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Wir haben gerade beim Blitz-Lieferdienst Jokr bestellt. Der Bote brauchte sportliche 8 Minuten.

Jokr-Bote in Wien. © Tobias Fittner
Jokr-Bote in Wien. © Tobias Fittner

12:49 Uhr. Wir klicken auf „Bestellen“, und irgendwo in Wien macht sich ein Fahrradbote auf seinen Weg. Irgendwo in Wien ist gut gesagt, denn eigentlich muss der Jokr-Lieferant gleich bei uns in der Nähe, im neunten Bezirk, stationiert sein. Denn um 12:57 Uhr steht der Bote vor dem Trending Topics-Büro und hält uns ein Sackerl mit der bestellten Ware entgegen. Knabbereien, Drinks, Obst, Snacks, geliefert in 8 Minuten. So schnell wären wir nicht einmal gewesen, wenn jemand von uns zum nächsten Supermarkt gelaufen wäre. Die Getränke sind sogar gekühlt, was will man mehr?

„Ja, ich fahre ziemlich schnell Fahrrad“, sagt der Bote, nimmt sich noch Zeit für ein schnelles Foto-Shooting, und braust dann wieder weiter, vermutlich zum nächsten Kundenauftrag. Dass er sportlich ist und ordentlich in die Pedale tritt, ist sicher ein Teil des Tricks. Der andere Teil des Trick: Blitz-Lieferdienste wie Jokr, die sich derzeit in Europa ausbreiten wie vor wenigen Jahren die E-Scooter-Startups, bauen auf Mikro-Hubs – also dezentralisierte Lagerstätten, wo sie das Sortiment lagern und von dort Fahrradboten abholen und dann zustellen lassen. Als Kunde braucht man lediglich die Smartphone-App und eine Kredit- oder Debitkarte (Apple Pay und Co funktionieren noch nicht bei Jokr), und schon kann man bestellen.

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Dezentrale Mikro-Hubs als Zwischenlager

Jokr ist der erste Blitz-Lieferdienst, der in Wien gestartet ist und Supermärkten Konkurrenz machen will. Das eigene Versprechen, in 15 Minuten zu liefern, hat er in unserem Test unterboten, und zwar deutlich – 8 Minuten Lieferzeit, das ist schon ziemlich sportlich. Unsere Vermutung: Der Lagerraum, von dem aus die Ware versandt wird, muss ziemlich in der Nähe sein. Die Auswahl ist zwar bei weitem nicht so groß wie im Supermarkt, aber die Basics (Obst, Gemüse, Drinks, Eier, Milchprodukte, Wurst, Brot, Haustierfutter, Drogeriewaren etc.) findet man. Quasi so wie am Land beim kleinen Greißler. Bestellen kann man so viel, wie der Bote in seinen Rucksack bringt.

De Jokr-App. © Tobias Fittner
De Jokr-App. © Tobias Fittner

Jokr ist eines von mehreren Startups, die den Trend der Blitzlieferdienste aus der Türkei (Getir) und den USA (GoPuff) dieses Jahr nach Europa bringen. Das Startup mit Hauptsitz in New York ist in neun Städten aktiv – darunter Mexiko City, Sao Paulo, Warschau und eben Wien. Derzeit werden die Bezirke 1 bis 9 beliefert, Mit Ende Juli soll das Liefergebiet dann auch die ganze Hauptstadt ausgeweitet werden. Mit einem frischen Investment von 170 Millionen Dollar Kapital (von GGV Capital, Balderton Capital und Tiger Global) wird die Expansion wohl schnell voranschreiten.

Die Konkurrenz schläft aber nicht. Denn Jokr aus den USA wird vermutlich früher als später auch in Wien Mitbewerb bekommen. Wie bereits berichtet, plant der Berliner Lieferdienst Gorillas ebenfalls den Marktstart in der österreichischen Hauptstadt, und auch andere Online-Liefer-Services lassen ihre Fahrradboten nicht mehr nur Pizza und Co, sondern auch Waren des täglichen Bedarfs zustellen. Der Wettbewerb wird sich bald verschärfen – und unser sportlicher Fahrradbote auch weiterhin fest in die Pedale treten.

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