Österreich

Investor: „Dass mit Start-ups auch Geld verbrannt wird, ist völlig normal“

Burn, baby, burn. © Fotolia/Nik Merkulov
Burn, baby, burn. © Fotolia/Nik Merkulov

Wenn alles nach Plan verläuft, dann gibt es in Österreich noch dieses Jahr einen neuen Fonds in der Größenordnung von 60 bis 100 Millionen Euro, der auch für österreichische Start-ups in der Wachstumsphase interessant werden könnte. Denn die i4g Investment GmbH aus Wien (i4g steht für „investments for generations“) arbeitet gerade daran, einen solchen Fonds bei institutionellen Investoren im In- und Ausland aufzustellen. Unterschrieben sei noch nichts, so i4g-Chef Michael Kübeck, er glaube aber jedenfalls, dass ein solcher Private-Equity-Geldtopf für das Land sehr wichtig sei.

„Ich glaube, dass die Later-Stage-Finanzierung in Österreich am Boden ist. Das ist volkswirtschaftlich gesehen ein großes Problem“, so Kübeck. „Start-ups können sich in Österreich mittlerweile gut finanzieren, aber bereits existierende KMU benötigen ebenfalls Kapital für Innovation oder Internationalisierung, das sie oft nicht bekommen. Grund sind neue Regularien für Banken, wie zum Beispiel Basel III.“ Weil Firmen in Österreich aufgrund dieser strengen Bankenregularien nur schwer an größere Millionenbeträge in der Wachstumsphase (bereits „break even“, anstehende Internationalisierung, etc.) kommen, will man diese Lücke schließen.

i4g ist laut compass Firmenbuch unter anderem bei Savira (Pharma), logi.cals (Industrie 4.0), VisoCon (Videokonferenzen) und Cardbox Packaging investiert, außerdem ist die Firma Mehrheitseigentümer der twyn group, ein auf Online-Werbung spezialisiertes Unternehmen.

„Ohne Risiko keine Rendite“

Ob i4g es schafft, einen so großen Fonds zu „closen“, muss man abwarten. Im Vorjahr kündigte Venionaire rund um Berthold Baurek-Karlic an, einen Start-up-Fonds in der Größenordnung von 100 Millionen Euro starten zu wollen, bis heute hat man nichts von einem Closing gehört. Kübeck jedenfalls will, wenn der Fonds einmal steht (angepeilt ist das zweite Halbjahr), zwischen zwei und 15 Millionen Euro je Firma investieren. Angestrebt werden dabei Mehrheitsbeteiligungen, doch dem Gründer will man dann optimalerweise etwa 25 Prozent der Firmenanteile lassen. „Wer nicht teilen kann, kann nicht multiplizieren“, sagt Kübeck. „Unternehmer, die zu stark verwässert werden, verlieren die Motivation. Das Beteiligungsverhältnis zwischen Unternehmer und Investor muss in einem motivierenden Verhältnis für beide Seiten bleiben.“

Dass im aktuellen Hype rund um Start-ups in Österreich auch Wohlhabende in den Markt kommen, die in dem Geschäft Geld verlieren können, erwartet sich auch Kübeck. „VCs in den USA investieren in hunderte Unternehmen, und eines davon wird ein Erfolg. Dies ist auch in Österreich nicht anders und somit ist die Tatsache, dass Geld mit Start-ups auch verbrannt wird, völlig normal. Ohne Risiko gibt es keine Rendite, je höher das Risiko, desto höher die mögliche Rendite.“

Die Sache mit dem Scheitern

Hat man im Jahr 2015 mit den Verkäufen von Runtastic und Shpock zwei große Exits gesehen, ist es 2016 „nur“ bei einer ganzen Reihe von Investments gekommen. Fälle, dass bekannte Start-ups wieder zusperren mussten, gibt es noch wenige – zuletzt wurde bekannt, dass die gehypten Maßjeans-Schneiderer Gebrüder Stitch ihre Firma schließen müssen. „Meine Sorge ist, dass die derzeit euphorische Start-up-Stimmung kippt, wenn es einige Negativbeispiele gibt“, sagt Kübeck.

Umso wichtiger sei es, auch auf Seiten der Investoren eine Kultur des Scheiterns zu etablieren. Niemand dürfe davon ausgehen, dass Start-up-Investitionen eine sichere Bank sind, und die Gründer dürften bei Versagen nicht gebrandmarkt werden. Kübeck: „Investoren, die in Start-ups investieren, wissen, dass das mit hohem Risiko verbunden ist. Kulturell betrachtet müssen wir in Österreich aber erst noch lernen, mehr auszuprobieren und Scheitern und Rückschläge auch als Chance wahrzunehmen.“

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