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Israel: Wo die Tech-Riesen mit Milliarden Startup-Shopping machen

Über den Dächern von Tel Aviv. © Photo by Thomas Serer on Unsplash
Über den Dächern von Tel Aviv. © Photo by Thomas Serer on Unsplash

An einem Tag zwei Unternehmer treffen, die Milliarden-Exits geschafft haben – das kann man wohl nur in Israel machen. Der eine, Dov Moran, hat den USB-Stick erfunden, der andere, Uri Levine, die Navigations-App Waze mit gegründet. Doch anstatt sich zurückzulehnen und das schöne Leben zu genießen, sind sie bodenständig geblieben, empfangen die Business-Delegation der Außenwirtschaft Austria der WKÖ und der aws i2 Business Angels freundlich und nehmen sich viel Zeit, um Einblicke in ihre Karrieren zu geben.

Das israelische Startup-Ökosystem hat im Vergleich zu vielen anderen mehrere entscheidende Vorteile: Die Menschen denken stark unternehmerisch, es gibt viel Venture Capital, ein Hightech-Militär mit Spill-over-Effekten – und großes internationale Corporates (Trending Topics berichtete). Rund 350 multinationale Konzerne haben in Israel Offices mit oft tausenden Mitarbeitern eröffnet, um zu entwickeln. Und sie sorgen dafür, dass es in dem kleinen Land Milliarden-Exits am laufenden Band gibt. Hier ein Überblick:

Startup Käufer Kaufsumme Jahr
Mobileye Intel 15,3 Mrd. Dollar 2017
NDS Cisco 5 Mrd. Dollar 2012
Mercury HP 4,5 Mrd. Dollar 2006
Playtika chin. Konsortium 4,4 Mrd. Dollar 2016
Orbotech KLA Tencor 3,4 Mrd. Dollar 2018
Imperva Thomas Bravo 2,1 Mrd. Dollar 2018
Mazor Robotics Medtronic 1,6 Mrd. Dollar 2018
M-Systems SanDisk 1,5 Mrd. Dollar 2006
Waze Google 1,1 Mrd. Dollar 2013
Trusteer IBM 1 Mrd. Dollar 2013
Viber Rakuten 900 Mio. Dollar 2014
Anobit Apple 400-500 Mio. Dollar 2011
CloudEndure Amazon 250 Mio. Dollar 2019

“Auf dem Weg zum Erfolg gab es viele Fails”

Dov Moran, der Erfinder des USB-Sticks, ist einer jener Unternehmer, die einen Milliarden-Exit hingelegt haben. Der Absolvent der israelischen technischen Hochschule Technion hat seine bereits 1989 gegründete Firma M-Systems 2006 um rund 1,5 Milliarden Dollar an SanDisk (gehört mittlerweile Western Digital) verkauft. Die von M-Systems entwickelten Speichertechnologien sind heute wichtige Bestandteile von Flash-Speichern, die in Smartphones, Notebooks oder Tablets verbaut sind.

Vorprogrammiert war der Erfolg nie. “Wir hatten ganz andere Pläne”, sagt Moran heute. Dass die Entwicklungen von M-Systems heute wesentlich für für Flash-Speicher sind, war damals nicht absehbar. “Auf dem Weg zum Erfolg gab es viele Fails”, sagt Moran. Dieses Wissen gibt der 63-Jährige heute gerne an jüngere Unternehmer weiter. So ist Moran etwa Mentor von Mobileye – jenes Unternehmen für autonomes Fahren, das sich Intel 2017 um satte 15,3 Milliarden Dollar schnappte und Israel seinen bisher größten Exit bescherte. Und: Mit Grove Ventures leitet Moran eine eigene Investmentfirma, die mit einem Fonds von 110 Millionen Dollar DeepTech-Startups wie 3DSignals oder Kiralis finanziert. 

“Fails sind enorm wichtig für die Entwicklung”

Dass erfolgreiche Unternehmer nach großen Exits der Branche treu bleiben, ist nicht ungewöhnlich. Uri Levine, einer der drei Gründer der in Israel gegründeten Karten-App Waze, ist ein weiteres Beispiel. Waze wurde 2013 von Google um 1,1 Milliarden Dollar aufgekauft, um den damals schnell wachsenden Konkurrenten von Google Maps dem Rivalen Facebook vor der Nase wegzuschnappen. Heute arbeitet Levine intensiv mit israelischen Startups – darunter etwa SeeTree und Moovit – zusammen, um das nächste potenzielle Unicorn zu bauen.

“Fails sind enorm wichtig für die Entwicklung”, sagt Levine heute. Man müsse ständig Neues ausprobieren, bis ein Startup seinen „Product Market Fit“ erreicht. Oft würden die Annahmen von Gründern, wie Konsumenten ihre Produkte nutzen, einfach nicht stimmen. Nur wer die Daten auswerte und den Service ständig adaptiere, könne das Produkt am Ende in die richtige Richtung drehen. “Die Magie von Waze ist, dass die Fahrer die Karte mitgestalten”, sagt Levine über den Crowdsourcing-Ansatz. “Das Konzept war komplett neu, damals hat keiner daran geglaubt, dass man so Karten bauen kann.”

Nach den USA kommt China

Noch sind es US-Unternehmen, die in Israel das meiste Venture Capital stellen und für die größten Exits sorgen. Doch wie Zahlen des VCs Magma Ventures (der erste Investor von Waze) zeigen, gibt es seit kurzem einen neuen Trend: China drängt ebenfalls in den kleinen Markt. Während die Investments aus Europa über die Jahre relativ konstant bleiben, ist der Anteil, der aus China kommt, auf mittlerweile fast 30 Prozent gewachsen. Der nächste große Exit könnte also bald nicht in die USA gehen, sondern in das Reich der Mitte.

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