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Intrapreneurship hat viele Fallen. 8 Tipps, wie es trotzdem funktionieren kann

© Photo by Startaê Team on Unsplash
© Photo by Startaê Team on Unsplash

Intrapreneurship. Es wirkt fast so als würde sich heutzutage jedes Unternehmen darum bemühen davon zu profitieren, aber fast niemand scheint es wirklich zu schaffen. Es gibt jedoch ein paar einfache Gründe, warum Intrapreneurship in den meisten Fällen nicht wirklich zu Ergebnissen führt.

Seit ich an der Universität etwas über Intrapreneure (diese makellosen Geschöpfe, die auf magische Weise alle unternehmerischen Hürden überwinden und das Unternehmen von Grund auf neu erfinden) gelernt habe, war ich von diesem Thema fasziniert. Wenn man den Geschichten über Intrapreneurship Glauben schenkt, dann würde es tatsächlich eine spannende Karriereentscheidung darstellen. Angesichts der Hunderten Intrapreneurship-Programme, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen, muss man sich allerdings die Frage stellen:

Was ist der Unterschied zwischen einem Intrapreneur und der Teilnahme an einem Intrapreneurship-Programm und warum hat fast jedes Intrapreneurship-Programm Schwierigkeiten, Ergebnisse zu erzielen?

In diesem Artikel möchte ich genau diese Frage beantworten, die acht häufigsten Stolperfallen nennen und erklären, wie diese überwunden werden können.

1. Das Corporate Umfeld als Ausgangsbasis

Corporates sind nicht das ideale Umfeld, um eine Idee auszubrüten und wachsen zu lassen, auch wenn es in vielerlei Hinsicht so scheinen mag. Es bringt zwar gewisse Vorteile wie die bestehende Marke des Unternehmens, die vorhandene Nutzerbasis und den Zugang zu Geld, aber die Nachteile für Intrapreneure überwiegen in vielerlei Hinsicht.

Intrapreneurship-Programme werden oft als „Schnellboote“ bezeichnet, im Vergleich zu dem großen Tanker, der das Unternehmen darstellen soll. Sie verhalten sich jedoch meist eher wie Ruderboote. Sie stoßen auf viel Widerstand und haben es schwer, überhaupt voranzukommen.

Die Lösung: Versuche Intrapreneurship-Initiativen so gut wie möglich vom Tagesgeschäft getrennt zu halten, aber hege trotzdem engen Kontakt zu Schlüsselpersonen im Unternehmen. Diese können und sollten auch regelmäßig einbezogen werden. Zum Beispiel indem sie über den Fortschritt und Prozess eines Projektes informiert und aktiv in die Gestaltung miteinbezogen werden.

2. Intrapreneure haben keine Upside und daher keine Motivation

Sich für seine eigene Idee oder ein größeres Ziel über Jahre hinweg abzuarbeiten, erfordert viel (intrinsische) Motivation und Leidenschaft. Vielleicht, aber nur vielleicht, bekommt man anschließend die Möglichkeit, nach einigen harten Jahren, gutes Geld zu verdienen. Ohne die Aussicht auf mindestens einen dieser potenziellen Vorteile würde niemand, der bei klarem Verstand ist, über einen längeren Zeitraum unzählige Stunden und Nerven investieren.

Entrepreneure haben diese Voraussetzungen im Idealfall, wohingegen Intrapreneure jedoch selten große Vorteile genießen. Im besten Fall können sie für eine Weile aus dem Unternehmensalltag ausbrechen und einige praktische Methoden kennenlernen. Das ist alles! Wenn überhaupt, bedeutet es nur zusätzliche Arbeit.

Die Lösung: Implementiere bestimmte Vorteile für Intrapreneure. Das können Anteile an einem zukünftigen potentiellen Spin-off sein, mehr Freiheit während und nach der Durchführung des Projekts oder bestimmte neue Aufgaben, die sich ergeben können. Finde für jeden Einzelnen den richtigen Anreiz.

3. Mitarbeiter werden gezwungen, Intrapreneure zu sein

Der Mythos Intrapreneur: Ein herausragender Mitarbeiter, der alle Aufgaben meistert und jeglichem Druck standhält, der wie kein anderer vernetzt ist, um innerhalb einer Organisation das Unmögliche möglich zu machen. Dies ist meist ein theoretisches Phänomen. In der Realität werden Menschen oft zu bestimmten Intrapreneurship-Aktivitäten mehr oder weniger gezwungen oder überredet. Das fördert natürlich kein positives Ergebnis.

Die Lösung: Schaffe einen Pool interessierter Mitarbeiter, indem du kontinuierlich Bildungsformate, sowie Veranstaltungen und Meetups anbietest. Erstelle eine Auswahlliste von „High Potentials“ mit herausragender Motivation und melde dich bei ihnen, sobald du das richtige Programm oder Thema gefunden hast.

4. Intrapreneure bekommen nicht die Zeit, die sie brauchen

Mit der Einführung eines neuen Produkts /einer neuen Dienstleistung im Unternehmen zu beginnen, ist in vielerlei Hinsicht so, als würde man ein eigenes Startup gründen. Ein großer Fehler, den Unternehmen begehen, ist es diese Initiativen wie ein Nebenprojekt zu den regulären Aufgaben der Mitarbeiter zu behandeln. Lass mich dich fragen: Glaubst du, dass jemand mit seinem Startup erfolgreich sein könnte, wenn er alle zwei Wochen einen Tag daran arbeiten würde, oder vielleicht mit 20% der Gesamtarbeitszeit? Nicht wirklich, oder?

