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Joysys: Das skurrile Ende eines österreichischen MedTechs

Finger-Sensor VivaVita sollte Blutdruck ohne Manschette messen können. © Joysys
Finger-Sensor VivaVita sollte Blutdruck ohne Manschette messen können. © Joysys

Die weltweit genauesten Messgeräte zur Herzratenvaria­bilität (HRV) wollten sie groß machen – doch jetzt ist das Unternehmen am Ende angelangt. Das MedTech Joysys aus Weiz in der Steiermark musste vor kurzem Konkurs anmelden und wurde schließlich geschlossen. Gegründet wurde die Firma von Thomas Hassler, die Messung des Blutdrucks unterwegs mit mobilen Health-Monitoren so einfach wie möglich zu machen und einen Beitrag zur Vorsorgemedizin zu leisten. Hassler gründete Joysys gemeinsam mit Maximilian Moser als Spin-off des Human Research Instituts (HRI).

Mehr Ressourcen notwendig als geplant

Mitte Jänner 2019 wurde auf Beschluss des Landesgerichts Graz der Konkurs eröffnet, am 3. Februar ist die Schließung des Unternehmens angeordnet worden. Grund für die Schließung soll laut Kleine Zeitung ein starker Umsatzeinbruch ab 2017 gewesen sein, der das Weizer Unternehmen Joysys schließlich leider zum Aufhören zwang. Seit mehreren Jahren gibt es immer mehr Wearables – in erster Linie Smartwatches wie die Apple Watch -, die mit eingebauten EKG-Messgeräten vor Vorhofflimmern warnen können. Am Konsumentenmarkt dürfte es Joysys schwer gehabt haben. Betroffen vom Aus der Firma sind acht Dienstnehmer und 15 Gläubiger.

Die Idee, etwa ein „ChronoCord“ getauftes Gerät auf den Markt zu bringen, das mit einem Sensor und Brustgurt die Herzschläge rund um die Uhr messen und die Daten an eine zugehörige App überträgt, fruchtete offenbar nicht. Auch mit einem 2019 präsentierten Gerät namens „VivaVita“, das mit einem Fingersensor herzrelevante Parameter erfassen können sollte, konnte man das Ruder nicht herum reißen. „Wir haben Anfragen von so ziemlich allen großen Herstellern, die diese Technologie in ihren Devices einsetzen möchten“, meinte CEO Hassler noch 2019 zu den Chancen des Geräts am B2B-Markt. VivaVita wurde mit Biosensoren des steirischen Unternehmens ams AG entwickelt. Das Gerät in der Größe einer Streichholzschachtel sollte Manschetten zum Blutdruckmessen ersetzen können.

Esoterisch angehaucht

Die Überschuldung beträgt laut Kleine Zeitung rund 300.000 Euro. Der schwankende Markt für Medizintechnik führt das Unternehmen als Ursache für Pleite an. Wegen der hohen Spezialisierung der Produkte habe man nicht rechtzeitig auf Marktveränderungen reagieren können, zur Fertigstellung und Zertifizierung von entwickelten Produkten seien höhere Ressourcen nötig gewesen als veranschlagt, heißt es gegenüber der Kleinen Zeitung. Nun wird versucht, verbleidende Assets in der Firma (z.B. entwickelte Technologien) zu verkaufen.

Zuletzt wurde es einigermaßen skurril: Im eigenen Online-Shop versuchte die Firma Produkte von Partnerunternehmen zu verkaufen. Neben den eigenen Geräten sowie Büchern zum Thema Chronobiologie wurden auch Lavendelöle, Zirben-Armbänder oder Früchtetees feilgeboten, damit Kunden bei eventuellen gemessenen Unregelmäßigkeiten des Herzens „mit sanften Mitteln entgegenwirken“ können. Die Unternehmen, ein Teehaus und ein Hersteller von Zirbenschmuckstücken, wurden noch Ende 2019, Anfang 2020 als Partner im Blog und auf Social Media von Joysys präsentiert. Kurz danach begann dann das Konkursverfahren.

Der Online-Shop von Joysys. @ Screenshot
Der Online-Shop von Joysys. @ Screenshot

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