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Investments: 2020 entwickelt sich zu Rekordjahr für Startups

Daumen hoch im Corona-Jahr. © engin akyurt on Unsplash
Daumen hoch im Corona-Jahr. © engin akyurt on Unsplash

„Mit Stand 31.07.2020 (09:00 Uhr) sind noch Fördermittel in Höhe von rund EUR 8 Mio. verfügbar. Anträge werden laufend entgegengenommen und bearbeitet.“ Diese Information haben österreichische Startups am Freitag vergangener Woche vom Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten. 8 Millionen Euro an Zuschüssen können von der staatlichen Förderbank demnach noch an innovative Jungfirmen vergeben werden, die durch die Corona-Krise getroffen wurden.

Das bedeutet nicht nur, dass bald die vollen 50 Millionen Euro des COVID-Startup-Hilfsfonds vergeben sind, sondern auch, dass private Investoren mindestens 50 Millionen Euro in österreichische Startups, die durch den Hilfsfonds unterstützt werden, investiert werden. Denn: Voraussetzung für die Zuschüsse sind, dass Privatinvestoren frisches Eigenkapital in ein Startup investieren, um die Hilfszuschüsse zu bekommen. Zusammen mit den bisher bekannten Investments des Jahres 2020 bedeutet das: Das Corona-Jahr könnte ein Rekordjahr in Sachen Startup-Investments werden.

Zuschüsse aus Hilfsfonds locken privates Geld an

Die Zuschüsse aus dem COVID-Startup-Hilfsfonds funktionieren folgendermaßen: Ein Zuschuss kann maximal 800.000 Euro groß sein. Bekommt ein Startup also etwa 1 Million Euro Investment, dann schießt die aws 800.000 Euro zu. Und: Es werden bereits erfolgte Förderungen (De minimis) abgezogen, was unterm Strich bedeutet: Oft werden die Gelder der Investoren nicht 1:1 verdoppelt. Heißt: Wenn die aws insgesamt 50 Millionen zuschießt, dann haben Privatinvestoren einiges mehr als 50 Mio. Euro investiert. Gehen wir von 60 Millionen Euro aus.

In der folgenden Liste finden sich die bisher bekannten größten Investments in österreichische Startups. Die meisten davon wurden bekannt gegeben, bevor der COVID-Startup-Hilfsfonds beantragt werden konnte:

Startup Investment Vertical
PlanRadar 30 Mio. Euro PropTech
Adverity 27,7 Mio. Euro AdTech
Refurbed 15,6 Mio. Euro Marketplace
OncoOne 13 Mio. Euro Life Sciences
Anyline 10,8 Mio. Euro OCR
goStudent 8,3 Mio. Euro EduTech
byrd 5 Mio. Euro Logistics
ready2order 5 Mio. Euro FinTech
Mostly AI 4,3 Mio. Euro AI
FireStart 4 Mio. Euro BPM
ToolSense 3 Mio. Euro IoT
Gronda 1,5 Mio Euro Job Marketplace
Valanx > 1 Mio. Euro Life Sciences
Innerspace > 1 Mio. Euro VR
hi.health > 1 Mio. Euro InsurTech
TriLite > 1 Mio. Euro AR
Prewave > 1 Mio. Euro Big Data
SignD > 1 Mio. Euro Identity
Bitpanda > 1 Mio. Euro FinTech
Orderlion > 1 Mio. Euro Gastronomy
gesamt 136,2 Mio. Euro

Diese 136 Millionen plus die 60 Millionen Euro, die die aws-Zuschüsse gehebelt haben, machen bereits fast 200 Millionen Euro aus. Bedenkt man, dass es noch eine ganze Reihe an Investments mit weniger als einer Million Euro gibt und man etwa im Falle von Bitpanda nicht genau weiß, wie viel Investiert wurde, dann könnte es noch viel mehr sein. Und weil in Österreich gerne staatliche Fördergelder zu Investments dazugerechnet werden, dann kommt man mit den 50 Millionen Euro schon mal auf etwa 250 Millionen Euro – und das, obwohl es erst Anfang August ist.

Zweite Jahreshälfte wird schwieriger

Nun wird spannend sein, wie sich die zweite Jahreshälfte entwickelt. Einer Umfrage von Venionaire Capital unter Investoren in Europa (European Venture Sentiment Index) hat zwar gezeigt, dass eine negative zweite Jahreshälfte zu erwarten ist. Doch der Wettbewerb im Health-Tech sowie im High-Tech Bereich soll bestehen bleiben. „Gerade bei Startups im Bereich der Impfstoffforschung, der Bio-Wissenschaften sowie bei Anbietern von einschlägigen Lösungen im Bereich Digitaler Gesundheit ist die Wahrscheinlichkeit von Investments am größten“, heißt es in der Studie.

Auch in einer Umfrage seitens PrimeCrowd bei Privatinvestoren hieß es dieses Jahr, dass 65 Prozent trotz – oder wegen – Corona Geld in Startups stecken wollen. Dazu kommt, dass Speedinvest Anfang des Jahres einen Fonds für Early-Stage-Startups 190 Millionen Euro gestartet hat und es mit Calm/Storm einen neuen Fonds für frühphasige Startups gibt. Und: Der von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck angekündigte VC-Fonds (a.k.a. Runway-Fonds) ist noch ausständig.

Die Chancen stehen also sehr gut, dass 2020 die Vorjahre 2019 und 2018 (jeweils je nach Berechnung zwischen 160 und 240 Mio. Euro) deutlich überbieten kann.

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