Die Lösung: Mach ein Projekt zur Priorität, anstatt 20 Initiativen gleichzeitig laufen zu lassen. Wenn du die Innovationsbemühungen frühzeitig kommunizierst und sicherstellst, dass die einzelnen Fachabteilungen selbst davon profitieren, kannst du mehr Ressourcen und die besten Köpfe an Bord holen.

5. Nicht jeder hat das Potenzial

Obwohl Intrapreneure, wie auch Entrepreneure, bestimmte Eigenschaften in Verbindung mit einem besonderen Mindset haben, muss gesagt werden, dass nicht jeder dazu gemacht ist, ein Intrapreneur zu sein – und das ist völlig in Ordnung so.

Die Lösung: Es ist wichtig, ausschließlich nach Menschen mit dem richtigen Mindset und den richtigen Fähigkeiten zu suchen. Was du suchst, sind selbstgesteuerte, neugierige und gut vernetzte Personen, die über das richtige Wissen in dem spezifischen Bereich verfügen, in dem du Innovationen implementieren willst. Wenn du mit den „falschen“ Leuten anfängst, kannst du es gleich bleiben lassen.

6. Budget ist nicht so leicht zu bekommen

Hast du jemals versucht, ein digitales Produkt oder auch einen ersten MVP zu entwickeln, ohne dass jemand im Team in der Lage war zu programmieren und mit einem sehr begrenzten Budget? Scheint unmöglich, richtig? Nun, das ist es auch! Sehr oft ist das Budget für die Durchführung bestimmter Projekte einfach nicht realistisch und außerdem nur limitiert verfügbar.

Die Lösung: Stelle sicher, dass du im Voraus ein ungefähres Budget mitteilst. Dieses sollte nicht nur den ersten Schritt umfassen, sondern den gesamten Weg vom Start bis zur Umsetzung schätzen. Auch durch das Einbeziehen von Managern, die zusätzliches Budget freigeben können, und durch den Versuch, diesen daraus einen Nutzen zu bieten, wirst du leichter an Geld kommen.

7. Das Projekt kann niemandem übergeben werden

Irgendwann wird aus einer Idee ein Produkt und ein Produkt muss in die Unternehmensstruktur integriert, oder zu einem Spin-off werden. Wenn die Intrapreneure nur für eine begrenzte Zeit blockiert sind und danach, wie in den meisten Fällen, zu ihrem Tagesgeschäft zurückkehren müssen, musst du irgendwann jemanden finden, der die Aufgabe der Integration und Erhaltung übernimmt. Geschieht dies nicht, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.

Die Lösung: Sorge dafür, dass immer ein Ideeneigentümer für das Projekt vorhanden ist. Im besten Fall bringt diese Person die Idee ein und integriert sie später auch.

8. Kein Visionär vorhanden

Jedes Startup braucht einen Visionär, der das Team antreibt, lenkt und motiviert. So auch jedes Intrapreneurship-Team. Wenn es dem Team an Richtung und vor allem an Antrieb fehlt, kann das Vorhaben leicht ins Leere laufen. Vor allem in einem Corporate-Umfeld neigen die Teams oft dazu, auf bürokratische und konzeptionelle Ansätze zurückzugreifen, anstatt den Schwerpunkt auf das Machen zu legen.

Die Lösung: Stelle sicher, dass ein starker Innovations-Manager an Bord ist, der die Initiativen leitet. Diese Person muss das Team mit Enthusiasmus anstecken und noch härter als jeder andere daran arbeiten, dass es funktioniert.

Schlussfolgerung

Viele der acht angesprochenen Punkt laufen auf das Problem hinaus, dass die Innovation Departments nicht genug Macht haben, um die benötigten Ressourcen zu bekommen. Darüber hinaus erwartet das Top-Management von Innovationsaktivitäten, dass ihre Programme und deren Teilnehmer in der Lage sind, Probleme zu lösen, die die Organisation selbst bisher nicht lösen konnte, und das noch dazu billiger und schneller.

Außerdem ist nicht jeder zum Intrapreneur geboren. Diese Leute sind wirklich schwer zu finden. Wie bereits erwähnt, zeichnen sie sich, um nur einige Eigenschaften zu nennen, durch ein einzigartiges Mindset, Tatkraft und die Bereitschaft aus, den Status quo zu ändern.

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, ob es immer noch Sinn macht, ein Intrapreneurship-Programm in deinem Unternehmen zu betreiben. Vor allem deshalb, weil die reine Kenntnis aller genannten acht Punkte nicht bedeutet, dass es einfacher wird, ein solches Programm umzusetzen. Meine Meinung dazu ist jedoch immer noch ein klares „Ja“. Nicht unbedingt, um kurzfristig großartige neue Produkte zu entwickeln, sondern eher, um die Einstellung der Menschen, und damit der Unternehmen, insgesamt langsam in Richtung einer offeneren und innovativeren Kultur zu verändern. Wenn man sich dessen bewusst ist, sollte sich die Einstellung und die Erwartung gegenüber Intrapreneurship-Programmen innerhalb der Unternehmen ändern. Es sollte als das gesehen werden, was es wirklich ist: Ein Instrument, um die Denkweise in Richtung eines stärker zukunftsorientierten Ansatzes zu verändern und der einzige Weg, dies zu erreichen, ist der harte Weg.

Alex Schuh arbeitet aktuell als Senior Innovation Consultant & Digital Product Designer bei Pioneers, wo er gemeinsam mit Corporates Innovationen von der Idee bis zur Markteinführung begleitet. Du kannst ihn am besten über LinkedIn kontaktieren.

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