Channel

People

Alibaba Group

Jack Ma: Peking hat den Internet-Milliardär mundtot gemacht

Alibaba-Gründer Jack Ma. © WTO (CC BY-SA 2.0)
Alibaba-Gründer Jack Ma. © WTO (CC BY-SA 2.0)

Chinesische Banken hätten die „Mentalität von Pfandhäusern“ und würden auf einem „System von Pfändungen und Sicherheiten“ aufbauen. “ Mit diesen und anderen Worten hat Alibaba-Gründer Jack Ma am 24. Oktober bei „Bund Summit“ in Shanghai hochrangigen Vertretern des chinesischen Finanzsystems vorgehalten, keine moderne Regulierung zu ermöglichen und so Innovation zu verunmöglichen.

„It is impossible for the pawnshop mentality of collaterals to support what global development demands of finance over the next 30 years. We must leverage our technological capabilities today and build a credit system based on big data in place of the pawnshop mentality. This credit system should not be based on conventional IT infrastructure or acquaintance societies. It should be based on big data to ensure that credit truly equals wealth. Even a beggar needs to have good credit. Without good credit, it is impossible even to beg for food. I think every beggar does need to have good credit.“ (Auszug aus Ma’s kompletter Rede)

Seither: Funkstille. In den zweieinhalb Monaten bisher wurden statt der geforderten Reformen des Finanzsystems Mas beide großen Unternehmungen, Alibaba Group und das Fintech Ant Group, Ziele dreier großer Angriffe des chinesischen Regimes.

  • Schritt 1: Der Mega-Börsengang von Ant Group, bei dem 34,5 Milliarden Dollar und mehr eingenommen werden sollte (größter IPO aller Zeiten), wird von Peking einfach abgesagt.
  • Schritt 2: Gegen Ma’s Alibaba Group wird ein Kartellverfahren in China eröffnet. Der Vorwurf lautet „monopolistisches Verhalten“; Händler, die über Alibaba verkaufen, würden gezwungen werden, nicht bei den Konkurrenten zu verkaufen.
  • Schritt 3: Ant Group wird von Peking zwar nicht zerschlagen, doch das Unternehmen muss sich möglichst auf sein Kerngeschäft (Mobile Payment via Alipay) konzentrieren und sich notwendige Lizenzen für sein Kreditgeschäft besorgen.

Funkstille seit Oktober 2020

Seit dem 24. Oktober ist Jack Ma, der zu Terminen mit Behörden zitiert wurde, in der Öffentlichkeit nicht mehr aufgetaucht, auch auf Social Media herrscht Funkstille. Zuletzt sagte Ma einen Auftritt bei der TV-Show „Africa’s Business Heroes“ ab, wo er eigentlich in der Jury sitzen wollte, um die Business-Ideen junger Entrepreneure zu bewerten.

Und so wächst die Sorge rund um das Verbleiben des zweit reichsten Mann Chinas, während die Schläge des chinesischen Regimes sein Vermögen schrumpfen lassen – denn mit jeder neuen Information sinkt der Aktienkurs der Alibaba Group ein wenig nach unten. Nach der Eröffnung des Kartellverfahrens gegen die Alibaba Group und die Anordnung der Restrukturierung der Ant Group wurde Ma angewiesen, bis auf weiteres in China zu bleiben.

Ant Group: Chinas größtes Fintech wird vom Regime zerlegt

Peking hat es geschafft, den Medienprofi Ma, der vor vielen Jahren als Englischlehrer während einer USA-Reise aufs Internet-Business kam, mundtot zu machen. Die Rede im Oktober 2020 beim Bund Summit, die er ursprünglich gar nicht halten wollte, gilt als Auslöser für die für seine Unternehmen verheerenden Folgen. Eine Rede wohlgemerkt, die in westlichen Ländern kaum für Aufregung gesorgt hätte. Man stelle sich vor: Jeff Bezos von Amazon der Elon Musk von Tesla kritisieren vor Politikern zu strenge Regulierungen, die Innovation hemmen, und verschwinden dann monatelang von der Bildfläche.

Auf Social Media wird nun spekuliert, dass Man möglicherweise gar von den chinesischen Behörden einkassiert wurde. Belege dafür gibt es keine. Wahrscheinlicher ist, dass er den Ball flach hält und öffentlich erst mal kein zusätzliches Öl ins Feuer schütten will, bis Klarheit in die Sache mit Alibaba und Ant Group gekommen ist.

E-Commerce-Gigant Alibaba wird von Kartellwächtern untersucht

Streitpunkt Kreditwesen

Kern des Problems zwischen Jack Ma und der chinesischen Regierung dürfte das von Ma kritisierte Kreditsystem in China sein („Banken sind Pfandhäuser“). Ant Group ist in den vergangenen Jahren vor allem deswegen so stark gewachsen, weil Konsumenten dort sehr viel einfacher einen Kredit bekommen haben und nur sehr wenig Eigenkapital mitbringen mussten. Millionen wechselten deswegen von staatlichen Banken zu Ant. Diesen Trend versucht Peking nun umzukehren und erschwert dem Fintech das Kreditgeschäft massiv. Nicht ganz zu Unrecht, wie Beobachter meinen, weil bei Ant eine Kreditblase drohte.

Wie auch immer die Angelegenheit ausgeht – Jack Ma ist der bemerkenswerteste chinesische Internet-Unternehmer. Er hat Alibaba mit einem Dutzend Freunden und etwa 70.000 Dollar gegründet, holte dann Goldman Sachs und Softbank als Investoren, drängte mit Hilfe des kostenlosen Portals Taobao und Investor Yahoo eBay aus China zurück und machte mit der Alibaba Group 2014 einen der größten IPOs der Welt.

-> Sehenswerte Dokumentation über Jack Ma

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen

Mehr von Trending Topics