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Studie

Jede zehnte Bank wird in fünf Jahren von Neobanks verdrängt

© AT Kearney

Der Erfolgszug der Neobanken ist nicht mehr aufzuhalten. Revolut, Monzo und die von Österreichern gegründete Digital-Bank N26 sind bei den „Digital Natives“ für klassische Banken eine harte Konkurrenz. Sie arbeiten ohne kostenschwere Filialen und richten sich überwiegend auf Mobilgeräten und Banking als Lifestyle-Plattform aus.

20 Prozent der Europäer werden zu Neobank wechseln

Während in den kommenden fünf Jahren jede zehnte traditionelle Bank schließen muss, werden 50 bis 85 Millionen Europäer zu einer Neobank wechseln, geht aus einer Studie zum Retail-Geschäft europäischer Banken der Beratungsfirma A.T. Kearney hervor. Das würde etwa 20 Prozent der europäischen Bevölkerung über 14 Jahre ausmachen.

„Um im Privatkundengeschäft über 2019 hinaus bestehen zu können, müssen sich traditionelle Banken den vielfältigen, neuen Bankangeboten auf dem Markt stellen“, sagt Daniela Chikova, Partner Financial Service bei A.T. Kearney Österreich.

Kundenbasis von Digital-Banken wuchs um mehr als 15 Millionen

Zwar liegt das erste Konto nach wie vor bei der Hausbank, aber vor allem junge Kunden setzten beim Zweitkonto auf Digital-Banken. Seit 2011 sei die Kundenbasis der Branchenneulinge um mehr als 15 Millionen gewachsen. Vor allem in Frankreich, Deutschland und Großbritannien seien die neuen Finanzinstitute auf dem Vormarsch.

„In Großbritannien werden die Neobanken schon viel als Erstkonto genutzt“, sagt Chikova. Auch in den nordischen Ländern gebe es viele Fintech-Startups, die sehr erfolgreich sind. Dort sei das bargeldlose Bezahlen bereits Normalität. „Wir sehen, dass die traditionellen Banken dadurch Erträge verlieren“, warnt die Partnerin bei A. T. Kearney.

Der Ertrag pro Kunde könnte sich laut der Studie auf 595 Euro pro Kunde verringern. Im Jahr 2018 lag er noch bei 623 Euro. Auch für Österreich stellt Daniela Chikova einen Rückgang von 10 bis 15 Prozent in Aussicht.

Die Hälfte der Europäer geben private Daten weiter

Vor allem die Kostenstruktur dürfte in Zukunft das Privatkundengeschäft belasten. „In den nächsten Jahren werden die Kosten sehr wichtig sein“, sagt Chikova. Während ein Retail-Bankmitarbeiter zwischen 200 bis 1.200 Kunden betreut, kümmern sich Neobanken-Mitarbeiter jeweils um 3.100 bis 4.100 Kunden. Bis zu 50 Prozent der Europäer seien bereit, persönliche Daten weiterzugeben, wenn sie im Gegensatz eine Leistung erhalten, die einen wichtigen Mehrwert für sie habe.

Trotzdem war 2018 nach zehn Jahren Finanz-Flaute „ein ausgesprochen gutes Jahr für die Banken.“ Grund dafür seien vor allem der Rückgang des Risikogeschäfts – ein positiver Effekt der Reformen nach der Finanzkrise. „Österreich ist noch eine Insel der Seligen“, sagt Chikova.

Als eines der wenigen Länder erreichte Österreich mit 7,2 Prozent 2018 ein deutliches Ertragswachstum. In Deutschland steht pro Kunde sogar ein Ertragsminus von 1,3 Prozent zu Buche. Nur Frankreich, Südosteuropa und Frankreich schaffen ein größeres Wachstum.

Empfehlung: Banken sollte KI einsetzen

Empfehlungen der Beratungsfirma sind unter anderem das Einsetzen von Open Banking und künstlicher Intelligenz. Zudem sollte die Kostensenkung beschleunigt werden, und Mitarbeiter müssten neue Kompetenzen erarbeiten. Banken könnten sich zu Lifestyle-Plattformen entwickeln. Das heißt, dass auch Angebote wie Abendessen oder das Taxi über die Bank abgewickelt werden.

Der „Retail Banking Radar“ 2019 der Beratungsfirma A. T. Kearney betrachtete 92 Retailbanken, Bankengruppen und Segmente europäischer Banken in 22 europäischen Märkten. Dabei wurden 635 Millionen Retailbanking-Kunden betrachtet, die in mehr als 106.000 Filialen betreut werden.

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