenkosten und die Tarifsenkung bei Lohnsteuer und Einkommenssteuer, ebenso für die geringere KÖSt und den Beteiligungsfreibetrag bis 100.00 Euro. Bei der KÖSt habe man sich allerdings eine Senkung auf 19 % gewünscht. Dennoch: „Wir sehen in ganz vielen Dingen einen absoluten Turbo“, die Interessensvertretung sei positiv gestimmt. Mit der neuen Regierung will man laut Holzinger intensiv zusammenarbeiten.

Verbesserungspotenzial gebe es noch in vielen Punkten. So fordert Holzinger, dass der Standort Österreich attraktiver werden müsse und zeigt sich auch mit den Vorhaben im Bereich Digitalisierung und KI nicht gänzlich zufrieden. „Wir lassen beim Thema KI nicht locker“, erklärt Holziger, „der Masterplan muss umgesetzt werden“. Man habe ein fertiges KI-Programm, dass man der Regierung zur Verfügung stellen wolle. Das Regierungsprogramm sei in diesem Bereich zu ungenau, „vor allem, was die wirtschaftliche Nutzung betrifft“. Außerdem brauche man mehr Formate, um „Mitarbeiter im Inland strategisch auszubilden“ und zusätzliches Risikokapital, um zielgerichtet investieren zu können.

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Kritik an Digitalisierung und Pensionen

Schwächen macht die JW außerdem im Bereich Pensionen aus. „Wir können keine Reform erkennen“, erklärt Holzinger. Langfristige Maßnahmen würden fehlen, die private Pensionsvorsorge müsse eine größere Rolle spielen. Außerdem will die Junge Wirtschaft eine Einschränkung der Frühpensionen und ein höheres Pensionsantrittsalter. Neue Steuern sollen vermieden werden, beispielsweise für CO2. Das ist für Christiane Holzinger kontraproduktiv: „Die JW steht für überhaupt keine neuen Steuern. Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die Ökologisierung in der Steuerreform“. Was die Progression betrifft, fehlen klare Antworten. Holzinger: „Klar, es gehört mehr netto vom brutto her“. Die JW sei mit Nachdruck beim Finanzamt dran, nähere Infos gibt es dazu aber nicht.

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