Gastbeitrag

Johanna Schober von Sproing: „Nach Österreich geholtes Fachpersonal keine Konkurrenz für lokale Talente“

Johanna Schober, COO der Wiener Game-Firma Sproing. © Sproing
Johanna Schober, COO der Wiener Game-Firma Sproing. © Sproing

Die Bundesregierung will im Rahmen der „Digital Roadmap“ Österreich zum Innovations-Leader in Europa machen und die Digitalisierung nutzen, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Im Rahmen einer Online-Diskussion sind alle Bürger bis 13. März gefragt, sich mit ihren Vorschlägen einzubringen. Vertreter der österreichischen Start-up-Szene veröffentlichen hier ihre Ideen – heute ist Johanna Schober, COO des österreichischen Videospielentwicklers Sproing, an der Reihe:

Die Digital Roadmap ist eine gute Initiative, um den Willen zu signalisieren, international wieder an Boden zu gewinnen. Oft wird die Diskussion auf Start-ups fokussiert – dabei wird vergessen, dass sich Firmen schon lange trotz suboptimaler Umstände in zukunftsorientierten Märkten versuchen und bestehen. Sproing feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Bestehen und misst sich seit der Gründung mit der wachsenden internationalen Konkurrenz im Bereich Computer- und Videospiele.

Leerstellen in der Digital Roadmap

Ein paar Punkte, die es aus unserer Sicht unbedingt zu verbessern gilt, um auch weiterhin „mitspielen“ zu können.

  • Die Problematik der Rot-Weiß-Rot-Karte wurde ja bereits von Christoph Jeschke in einem Kommentar angesprochen. Fachpersonal aus dem Nicht-EU-Ausland anzuwerben ist ein unendlicher Kampf gegen die heimische Bürokratie, oft mit einem unbefriedigenden Ergebnis. Nicht selten dauert dieser Kampf sechs Monate, um am Ende doch an der Geduld des Bewerbers oder der Bürokratie selbst zu scheitern – denn am Beginn des Prozesses lässt sich nicht abschätzen, wie lange es zur Entscheidung braucht.
  • Zum Verständnis: Aus dem Ausland nach Österreich geholtes Fachpersonal steht nicht in Konkurrenz zu lokalen Talenten – das Gegenteil ist der Fall, denn erfahrene ExpertInnen tragen viel zur Ausbildung und zum Mentoring von lokalen Berufseinsteigern bei. Von diesem Austausch profitiert Österreich enorm. Es gibt in Österreich eine Reihe von Ausbildungsstätten, die sehr verlässlich und auf hohem Niveau AbsolventInnen für unsere Branche ausbilden. Diese Ausbildungsstätten verdienen Planungssicherheit und gute Ressourcenausstattung – wir sehen es nicht als Aufgabe von Unternehmen, zusätzlich Fachhochschulen und Universitäten mitzufinanzieren.
  • Während in vielen Ländern weltweit schon längst die Wichtigkeit und das permanente Wachstum der Gaming-Branche als Chance erkannt wurde, hinkt Österreich in Bezug auf Finanzierung und Förderung hinterher. Förderungen sind ein komplexes Thema und in Österreich gibt es tatsächlich einige, die dabei ansetzen, die vergleichsweise Unterversorgung mit privaten Finanzierungsformen auszugleichen. Wichtig wäre es aber, nicht nur bei der Gründung einer Firma zur Seite zu stehen, sondern auch gezielt Wachstumsbranchen so zu unterstützen, dass das Ansiedeln und das Verbleiben in diesem Land attraktiv wird und bleibt. Egal ob Kanada oder Skandinavien, es gibt mittlerweile nicht wenige lebenswerte Länder, die sehr gezielt und sehr aggressiv Games-Firmen anlocken – und das sehr erfolgreich (erstes Jahr keine Miete, ein Drittel des Gehalts übernimmt der Staat, usw.). Wenn wir hier nicht bald Strukturen schaffen, die das Überleben und das Wachstum solcher Kreativfirmen sichern, werden nicht viele den Weg nach Österreich schaffen bzw. eher das Heil im Ausland suchen.
  • Gleichzeitig muss es einfacher werden, Menschen Arbeit zu geben. Die bürokratischen Hürden sind sehr abschreckend für JungunternehmerInnen und ein Mühlstein um den Hals aller UnternehmerInnen. Sie senden das falsche Signal an alle, die mit der Idee spielen, ein Unternehmen aufzubauen – dies ist eine auffällige Leerstelle in der Digital Roadmap.

Mühlen mahlen zu langsam

Schon seit Jahren werden diese Anliegen von uns und anderen Firmen wie Wideshot oder Socialspiel an die zuständigen Verantwortlichen kommuniziert, doch drehen sich die Mühlen für die aktuell aktiven Firmen zu langsam. Aber auch wenn uns bewusst ist, dass wir diesen „Kampf“ für bessere Arbeitsbedingungen nicht primär für uns führen, sondern primär für die nächste Generation, dürfen wir nicht aufhören auf diese Hürden, die es noch zu zahlreich gibt, hinzuweisen.

Alle weiteren Gastbeiträge zur Digital Roadmap finden sich hier. Wenn auch du dich mit deinen Ideen für Österreichs Digital Roadmap in Form eines Gastbeitrags einbringen willst, dann schreib eine Mail an feedback@trendingtopics.at.

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