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iOS 14: Wenn Apple plötzlich zum Rivalen von Startups wird

© Apple
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Die WWDC, die große Entwickler-Konferenz von Apple, ist für Developer und Startups mit Apps immer auch ein Tag der Wahrheit. Der iKonzern verkündet dann, was mehr als eine Milliarde iOS-Geräte ab Herbst können werden – und das eröffnet zum einen neue Chancen, zum anderen neue Gefahren für kleinere Firmen. Nicht selten hat Apple mit einer neuen iOS-Funktion ganze Firmen obsolet gemacht.

Nun kommt im Herbst also iOS 14 auf Apple-Nutzer zu. Die Software wird auf allen iPhones ab dem 6er-Modell laufen (für iPads gibt es ein eigenes iPadOS) und kann zur Folge haben. Was ändert sich also nun?

Mail und Browser frei wählbar

Apple springt über seinen Schatten und erlaubt es Nutzern erstmals, dass sie selbst bestimmen, welche Mail-App und welcher Browser standardmäßig verwendet werden. Bisher ist es ja so, dass sich Apples Mail-App öffnet, wenn man irgendwo auf einen Link klickt, der eine neue Mail auslöst. Mit iOS 14 wird man auch konkurrierende E-Mail-Apps (v.a. Gmail von Google) als Standard-App festlegen können. Auch wird nicht mehr Safari der Default-Browser sein.

Das eröffnet auch für Startups einige Möglichkeiten. Erst unlängst startete mit Hey.com ein Herausforderer für die Mail-App – diese werden Nutzer nun als Default-App einstellen können. Auch die Anbieter von marktanteilsmäßig kleinen Browsern haben nun mehr Spielraum, um neben Safari hervorzustechen.

Funktionen, die andere schon längst haben

Kommen wir zu den schwierigeren Teilen von iOS 14. Denn da sind eine ganze Reihe von Features integriert, die man eigentlich längst bereits von anderen Apps/Firmen kennt. Hier einige Beispiele:

  • Fahrrad-Navigation: Apple Maps wird zuerst in US-Städten Navigation für Fahrradfahrer anbieten – unter anderem auch, um ihnen zu zeigen, dass sie möglicherweise Stiegen überwinden müssen. Solche Fahrradrouten kennt man etwa schon vom österreichischen Startup Bikemap – dieses zählt mittlerweile fünf Millionen Radrouten weltweit. „Wir sehen das als sehr große Bestätigung, dass das Fahrradsegment ein absolutes Wachstumsfeld ist in Zukunft. Apple Maps für Fahrrad gibt’s ab Herbst ja nur in ein paar Städten, und naturgemäß dauert eine wirkliche Internationalisierung nochmal deutlich länger“, so Bikemap-CEO Matthias Natmessnig.
  • Wetter-Apps: Es gibt sie wie Sand am mehr – auch weil die Apple-eigene Wetter-App nicht unbedingt toll ist und in Sachen Funktionalität von anderen längst überholt wurde. Nun hat Apple aber erst im März das Startup Dark Sky zugekauft, das mit einer Wetter-App aufgefallen ist, die sehr genaue Wettervorhersagen (vorerst in den USA) schafft. Funktionen von Dark Sky haben bereits ihren Weg in iOS 14 gefunden.
  • Sprachübersetzungen: In einem neuen „Conversation Mode“ wird es eine Übersetzungsfunktion geben, mit der das iPhone die zwei Seiten eines Gesprächs automatisch in die jeweils andere Sprache übersetzt und die Wörter/Sätze am Bildschirm anzeigt. Auch das kennt man bereits von einigen anderen Übersetzungs-Apps. Auch das native Keyboard von Apple soll beim Tippen übersetzen können – das kennt man etwa auch von iTranslate aus Graz.
  • Schlaf-Tracking: Mit einer neuen Sleep-Tracker-Funktion für die Apple Watch in watchOS 7 wird Apple künftig direkt mit vielen anderen Schlaf-Trackern konkurrieren. Durch das Erkennen minimalster Bewegungen durch den Beschleunigungssensor der Watch, die die Atmung während des Schlafs signalisieren, soll die Apple Watch auf intelligente Weise erkennen, wann der Träger schläft und wie viel Schlaf man jede Nacht bekommt – das kennt man bereits von vielen anderen Schlaf-Tracker-Apps.

Und dann ist da noch Android

Was bei iOs 14 aber wirklich ins Auge sticht: Viele Dinge sehen aus wie Features, die Googles Betriebssystem Android schon seit vielen Jahren hat. Da wären zuallererst die Widgets, die man sich künftig auf den Homescreen setzen kann, um sich Wetterdaten, Kalendereinträge, Fotos usw. in größeren Kacheln anzeigen zu lassen – Android, aber auch Windows Phone lassen recht herzlich grüßen. Auch die neue „App Library“, die installierte Apps in einer Liste anzeigt, erinnert doch stark an den „App Drawer“ von Android.

Auch die kommenden „App Clips“ – also Mini-Versionen von Apps zum schnellen Ausprobieren einer Kernfunktion – kennen Android-Nutzer schon länger – dort heißen ähnliche Funktionen „App Slices“ bzw. „Instant Apps“. Und auch die neuen Übersetzungsfunktionen und die Bild-in-Bild-Funktion werden Android-Nutzer nicht hinter dem Ofen hervorlocken können.

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